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Größere Aufmerksamkeit für die kleinen Gewässer

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Dauer- und Platzregen sind Ursachen für Überflutungen. Im Landkreis laufen mehrere Schutz-Projekte. © David Ebener/dpa

Im Landkreis Erding finden zahlreiche Maßnahmen zum Wasserbau und zur Gewässerentwicklung statt. Einen Überblick gab es beim Gewässer-Nachbarschaftstag in Buch am Buchrain.

Buch am Buchrain – So wurden heuer unter anderem mit den Gemeinden Eitting und Oberding Sturzflutrisikomanagement-Konzepte erarbeitet. Isen erstellte ein Hochwasserschutzkonzept. „Denn Hochwasser ist nicht gleich Hochwasser“, sagte Werner Zacharias, der seit über 30 Jahren beim Wasserwirtschaftsamt (WWA) München arbeitet und seit 2019 für den Wasserbau und die Gewässerentwicklung im Landkreis Erding zuständig ist. Man müsse vom Ausgang des Hochwassers ausgehen, um ein adäquates Konzept erstellen zu können. „Bei langem, anhaltenden Regen geht das Hochwasser vom Gewässer aus. Bei lokal begrenztem Starkregen entsteht es auf der Oberfläche und kann somit überall auftreten“, erklärte Zacharias. In diesem Fall fließe der Oberflächenabfluss in den Bach, bei Hochwasser sei es anders herum.

Als Beispiel für ein Hochwasserereignis nennt Zacharias das großräumige Auftreten im Jahr 2013. Dabei entstanden die meisten Schäden an großen Flüssen, bei lokalen Starkregen-Ereignissen treten diese vor allem an kleinen Gewässern auf.

Bei den Gewässer-Nachbarschaftstagen, an denen Zacharias unter anderem betroffene Bürgermeister informiert, sind ihm diese besonders wichtig: „Ich erhoffe mir, dass unsere kleinen Gewässer im Alltag die Aufmerksamkeit erhalten, die ihnen zusteht. 90 Prozent der Gewässerstrecken in Bayern sind kleine.“

Und auch für diese können Schutzmaßnahmen und Ökoausbauten notwendig oder förderlich sein. Die Erstellung des richtigen Konzepts folgt dabei laut Zacharias mehreren Schritten. Zunächst sei eine Analyse der aktuellen Verhältnisse anzustellen. Anschließend folge die Erstellung eines digitalen hydraulischen Modells, mit dem das Überschwemmungsgebiet und Eintrittswahrscheinlichkeiten bestimmt werden können. „Dann werden Maßnahmen vorgeschlagen. Dazu gehören technische wie Deiche, die Vergrößerung des Rückhalts durch Becken, die Veränderung des Fließwegs durch Flutmulden und Objektschutzmaßnahmen“, erklärt Zacharias. Danach werde die Wirtschaftlichkeit geprüft.

Anschließend entscheide die Gemeinde über konkrete Maßnahmen, „wobei die Verfügbarkeit der Grundstücke eine zentrale Rolle spielt“, so Zacharias. Vor der möglichen Förderung, Ausschreibung und Bauausführung müsse ein Planungsbüro Unterlagen für das wasserrechtliche Genehmigungsverfahren erstellen. „Das Konzept selbst ist der erste Schritt und dauert etwa ein Jahr. Der Weg bis zum fertigen Hochwasserschutz dauert in der Umsetzung häufig mehrere Jahre“, sagte Zacharias.

Die Kosten für die Gemeinden reduzieren sich durch hohe Fördersätze: „Für die Erstellung gibt es grundsätzlich bis zu 75 Prozent Förderung. Beim Bau von Hochwasserschutzmaßnahmen beträgt der Fördersatz 50 bis 75 Prozent, beim ökologischen Gewässerbau sind bis zu 90 Prozent möglich.“

Aktuell sind im Landkreis einige Projekte im Gange. Die Gemeinde Kirchberg lässt das Überschwemmungsgebiet der Kleinen Vils ermitteln und die Gemeinde Bockhorn erstellt ein Hochwasserschutzkonzept für Grünbach. Außerdem erarbeitet die Gemeinde Taufkirchen ein Sturzflutrisikomanagement-Konzept.

Zudem gibt es laut Zacharias einige Projekte, die voraussichtlich 2023 umgesetzt und „wahrscheinlich gefördert werden“. Als größte anstehende Projekte nannte er den Hochwasserschutz der Siedlung am Seebach in Oberdorfen und den Ökoausbau des Seebachs im Dorfener Ortsteil Zeilhofen. „Neben dem Seebach wird auch der Hochwasserschutz im Stadtgebiet Erding am Itzlinger Graben, Berghamer Wiesengraben und Aufhauser Graben eine große Maßnahme sein“, kündigte Zacharias an.  chl

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