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Rund 200 Interessierte aus Erding, aber auch aus Wörth waren am Mittwochabend zur über dreistündigen Infoveranstaltung der Stadt Erding und des Wasserwirtschaftsamtes München in den Saal des Gasthofs Adlberger nach Altenerding gekommen

Hochwasserschutz für Erding

Große Angst vor nassen Häusern und Wiesen

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Erding - In Wörth geht weiter die Angst um, beim Hochwasserschutz für Erding der Verlierer zu sein. Die Bedenken sind beim Wasserwirtschaftsamt München angekommen. Von „großzügigen Entschädigungen“ ist die Rede. Welche Lösung kommt, ist noch nicht endgültig beschlossen.

200 Erdinger und Wörther waren am Mittwochabend in den Gasthof Adlberger gekommen. Die dreistündige Versammlung verlief weitgehend sachlich. Die Stimmungslage ist klar: Vor allem in Altenerding und Langengeisling sieht man in dem weiter favorisierten Rückhaltebecken bei Niederwörth einen wirksamen Schutz bei weiteren Hochwassern durch Sempt und zulaufende Bäche. In Wörth wiederum gibt es viele Menschen, die um ihre Häuser fürchten – weniger wegen des eingestauten Wassers aus dem Sempt-/Schwillachtal als wegen des hohen Grundwassers, das etwa an metertiefer Spundwände im Boden nicht ungehindert abfließen kann. Auch die Landwirte sind skeptisch. Sie befürchten Schäden an ihren Feldern, Ernteausfälle sowie ein Problem, mit ihren Schleppern zu ihren Flächen zu gelangen.

Zu Beginn der Bürgerversammlung erklärte Oberbürgermeister Max Gotz, man befinde sich im Dialog. Keineswegs könne von einer Situation David (Wörth) gegen Goliath (Erding) die Rede sein. „Wir sollten es vorurteilsfrei und offen angehen.“ Im Verlauf des Abends schlug sein Wörther Kollege Thomas Gneißl in die gleiche Kerbe. Einerseits bat er um Verständnis, „dass es bei uns sehr viele Sorgen und Ängste gibt“. Er müsse die Interessen seiner Gemeinde vertreten. Anderseits erklärte er, Verständnis für die Erdinger zu haben. Auch er warb für ein konstruktives Miteinander.

Sylva Orlamünde, Leiterin des Wasserwirtschaftsamtes München, betonte mehrfach: „Es ist noch nichts entschieden, es gibt nur eine Vorplanung.“ Ihr Mitarbeiter Dr. Stefan Fach stellte beide Varianten vor – ein Ausbau mit Mauern und Dämmen in Altenerding (1,5 Kilometer) und Langengeisling (450 Meter) beziehungsweise ein großes Rückhaltebecken bei Niederwörth im Süden der Kreisstadt. Der Damm mit Auslassbauwerk würde laut Fach bis zu 3,50 Meter hoch sein. Maximal 45 Kubikmeter pro Sekunde könnten reguliert ablaufen. Die Einstauhöhe läge bei höchstens 2,5 Meter. Das Wasser hätte bis zu vier Hektar Platz, um sich zu verteilen. „Damit wäre Erding vor einem 100-jährlichen Hochwasser geschützt. Hinzu kommen 15 Prozent Klimaaufschlag.“ Die Standfestigkeit des Damms reiche sogar für ein 1000-jährliches Katastrophenereignis.

Fach und Orlamünde sagten an die Adresse der Grundeigentümer im Staubereich: „Für jede Fläche gibt es eine Einmalzahlung von 20 Prozent des Grundstückswerts. Jeder Ernteausfall wird binnen sechs Wochen erstattet.“ Orlamünde befand: „Der Freistaat ist da sehr großzügig.“

Fach machte deutlich, dass seine Behörde das Rückhaltebecken vorziehe. Unter anderem wies er darauf hin, dass der Ausbau mit Dämmen das Problem flussabwärts verlagere. Er sagte aber auch: „Ganz ohne Schutzmaßnahmen in Erding wird es nicht gehen, etwa eine kleinere Mauer oder ein erhöhter Gehweg an der Landgerichtstraße.

Den Vorschlag von Naturschutzbeirat Helmut Trinkberger, auf das Becken zu verzichten und stattdessen flussaufwärts kleinräumig zu renaturieren (wir berichteten), griff Orlamünde auf. Der Gedanke sei gut und naheliegend, allerdings nicht umsetzbar. „Die kleinteilige Lösung hält einem echten Hochwasser nicht stand“, sagte sie. Fach wies auf den „viel höheren Flächenverbrauch“ hin. Es drohten dann häufiger kleinere Wasserschäden.

Thomas Atzenhofer ging auf die Grundwasserproblematik ein. „Wir richten Messstellen ein und werden ein Profil erstellen.“ Beim Bau des Beckens werde man Durchlässe schaffen, damit das Grundwasser abfließen kann. Ergebnisse sollen bereits im ersten Quartal 2017 vorliegen, im zweiten werde es eine weitere Infoversammlung geben. Atzenhofer versicherte: „Das ist ein lösbares Problem.“ Orlamünde ergänzte, dass auch hier Schäden reguliert würden.

In der Debatte, in der vor allem die Wörther das Wort ergriffen und die von der Angst vor nassen Häusern und Feldern dominiert war, forderten mehrere Redner Stadt und Wasserwirtschaftsamt auf, die Gräben sowie die Sempt zu räumen. Kies, Schlamm und überbordender Bewuchs müsse entfernt werden. Die Landwirte erhielten die Zusage, dass die Flächen im Becken erreichbar seien. Auch hier gebe es Ausgleich.

Insgesamt verlief die Diskussion sachlich. Nur ein Wörther stellte sich bezüglich der Nachbarstadt stur. „Das Wasser ist bisher immer schon bei uns vorbeigeflossen, das soll auch weiter bei uns vorbeifließen.“

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