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Ein Jahr Bühnen-Auszeit hat sich Monika Gruber gegönnt. Untätig war sie in den vergangenen Monaten aber nicht. Die Erdinger Kabarettistin hat unter anderem ein Buch geschrieben, gemeinsam mit dem Journalisten Andreas Hock. Der Titel: „Und erlöse uns von den Blöden“. 

Corona, Männer mit Dutt und das beste Pasta-Rezept

Das große Silvester-Interview mit Monika Gruber: Von wegen Auszeit

  • vonAlexandra Anderka
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Wie ist es eigentlich der Erdinger Kabarettistin Monika Gruber im Corona-Jahr 2020 ergangen, dem Jahr, in dem sie sich ohnehin eine Auszeit nehmen wollte. Hier unser großes Interview zum Jahreswechsel.

Erding– Monika Gruber, Star-Kabarettistin aus Erding, hat ein Händchen in Sachen Erfolg. Selbst in der Corona-Pandemie, in dem Jahr, in dem sie sich eigentlich selbst eine Auszeit verschrieben hat, war sie nicht untätig. Sie hat zusammen mit dem Journalisten Andreas Hock ein Buch geschrieben. Titel: „Und erlöse uns von den Blöden – Vom Menschenverstand in hysterischen Zeiten“. Es befindet sich bereits in der fünften Auflage.

Wir haben uns mit der 49-Jährigen über ihr neuestes Werk und die Begleiterscheinungen der Corona-Krise unterhalten. Außerdem verrät uns die Kabarettistin ihr Geheimrezept für die beste Penne all’arrabbiata und wieso gerade die 91-jährige Auer Lilli aus Grünbach für sie der Inbegriff von Charme ist.

Frau Gruber, Sie stehen seit einem Jahr nicht mehr auf der Bühne. Nicht wegen Corona, sondern weil Sie sich eine Auszeit genommen haben. Wie geht es Ihnen damit?

Ich persönlich darf gar nicht jammern, denn ich hätte mit meiner selbst gewählten Auszeit ehrlich gesagt keinen besseren Zeitpunkt treffen können. Allerdings müsste ich längst Termine für den Herbst 2021 vereinbaren, und es lässt sich leider noch gar nicht absehen, wann die Kultur wieder in einen für alle halbwegs rentablen Modus zurückkehren wird. Ich tippe ehrlich gesagt eher auf das Jahr 2022. Allerdings habe ich schon für die nächste Zeit Angebote für zwei Fernsehserien, und ich werde zusammen mit Thomas Lienenlüke an meinem bereits angefangenen Drehbuch weiterschreiben. Davon abgesehen hält mich meine neue Homepage – mit den vielen noch geplanten Interviews von großartigen, aber nicht zwingend prominenten Frauen – gehörig auf Trab. Also, so oder so: Fad wird’s mir ned.

Corona verändert alles – fast. Wie hat die Pandemie Ihre Sichtweise auf manche Dinge verändert?

Corona wirkt wie ein Brennglas: Es hat die Dummen noch dümmer, die Hysterischen noch hysterischer, die Misstrauischen noch misstrauischer und die Faulen noch fauler gemacht. Und gerade in so unsteten und aufgeregten Zeiten zeigt sich für mich, wie wichtig Familie und die wenigen guten Freunde, die einen auffangen, trösten und vielleicht zwischendurch wieder aufrichten und umgekehrt, doch sind. Mir – und ich denke auch vielen anderen – wurde wieder bewusst, dass es eigentlich nie die großen Dinge wie beispielsweise Fernreisen oder riesige Events waren, die einem wirklich Freude bereiten, sondern eher die kleinen Angelegenheiten: ein gemütlicher Kartenabend mit Freundinnen, mit unserem neuen Familienhund in die Welpenschule mitzugehen und solche Dinge. Obwohl ich mich schon sehr darauf freue, endlich wieder am Sonntagmittag mit meinen Eltern ins Wirtshaus zu gehen und mir einen Zwiebelrostbraten bestellen zu können und zu wissen: Die Küche daheim bleibt ohne Fettspritzer.

Sie waren trotz Auszeit im vergangenen Jahr nicht untätig und haben unter anderem zusammen mit dem Journalisten Andreas Hock ein Buch geschrieben. Der Titel lautet: „Und erlöse uns von den Blöden“. Sie müssen sich so oft über die Blödheit Ihrer Mitmenschen aufregen. Gibt es trotzdem noch Hoffnung?

Wie gesagt: Die Blöden sind durch Corona leider nicht schlauer geworden. Insofern kann einem schon angst und bange werden, wenn man zum Beispiel sieht, dass sich das gepflegte deutsche Denunziantentum nicht nur wieder wachsender Beliebtheit erfreut, sondern teils sogar staatlich gewünscht wird. Aber natürlich hat diese Pandemie wie alle Krisen auch ein paar positive Seiten. Ich bin ja von der Grundstimmung her eher ein sanfter Grundgrantler, aber wenn wir uns auf der Terrasse meines Vaters oder Bruders am Sonntagnachmittag nicht mehr anschreien müssen, weil so wenig geflogen wird, dann hat das schon was. Auch dass mehr Menschen regional kaufen und sich die Hofläden wachsender Beliebtheit erfreuen, ist durchaus positiv. Und vielleicht besinnen wir uns ja doch darauf, dass oft weniger mehr ist: dass man nicht jedes Jahr eine Reise auf die Malediven oder eine Transatlantik-Kreuzfahrt machen muss, dass man sich nicht jede Woche bei einer internationalen Wegwerfmodekette ein Sweatshirt für fünf Euro zu kaufen braucht, dass man nicht auch noch nachts mit Skiern durch den mit Flutlicht beleuchteten Tiefschnee brettern muss, sondern der Natur ihren Frieden lässt, dass nicht jeder Jugendliche nach dem bestandenen Abitur eine Weltreise machen muss, sondern vielleicht ein soziales Jahr. Ob’s so kommt? Na ja. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Gut, aber sie stirbt. Halt nicht an Corona.

Sie vermissen den gesunden Menschenverstand in der aktuellen Situation. Was würden Sie als Politikerin anders machen?

Politiker zu kritisieren, ist immer einfach. Aber man fragt sich schon, warum seit neun Monaten gemahnt wird, Pflegeheime und deren Bewohner samt Personal besser zu schützen – und es bis dato weder ausreichend Schnelltests, noch genug wirksame Masken für solche Einrichtungen gibt. Herr Spahn meinte nach dem ersten Lockdown auch, dass es ein Fehler war, den Handel komplett zu schließen, und dass man diesen Fehler nicht wiederholen dürfe. Und jetzt ist wieder alles zu. Davon abgesehen, dass ich es für wenig erfolgversprechend halte, im Freien Maske zu tragen, gibt es noch andere Maßnahmen, deren Sinn man durchaus hinterfragen sollte: Warum kündigt man aufgrund der kritischen Situation einen Lockdown noch vor Weihnachten an, um dann tagelang Riesenschlangen vor und in den Geschäften zu provozieren? Das war so, als ob ich einen Ertrinkenden sehe und ihm zurufe: „Ah ja, ich sehe, Du ersäufst gerade . . . warte, den Rettungsring schicke ich Dir am nächsten Mittwoch!“ Auch wurde Herr Söder bereits nach einem einzigen Tag aus seiner häuslichen Quarantäne entlassen, mit der Begründung, in seinem Büro gäbe es ein geeignetes Belüftungssystem, während man als Normalsterblicher selbst mit doppelt negativem Test mindestens zehn Tage zuhause eingesperrt wird. Und warum hat man dieses offenbar sehr effektive System aus der Staatskanzlei nicht schon längst in unsere Schulen eingebaut, damit die Kinder nicht stundenlang mit einem aufgeweichten Stück Stoff vor dem Mund und in ihre Winterjacken gewickelt lernen müssen, wenn sie denn überhaupt mal wieder zur Schule kommen dürfen? Das muss man nicht verstehen, aber man muss nachfragen und den Finger in die Wunde legen.

Sie finden, das Gespür bei den Leuten gehe immer mehr verloren. Wo merken Sie das am deutlichsten?

Das sollten Sie nicht mich fragen, sondern alle Menschen, die in irgendeiner Form in einem Dienstleistungsberuf tätig sind – egal, ob nun in einer Bäckerei, beim Friseur, im Supermarkt oder als Handwerker. Die werden Ihnen alle dasselbe sagen: Viele Kunden sind nicht mehr nur grantig, sondern bösartig, weil sie irgendwo ihren Frust und ihre Wut ablassen müssen. Aber warum macht man das ausgerechnet bei Leuten, die zum einen absolut nichts für die derzeitige Situation können und zum anderen jeden Tag ihren Hintern acht bis zehn Stunden in die Arbeit bewegen, während viele andere selbigen in der Jogginghose zwischen Couch und Küche hin- und herschieben und das im besten Fall „Homeoffice“ nennen?

Sie schreiben in Ihrem Buch viel von verloren
gegangenen Tugenden. Welche sind Ihnen am wichtigsten?

Neben einer gewissen Grundhöflichkeit und -empathie gegenüber anderen fehlt mir oft in der heutigen Zeit ein gehöriges Maß an Eigenverantwortung. Aber unser überfürsorgliches System hat leider eine gewisse Vollkasko-Mentalität hervorgebracht, die bei vielen Mitmenschen dazu führt, dass immer nur nach „dem Staat“ geschrien wird: Der Staat soll mir gefälligst meine Kleinkinder abnehmen, der Staat soll die Jugend erziehen, sich um die Alten kümmern, der Staat muss mir eine geheizte Wohnung zur Verfügung stellen, und wenn die Spülmaschine kaputt ist, dann muss mir der Staat eben eine neue kaufen. Keiner fragt sich: Wer ist eigentlich „der Staat“? Das sind die, die noch jeden Tag aufstehen und täglich zwischen acht und zwölf Stunden buckeln. Aber die werden gefühlt täglich weniger, und die Masse derer, die ständig plärren: „Das steht mir zu!“, wird größer. Ich finde, wir sollten wieder anfangen zu fragen: „Was kann ich für das Gemeinwesen tun? Wie kann ich dazu beitragen, das wir den Karren aus dem Dreck ziehen?“. Wenn etwa jeder in seinem direkten Umfeld sich ein bisschen mehr um seine Nächsten im wörtlichen Sinne kümmern würde, dann würden gerade in diesen schwierigen Zeiten weniger Menschen vereinsamen – da wäre schon viel gewonnen. Ein Beispiel: Ein Angehöriger eines Heimbewohners im Heiliggeist-Altersheim hat sich bei der Heimleitung beschwert, dass das Personal sich viel zu wenig kümmern würde. Auf die Frage, wann er sich denn zum letzten Mal bei seiner Mutter blicken habe lassen, kam nix mehr. Der war nämlich in diesem Jahr noch kein einziges Mal da. Okay, er wohnt in der Nähe von Frankfurt, aber auch das lasse ich nur bedingt als Ausrede gelten.

Mais-Monokultur, Biogasanlagen, Schweinemast: Warum setzen immer noch so viele Landwirte auf Masse anstatt Qualität?

Weil ihnen die Politik und der Großteil der Verbraucher keine andere Wahl lassen. Selbst die Bauern, die sich komplett auf die Bio-Schiene verlegen wollen, finden keine Abnehmer, weil zwar die Mehrheit der Konsumenten bei jeder Befragung angibt, gern mehr Geld für Bio-Lebensmittel und Fleisch aus artgerechter Haltung ausgeben zu wollen. Wenn’s dann aber an die Wurst- und Fleischtheke geht, zählen für viele dann doch nur wieder die drei üblichen Kriterien: billig, billig, billig. Der Bioanteil von Schweinefleisch in Deutschland liegt bei rund 1,4 Prozent, für Geflügel bei rund 1,8 Prozent und für Rindfleisch bei 4,4 Prozent. Daher würde ich heute noch mit großem Vergnügen denjenigen, der den Slogan „Geiz ist geil“ erfunden hat, mit einem Kilo Billig-Kotelett einmal von Berchtesgaden bis Kiel dreschen. Dieser fatale Spruch hat in den Köpfen vieler Verbraucher die Grundprogrammierung verändert und war sicherlich der Beschleuniger für unsere jetzige Gesellschaft, die weiterhin Masse statt Klasse verlangt. Komischerweise gilt das oft nicht in anderen Lebensbereichen, denn fürs neueste Smartphone gibt man gut und gerne mal 1200 Euro aus, während man bedenkenlos und ohne schlechtes Gewissen ein Pfund Hackfleisch für 99 Cent kauft.

Welches Kapitel Ihres Co-Autors Andreas Hock gefällt Ihnen am besten?

Schwer zu sagen, vielleicht der Abschnitt „Love me, gender!“, weil er darin teils humorvoll, teils erschreckend aufzeigt, wie sehr auch ein Phänomen wie die jetzige Pandemie auch immer mit sprachlicher Verrohung einhergeht. Humorvoll, weil unser ganzes Buch in erster Linie unterhalten soll. Erschreckend, weil man selber merkt, wie sehr man sich an die Vergewaltigung unserer Sprache schon gewöhnt hat – und wie bescheuert es doch ist, ein Gender-Sternchen in den Begriff Fußgänger*innen zu setzen, weil die seit Jahrhunderten gebräuchliche männliche Form plötzlich Frauen beleidigen könnte.

Männer mit Dutt sind nicht Ihr Fall. Wie sieht Ihr Traummann aus?

Ach, mei: Er sollte so groß sein wie ein Skandinavier, aber dunkel wie ein Süditaliener, trinkfest wie ein Ire, den Schmäh eines Österreichers und den schwarzen Humor sowie die guten Manieren eines Engländers besitzen. Aber ganz wichtig: Er sollte alles daheim reparieren können – so wie es nur ein bayerischer Handwerker kann.

Schon Ihr erstes Buch war in der Spiegel-Bestseller-Liste, das aktuelle erneut. Ihre Vorstellungen sind stets ausverkauft. Gelingt Ihnen eigentlich alles?

Oh mei, ich sag immer: Ich stehe auf der Bühne, weil ich sonst nix anderes kann. Und das stimmt: Ich bin der absolute technische Volltrottel, und kann mir auch im Zusammenhang mit Technik nix merken, weil es mich null Komma null interessiert. Ich könnte nicht einmal einen Autoreifen wechseln, wenn mein Leben davon abhinge! Ich kann weder stricken, noch nähen, und wenn ich mir manchmal meine Bügelwäsche anschaue, dann weiß ich selber nicht, ob ich sie schon gebügelt habe oder nicht, und bringe sie lieber zu Frau Dlouhi. Ich kann leider (immer noch) nicht so gut kochen wie meine Mama. Dazu habe ich Depp nach neun Jahren Klavierunterricht mit dem Spielen aufgehört, sodass ich jetzt nicht einmal die Tonleiter mehr kann. Ich spreche immer noch nur leidlich Italienisch und bin in Geografie eine solche Pfeife, dass ich ohne Navi wahrscheinlich nicht mal von Freising wieder heim finden würde. Dafür hab ich in meinem Hirn unglaublich viel Platz für unnützes Wissen: Ich kann zum Beispiel fast alle Dialoge aus sechs Folgen „Monaco Franze“ mitsprechen. Darüber hinaus habe ich einige Produktionen im TV mitverschuldet, auf die ich nicht wirklich stolz bin. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. So viel zum Thema, ob mir alles gelingt.

Die Auer Lilli aus dem Tante-Emma-Laden in Grünbach ist für Sie der Inbegriff von Charme. Erklären Sie uns bitte, was sie hat und vielen anderen Leuten verloren gegangen ist.

Sie wurde einmal von einem Reporter des Bayerischen Rundfunks gefragt, warum sie denn den Laden überhaupt betreiben würde, wo der doch ein reines Draufzahlgeschäft ist. Und sie antwortete: „Ja mei, weil mi mei’ Kundschaft braucht!“ Das fand ich unglaublich charmant.

Sie behaupten in Ihrem Buch, Ihre Penne all’arrabbiata seien besser als in so manchem italienischen Restaurant. Verraten Sie uns Ihren Geheim-Tipp?

Ha! Jetzt leg’ ich mich wahrscheinlich mit allen italienischen Köchen an, wobei ich sagen muss: Der Pino vom Dal Vecchio an der Langen Zeile macht wunderbare Penne all’arrabbiata und ich esse sie oft und gern dort. Für mich selber allerdings habe ich ganz lang ausprobiert und herumgetüftelt, bis ich auf ein Rezept gestoßen bin, das mir am besten taugt: die Zwiebel wird mit zwei Knoblauchzehen und Chili (nach Geschmack) angedünstet, danach gebe ich Tomatenstücke aus der Dose und etwas Tomatenmark hinzu, lösche es mit Gemüsebrühe ab und gebe dann noch geviertelte Kirschtomaten zum Mitdünsten hinein. Das Ganze mit Salz und Pfeffer abschmecken, die gekochten Nudeln dazu, umrühren und mit viel frisch geriebenem Parmesan servieren.

Wann dürfen sich die
Erdinger wieder auf eine Monika Gruber in der Stadthalle freuen?

Puh, wenn ich das mit Sicherheit sagen könnte, dann wäre ich wahrscheinlich aufgrund meiner seherischen Fähigkeiten vielfacher Lotto-Millionär und würde gar nicht mehr spielen, sondern die meiste Zeit in meinem Ferienhaus auf Capri zubringen, das ich mir in diesem Fall gekauft hätte.


Weitere Infos

zu Monika Gruber findet man auf ihrer Internetseite www.monika-gruber.de. Das aktuelle Buch „Und erlöse uns von den Blöden“, das sie gemeinsam mit dem Nürnberger Journalisten Andreas Hock geschrieben hat, ist auch im Landkreis in allen Buchhandlungen erhältlich, auch als Hörbuch. Preis: 20 Euro.

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