Wo geht’s lang? Die Trassen der Walpertskirchener Spange wurden bei den Grünen genau studiert. foto: kuhn

Grüne: Ja zur Südeinschleifung als kleineres Übel

Erding - Die Erdinger Grünen sind klar für die Südeinschleifung beim S-Bahn-Ringschluss. Allerdings nur, weil die Nordeinführung aus ihrer Sicht noch viel schlechter ist.

Die Grünen können sich auf eine Studie des bayerischen Verkehrsministeriums berufen, das die Südeinführung klar besser bewertet hat. Günther Kuhn stellte diese Studie am Mittwoch in der Kreisversammlung im Hotel Henry vor.

Die Argumente der Grünen für die Südeinführung: Sie würde entlang der S-Bahn-Trasse Lärmschutz ermöglichen, verbrauche weniger Fläche und halte den Bahnhof im Zentrum der Stadt. Dass diese Erkenntnisse des Staatsministeriums von der Erdinger Stadt-CSU einfach über Bord geworfen worden seien, kann Kuhn nicht nachvollziehen.

Die Grünen hatten sich fachlichen Rat geholt: Volker Leib ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Grünen-Bundestagsabgeordneten Anton Hofreiter, Vorsitzender des Verkehrsausschusses. Und Leib erklärte, dass der angedachte Kreuzungsbahnhof auf dem Fliegerhorst-Gelände über viele Jahre, vielleicht Jahrzehnte, ein Torso bleiben würde. Anhand von Zahlen aus dem Bundesverkehrsministerium konnte er aufzeigen, dass die Walpertskirchener Spange ein „Wunschtraum“ bleiben werde. Er hatte auch eine Antwort des bayerischen Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage des Landtagsabgeordneten Christian Magerl vorliegen, aus der hervorgeht, dass die Walpertskirchener Spange nur dann Sinn mache, wenn die Bahnlinie München- Mühldorf-Freilassing voll elektrifiziert ist. Das aber werde noch mindestens 20, wenn nicht noch mehr Jahre auf sich warten lassen, so Leib. Konsequent habe die Bahn bereits in hochmoderne Diesellokomotiven investiert. „Die werden über 30 Jahre abgeschrieben.“ Ohne Walpertskirchener Spange komme aber die Regionalbahn gar nicht bis zum Kreuzungsbahnhof in Erding. „Die können den zwar bauen, nur wird sich da nie was kreuzen.“

Hintergrund sei die krasse Unterfinanzierung der Verkehrsprojekte im Bund. Zudem laufe die gemeinsame Nahverkehrsfinanzierung von Bund und Ländern im Jahr 2019 unwiderruflich aus. Das sei das Ergebnis der von Edmund Stoiber und Franz Müntefering seinerzeit erarbeiteten und vom Bundestag und Bundesrat gebilligten Föderalismusreform. Nahverkehr sei dann Ländersache.

Ringschluss und Walpertskirchener Spange würden allein so viele Mittel verschlingen, dass für die übrigen Verkehrsprojekte im Bund kaum was übrig bleibe, so Leib. Entsprechend seien die Realisierungschancen. Und: „Diese Sondertöpfe, von denen da immer geredet wird, die gibt es nicht. 300 Millionen für den Erdinger Ringschluss, weitere 150 Millionen für die Walpertskirchener Spange, das zaubert niemand aus dem Hut, das Geld muss im Haushalt ausgewiesen werden.“

Die Nordeinführung würde hauptsächlich zu Lasten von Langengeisling gehen, erklärte Kuhn. Von dort könnten im Zuge des Planfeststellungsverfahren auch Klagen kommen. „Das würde das Vorhaben sofort um Jahre zurückwerfen“, folgerte Kuhn, der auf eine Einsicht vor allem bei der SPD im Stadtrat hofft. „An der hängt es letztlich.“ (Klaus Kuhn)

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