1 von 3
Seit mehr als 50 Jahren ist Familie Dosch mit ihrem Stand auf dem Erdinger Wochenmarkt. 
2 von 3
Eine Institution: Christa Schmid (l.) ist seit 52 Jahren auf dem Grünen Markt. Rosemarie Angermaier unterstützt sie beim Verkauf.
3 von 3
Wintereinbruch im Mai 1996: Gewitter mit Schneefall schneite das Gemüse an Doschs Stand ein.

Lange Tradition

Grüner Markt in Erding: Wo das Einkaufen ein Erlebnis ist

Frische Lebensmittel aus der Region möglichst unverpackt einkaufen: Das ist seit Jahrzehnten auf dem Grünen Markt in Erding möglich - jeden Donnerstagvormittag. 

VON GERDA GEBEL

Erding Frische Waren aus der Region möglichst unverpackt einkaufen – diese Art der Versorgung liegt gerade voll im Trend. Doch ganz neu ist dies nicht, wie die lange Tradition des Grünen Markts, der jeden Donnerstagvormittag in der Erdinger Innenstadt stattfindet, zeigt.

Der Donnerstag als Markttag geht zurück bis ins Mittelalter. Auf dem Schrannenplatz wurden einst jeden Donnerstag ein Gerichtstag und ein Getreidemarkt abgehalten. Das Wort Schranne (abgeleitet vom italienischen „scranna“) bedeutet sowohl Gerichtsbank und auch Lagerhalle. Diese Schranne lockte jede Woche Händler aus der Umgebung, aber auch viele Käufer in die Stadt und vermehrte den Wohlstand Erdings. Nach der Auflösung der Getreideschranne im Jahr 1911 behielt man den Donnerstag als Markttag bei, der in der Gastronomie auch als „Gesellschaftstag“ bezeichnet wurde, da nach dem Marktbesuch traditionell beim Wirt eingekehrt worden ist.

Familie Dosch hat seit Ende der 1960er Jahre einen Stand

Wann genau der Wochenmarkt auf den gleichnamigen Platz vor der Grundschule umgezogen ist, lässt sich nicht mehr exakt ermitteln. Ende der 1960er Jahre jedenfalls startete Erwin Dosch mit seiner Gattin Theresia mit einem Marktstand auf dem Grünen Markt. Seit der Eröffnung seines Ladens 1963 an der Haager Straße fuhr der Geschäftsmann täglich um 2 Uhr früh nach München zur Großmarkthalle, um dort frisches Obst und Gemüse einzukaufen. Es lag nahe, diese Erzeugnisse auch auf dem Wochenmarkt anzubieten.

„Der Grüne Markt war damals ein reiner Versorgungsmarkt, da es noch keine Supermärkte gab“, erinnert sich Dosch. Auch in den Läden sei meist nur das Trockensortiment angeboten worden. „Für die Versorgung mit Obst und Gemüse waren viele Kunden auf den Markt angewiesen.“ Attraktiv am Marktbesuch war und ist die soziale Komponente. Man trifft Bekannte, hält einen Ratsch und kommt unter die Leute.

Verkäufer waren damals Bauern aus der Umgebung wie Barth Reiter († 2019) aus Lohkirchen, der über 60 Jahre jede Woche mit seinem Traktor nach Erding kam, um seine landwirtschaftlichen Produkte zu verkaufen. Dazu kamen Obst- und Gemüsehändler wie Erwin Dosch oder Otto Rys, die Gärtnerei Maier aus Langengeisling und die Gärtnerei Schmid aus Ammersdorf.

Gemüse und Blumen von Familie Schmid

„Seit meiner Hochzeit vor 52 Jahren bin ich jede Woche auf dem Grünen Markt“, erzählt Christa Schmid (72). Sie freut sich auf den Verkauf und den Ratsch mit den Stammkunden. „Wir wohnen ja recht einsam, da ist es schön, wenn sich hier was rührt“, sagt die gelernte Floristin, die neben Gemüse auch Blumen im Angebot hat. Früher hat Familie Schmid alles selbst angebaut, jetzt kauft sie einzelne Produkte zu, denn „die Leute wollen heute mehr Auswahl“. Seit ihr Mann krankheitsbedingt nicht mehr mithelfen kann, wird Christa Schmid von Rosemarie Angermaier aus Pretzen unterstützt. „Mir taugt der Marktverkauf total, vor allem auf dem Schrannenplatz, da ist mehr los“, sagt die 61-Jährige.

Auch Erwin Dosch verkauft lieber auf dem Schrannenplatz, wo der Markt seit einigen Jahren vorwiegend abgehalten wird. Nur in den Wintermonaten, während Christkindlmarkt und Eiszeit, spielt sich das Geschehen noch auf dem Grünen Markt ab. Dort ist der Wochenmarkt wegen der Großbaustelle an Schrannenplatz und Landshuter Straße auch aktuell.

„Der Schrannenplatz liegt mehr in der Sonne, da kommen viel mehr Käufer, der Umsatz ist deutlich besser“, sagt Erwin Dosch. Über mangelnden Zulauf kann sich der Markt auch in Corona-Zeiten nicht beklagen. Es besteht zwar Maskenpflicht für Käufer und Verkäufer, die Warteschlangen sind durch die Abstandsregeln länger, aber die Stimmung sei entspannt.

Kunden dürfen auch probieren

„Der Verkauf auf dem Markt ist ganz anders als im Laden“, sagt Theresia Dosch (78). Die Kunden seien netter und freundlicher, es werde auch akzeptiert, dass man die Waren nicht anfassen soll. Verändert habe sich die Einkaufsmenge. „Früher wurde das Obst oft steigenweise verkauft, aber heute wird weniger eingekocht.“ Gerne unterstützt sie die Kunden mit Tipps oder Rezepten. „Die Kunden dürfen am Stand auch gerne was probieren“, versichert ihr Mann Erwin (81).

Dass alles auf dem Grünen Markt seine Ordnung hat, dafür sorgt Marktmeisterin Teresa Arcuri vom städtischen Ordnungsamt. Sie ist zuständig für die Platzzuteilung, achtet auf freie Wege und kassiert die Standgebühr, die sich nach laufendem Meter und Stromverbrauch berechnet. Je nach Saison werden 20 bis 30 Marktstände aufgebaut.

Interessenten können sich bei der Stadt bewerben. „Die Wartezeit hängt vom Sortiment ab und ob ein Platz frei ist“, erklärt Robert Buckenmaier, Leiter des Ordnungsamts. Es gehe um eine gesunde Mischung im Angebot, im Zweifelsfall hätten Erdinger Vorrang bei der Vergabe.

Über die Jahrzehnte hat sich das Angebot verändert. Waren früher zur Freude der Kinder auch Kleintiere wie Enten- und Hühnerküken zu finden, so gibt es heute auch ausländische Spezialitäten. Und zwischen den Wagen mit Fisch oder Wurst- und Fleischwaren findet sich immer noch der Stand der örtlichen Eierfrau oder des heimischen Imkers.

„Der Grüne Markt ist zum Erlebnismarkt geworden“, sagt Erwin Dosch. Das genießen nicht nur Senioren und Mütter mit Kinderwagen. Auch ganze Schulklassen kommen mit ihrer Lehrerin, um das Einkaufen und den Umgang mit Geld zu lernen. Und wer beim Anblick der Kirschen, Erdbeeren und Pfirsiche den Eindruck hat, dass diese größer sind als gewöhnlich, der täuscht sich nicht. Erwin Dosch: „Die kleineren Früchte eignen sich besser zur Verpackung für die Supermärkte, deshalb findet man auf dem Wochenmarkt größere Früchte.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgesehene Fotostrecken

Lengdorf
Bücherei Lengdorf: Sturm auf die Ferien-Lektüre
Lendorfs Bücherei ist beliebt: Rund 120 Bücher und Zeitschriften haben die Lengdorfer beim Tag der offenen Tür nach Hause getragen.
Bücherei Lengdorf: Sturm auf die Ferien-Lektüre
Helma Wenzl geht in Pension: „Anordnen funktioniert nicht“
Nach zwölf Jahren als Direktorin am Anne-Frank-Gymnasium in Erding verabschiedet sich Helma Wenzl in den Ruhestand.
Helma Wenzl geht in Pension: „Anordnen funktioniert nicht“
„Seid’s stolz auf euren Abschluss“
„Seid’s stolz auf euren Abschluss“, lobte Bürgermeister Stefan Haberl die besten Absolventen der Mittelschule Taufkirchen und ehrte sie.
„Seid’s stolz auf euren Abschluss“
Dorfen
Jakobmayer-Brettl 3.0 in Dorfen: Die pure Lust am Spielen
Endlich wieder auf der Bühne: Kabarettist Alfred Mittermeier aus Dorfen und seine Gäste Nessi Tausendschön und Christof Spörk begeisterten ihr Publikum im Jakobmayer …
Jakobmayer-Brettl 3.0 in Dorfen: Die pure Lust am Spielen