Dickes Minus für die „Mittelstufe plus“

Erding - Nicht begeistert sind die Schulleiter der drei Gymnasien im Landkreis Erding vom Modell „Mittelstufe plus.“ Es bleibt also erst mal beim G8.

An den drei Gymnasien im Landkreis bleibt es vorerst beim G8. Bisher verfolgt keine der Schulen in Erding und Dorfen den Plan, die neue „Mittelstufe plus“ einzuführen. Dieses Modell streckt die Jahrgangsstufen acht, neun und zehn auf vier Jahre und gibt den Schülern mehr Zeit - eine Rückkehr zum G9 für einen kleinen Kreis. Trotz nicht abebbender Kritik am Abitur nach zwölf Jahren hält sich die Begeisterung an den Gymnasien in Grenzen, der Pilotbetrieb wird hier definitiv nicht stattfinden.

Am Donnerstag trafen sich die Direktoren der südostbayerischen Gymnasien, um sich im Kultusministerium über die nächste Reformbaustelle von Ludwig Spaenle führen zu lassen. Allein, Helma Wenzl vom Anne-Frank-Gymnasium, Hans-Joachim Fuhrig vom Korbinian-Aigner-Gymnasium und Gerhard Motschmann vom Gymnasium Dorfen fehlt der Glaube, dass es mit der Mittelstufe plus einfacher wird. Im Gegenteil: Im Gespräch mit unserer Zeitung betonen die Oberstudiendirektoren unisono, dass sie eventuell sogar eine Verschlechterung befürchten. „Es gibt deswegen dauerhaft nicht mehr Stunden“, sagt Wenzl, die nur die Zusage von vier Wochenstunden extra in der Testphase kennt. Fuhrig sekundiert, „dass auch die Lehrerversorgung dem zusätzlichen Jahr nicht angepasst wird“. Motschmann bringt die Rechnung zu Ende: „In letzter Konsequenz bedeutet das, dass die Mittelstufe plus zu Lasten der restlichen Schulfamilie werden kann.“

Entgegen erster Vorschläge erinnert Wenzl, sei nun doch von Nachmittagsunterricht die Rede. „Dass der entfällt, war anfangs ein Argument für diese Variante.“ Aber wenn es nun doch einen eigenen Nachmittagsunterricht für eine überschaubare Gruppe von Mittelstuflern gibt, „dann gibt es Probleme mit den Schulbussen“. Denn für die Mittelstufe plus werde sicherlich kein eigener Schülerverkehr eingerichtet - viel zu teuer. Weiterhin befürchtet die Chefin des ältesten Gymnasiums im Landkreis, dass die Einschnitte in den Stundenplan „zu Leerläufen am Vormittag führen können“. Sie weist auch darauf hin, dass völlig ungeklärt sei, was mit den Wiederholern passiert, die in das System hinein- oder aus ihm herausfallen.

Mit einem Aufbohren des G8 hat man am Anne-Frank-Gymnasium Erfahrung. 2012 war das so genannte Flexijahr eingeführt worden, das Schülern mit erhöhtem Förderbedarf ein zusätzliches, neuntes Jahr ermöglichte. „Die Resonanz bei uns darauf war mehr als gering. Vor zwei Jahren waren es zwei Interessenten, zuletzt kein einziger“, erinnert sich Wenzl. Mit Lehrerschaft und Eltern hat sie schon gesprochen: Auch von dort wird vor die Mittelstufe plus ein dickes Minus gesetzt.

Ihr Kollege Fuhrig bekennt, kaum Vorteile zu sehen. „Ich weiß gar nicht, ob das bei uns überhaupt machbar ist.“ Und Motschmann setzt erst einmal auf den Ausbau der Ganztagsschule in Dorfen. „Das hat jetzt Priorität, weil wir hier dem Wunsch vieler Familien nachkommen. Es macht keinen Sinn und hilft niemandem, zu viele Baustellen gleichzeitig offen zu haben.“ Schüler, die auf die Mittelstufe plus gesetzt haben, müssen nicht traurig sein. Zunächst einmal wird es im gesamten Bezirk zwei, maximal drei Pilotschulen geben. ham

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