Viel Blech, Keyboard und Schlagwerk braucht’s für den unverkennbaren Haindling-Sound. Am Mittwochabend spielte die Band in der Stadthalle vor begeistertem Publikum (v. l.) : Peter Enderlein (am Schlagzeug verdeckt), Wolfgang Gleixner, Hans-Jürgen Buchner, Michael Ruff Reinhold Hoffmann (verdeckt) und Michael Braun. Foto: Bauersachs

Haindling: Multi-Instrumentalisten mit Botschaften

Erding - Die bayerische Kultband Haindling machte auf ihrer „Achtung Achtung“-Tour gestern Abend Halt in der Erdinger Stadthalle. Hier wurden die sechs Musiker von vielen Fans begrüßt.

Ein großes Schlagwerk, mehrer E-Pianos, Gitarren und ganz viel goldfarbenes Blech warteten auf der Stadthallen-Bühne darauf, bespielt zu werden. Nach einem fulminanten Applaus zur Begrüßung legte die Band auch gleich los. Mit feinen Bläserklängen im Vordergrund eröffnete die Combo um Hans-Jürgen Buchner das Konzert in der ausverkauften Stadthalle. Der unverkennbare Haindling-Sound verzauberte das Publikum von der ersten Minute an.

Aus 160 Stücken habe die Band die „Achtung Achtung“-Tour zusammengestellt. Satter Funk, jazzige Bläserklänge und den Chor der Band kennen die Fans aus den bekannten Stücken wie „Paula“, „I hab di lang scho nimma gseng“ oder „Du Depp“. Letzteres Stück erhielt eine Überarbeitung - vom Haindling-Plastikmüll-Orchester. Auf Mülltüten, die sich die Männer umgeschnürt hatten, trommelten sie den Rhythmus, sangen und machten Gaudi auf der Bühne.

Doch Buchner möchte nicht nur schöne Musik machen. Der Niederbayer ist ein Querdenker und politischer Zeitgenosse. Er kritisierte die Schnelllebigkeit, Gedankenlosigkeit und Smartphone-Sucht, denen er täglich begegne und fordert das Publikum auf „Leit, hoits z’samm in dieser schwierigen Zeit.“

Die Bestuhlung in der Stadthalle gehe zwar wegen des vorgeschrittenen Alters der meisten Fans in Ordnung, so der 71-Jährige schmunzelnd. Doch für ein Medley aus Klassikern stand das Publikum auf Anweisung gerne auf, wippte und klatschte mit.

Experimentell ist die Filmmusik zu „Traumreise durch Bayern“ von Joseph Vilsmaier - ein instrumentales Stück, das Buchner und Michael Braun dominierten. Die beiden schlugen mit Klöppeln auf rund zwei Meter lange Holzrohre, die sie wie ein überdimensionales Hackbrett vor sich angeordnet hatten. Eine Überraschung gab’s, als Michael Braun und Reinhold Hoffmann zwei ausziehbare Alphörner Richtung Publikum schnellen und dann überkreuzt ertönen ließen. Den sechs Musikern, die meisten sind seit der Gründung dabei, bliesen, trommelten und klimperten gut gelaunt in ihre zahlreichen Instrumente. Jeder ist ein Multiinstrumentalist.

Bei der Zugabe spielte zunächst Buchner solo am Keyboard. „Ich hab vergessen, dass ich so vergesslich bin“, singt er ins Mikrofon und macht damit so manchen Zuschauer nachdenklich. Zum endgültigen Abschied gab’s den bittersüßen Titelsong von „Irgendwie und sowieso“: Servus, Haindling, und bleibt’ s so „freindlich!“ - Buchners Credo.

(and)

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