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Als recht streng gilt Brotprüfer Manfred Stiefel. Ist das der Grund für die nachlassende Teilnahme? 

Heuer nahmen nur noch drei von 18 Bäckereien am Wettbewerb teil – Zu streng und zu teuer?

Bei der Brotprüfung ist der Ofen aus

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Im Landkreis Erding nehmen immer weniger Bäcker an der Brotprüfung teil. Woran liegt das? Innungsobermeister Franz Gruber begibt sich auf Spurensuche.

Erding – Im Landkreis Erding gibt es nur noch 18 Bäckereien. Immer mehr Backshops sowie die Brottheken in Supermärkten und Discountern machen dem Handwerk das Leben schwer. Die Brotprüfung war viele Jahre lang ein wichtiger Qualitätswettbewerb. Doch die Ergebnisse werden immer weniger aussagekräftig. Denn immer weniger Betriebe nehmen an ihr teil. Heuer wurde ein neuer Tiefstand erreicht: Gerade einmal drei Bäcker reichten Brote und Semmeln ein.

Insgesamt 30 Proben wurden bewertet, teilt die Kreishandwerkerschaft mit – 18 Brote und zwölf Semmeln. Der Brotprüfung unterzogen sich die Bäckereien Gruber aus Sankt Wolfgang, Schauer aus Hörlkofen und Neumaier aus Reithofen. Sie konnten mit den Ergebnissen sehr zufrieden sein, die Prüfer Manfred Stiefel, selbst Bäckermeister, ermittelte: Bei den Broten vergab er 13 Mal die Note sehr gut, und fünf Mal die Note gut. Bei den Semmeln gab es in acht Fällen die Note 1 und und vier Mal die Note zwei. Dafür erhielten die Betriebe Urkunden.

Doch so recht zum Feiern ist der Innung nicht zumute. „Mit der Beteiligung sind wir alles andere als zufrieden“, räumt Obermeister Franz Gruber aus Sankt Wolfgang im Gespräch mit unserer Zeitung ein. „Das stellt unserer Branche kein gutes, sondern ein verzerrtes Zeugnis aus.“

Über die Gründe nachlassender Beteiligung kann er nur spekulieren. Von den Kollegen höre er immer wieder, dass die Kriterien zu streng seien. „Die Note sehr gut gibt es nur, wenn wirklich alles perfekt ist“, erzählt Gruber. Das reiche schon eine kleine Unebenheit bei der Kruste, und es gibt nur noch ein „Gut“. Die Note eins werde nur vergeben, wenn 100 Prozent der Vorgaben erfüllt sind. Gruber meint, hier könne man die Regularien durchaus liberaler handhaben.

Auch preislich sei der Wettbewerb „happig“. Es werde nach Sorten abgerechnet, erklärt Gruber. 20 Euro pro Sorte seien einigen Kollegen zu viel.

Heuer sei erschwerend hinzugekommen, dass die Prüfung an einem Montag stattfand. „Die Backwaren müssen mindestens einen Tag alt sein. Für uns bedeutete das heuer, dass sie spätestens am Samstag im Ofen gewesen sein müssen“, schildert der Obermeister. Brot und Semmeln seien also mindestens zwei Tage alt gewesen.

Zudem hätten einige Bäckereien am Samstag sehr viel Arbeit, andere so gut wie gar keine. „Beides sind Faktoren, die der Teilnahme heuer sicher geschadet haben.“ Nicht zuletzt habe einer der regelmäßigen Teilnehmer zu dem Termin Betriebsurlaub gehabt.

Gruber appelliert an seine Zunft, sich wieder stärker an der Brotprüfung zu beteiligen. „In den vergangenen Jahren sind die Ergebnisse immer besser geworden. Das ist ein echter Qualitätsbeweis.“ Zweimal würden die Bäcker zur Teilnahme aufgefordert. „Das kann niemand übersehen“, ist der Obermeister überzeugt. ham

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