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Handy in der Schule: ein Diskussionsthema.

Debatte über Vorstoß des Kultusministers

Handy in der Schule: Eine Frage des Alters

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Das Handy auf dem Pausenhof könnte bald legal werden: Bayerns Schulen sollen künftig selbst entscheiden, ob ihre Schüler das Smartphone auf dem Schulgelände nutzen dürfen. Rektoren, Elternbeiräte und sogar ein Schüler aus dem Landkreis sind skeptisch, wie das aussehen soll.

Erding – Überall tippen und wischen Menschen auf dem Smartphone: in der S-Bahn, im Café und vielleicht auch bald auf dem Pausenhof. Kultusminister Bernd Sibler will das Handyverbot an Bayerns Schulen lockern. In Zukunft sollen die Schulen selbst entscheiden, ob Schüler ihr Smartphone nutzen dürfen.

Der Kreis-Schülersprecher Leon Schmidt (17) aus Moosen weiß nicht, was er davon halten soll. Bisher ist es klar geregelt: Das Handy bleibt in der Schule aus – solange es nicht im Unterricht gebraucht wird oder eine Lehrkraft ausdrücklich eine Ausnahme erlaubt. In Zukunft könnte das Schulforum jeder Schule, bestehend aus Lehrern, Schülern und Eltern, darüber entscheiden, ob das Handy auf dem Schulgelände erlaubt ist. Leon Schmidt von der Mittelschule Taufkirchen findet das derzeitige Handy-Verbot aber eigentlich ganz gut, denn: „Wofür muss ich denn in der Pause einem Freund schreiben, wenn der eh gerade in der Nähe ist?“, sagt er. „Man geht ja auch in die Schule, um viele treue Freunde zu treffen“ – und nicht, um auf dem Handy zu tippen.

Da ist er auf der Seite von Schulsozialarbeiterin Waltraud Baumeister von der Mittelschule Wörth. Sie sagt: „Ein paar Stunden ohne Handy tun den Kindern doch ganz gut“, sagt die 58-Jährige. Sie sieht in den Handys großes Suchtpotenzial. Daher plädiert sie weiter für ein Handy-Verbot, denn: „Ich finde es nicht gut, wenn die Kinder in der Pause die ganze Zeit mit dem Handy rumtun.“

Auch Mobbing werde mit dem Handy in der Schule einfacher, berichtet die Sozialpädagogin. Das hat Leon Schmidt schon beobachtet, er war früher auf der Realschule in Taufkirchen: „Da haben einige den Lehrer im Unterricht gefilmt, das Video im Klassenchat veröffentlicht und da Morddrohungen gegen den Lehrer geschrieben.“

Anita Helfrich macht etwas anderes Sorgen: die Weiten des Internets. „Es besteht natürlich die Gefahr, dass die Schüler nicht so tolle Videos anschauen“, meint die Elternbeirätin an der Herzog-Tassilo-Realschule in Erding. Zum gekippten Handy-Verbot sagt sie: „Das ist sicherlich eine zeitgemäße Entscheidung, aber sie ist nicht so einfach umzusetzen.“ Schwierig sei zum Beispiel: Wann dürfen Schüler das Handy im Unterricht benutzen? Und wer kontrolliert, was Kinder mit dem Smartphone machen?

Der Rektorin der Carl-Orff-Grundschule in Erding, Christine Triska-Kowol, ist das zu kompliziert. Für sie steht fest: In ihrer Grundschule braucht niemand ein Handy: „Wir haben Smartboards mit Internetverbindung und einen Computerraum, wenn die Schüler etwas nachschauen wollen.“ Natürlich hätten einige Grundschüler schon ein Handy, aber: „Der Schulvormittag soll bei uns ein handyfreier Raum bleiben.“

Jens Baumgärtel, Rektor der Erdinger FOS/BOS, ist da anderer Meinung. Seine Schüler sind 16 Jahre und älter. Er könnte sich durchaus vorstellen, dass die Jugendlichen an seiner Beruflichen Oberschule in der Pause künftig auf dem Handy tippen dürfen, denn: „Handy-Verbote sind der falsche Weg“, allerdings sagt er auch: „Wir brauchen da klare Regeln.“

Zum Beispiel müsse der Internetfilter der Schule auch auf dem Smartphone der Schüler greifen und das Schulforum müsse zum Beispiel darüber diskutieren, welche Videos die Schüler auf dem Pausenhof schauen dürfen. Eine schwierige Sache also. Aber bis es dazu kommt, muss Kultusminister Bernd Sibler erst noch prüfen, ob die Neuregelung bei der Handynutzung in der Schule einer Gesetzesänderung bedarf.

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