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Der wohl wichtigste Politiker aus dem Landkreis Erding, Hans Zehetmair, sprach im vollen Erzählcafé im Museum über seine Karriere unter Strauß, Streibl und Stoiber.

Hans Zehetmair im Erzählcafé

Der politische Philosoph

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Hans Zehetmair war Landrat, Minister, Rechtschreibpapst. Die politische Karriere des gebürtigen Langengeislingers ist zu Ende. Im Erzählcafé schaute er zurück und sprach über Vertrauensverlust in die Politik.

Erding – Als Franz Josef Strauß anrief, war er gerade auf Landrat-Tagung am Tegernsee. „Die Staatskanzlei ist dran, haben sie mir gesagt“, erzählt Hans Zehetmair (81) im vollen Erzählcafé des Erdinger Museums. Am Telefon war Strauß persönlich: „Er hat erst gefragt: Warum verprasst ihr schon wieder so viele Staatsgelder?“ Und dann fragte ihn Strauß, ob er sein Kultusminister werden wolle. „Das trau’ ich mir schon zu.“ Er fackelte nie lange, wenn die Ministerpräsidenten anriefen.

Aufgewachsen ist Zehetmair mit fünf Geschwistern in Langengeisling: „Ich war dort der Einzige, der aufs Gymnasium ging“, sagt er vor den rund 120 Zuhörern: „Heute ist es ja schon komisch, wenn jemand nicht aufs Gymnasium geht.“ Zehetmair spricht bedächtig und bringt einen philosophischen Spruch nach dem anderen – etwa den von Seneca: „Das Leben könnte lang sein, wenn du es richtig leben würdest“ oder „Was immer du tust, tu es mit Bedacht und denk an das Ende.“ Manchmal spricht er sogar flüssig auf Lateinisch.

Vor seiner politischen Karriere studierte er Philologie, Germanistik, Geschichte und Sozialkunde und wurde Gymnasiallehrer. Mit 26 Jahren saß er schon im Erdinger Stadtrat: „Ich war ein konservativer Rebell. Damals war die CSU sehr herrschaftlich organisiert.“ Das wollte er ändern und war auch frech: Als sein SPD-Kollege im Stadtrat Erwin Kiefer sagte, dass er als junger Mann erstmal zuhören sollte, sagte Zehetmair: „Es gibt Leute, die zwar alt sind, aber immer noch dummes Zeug reden.“

Danach war er von 1978 bis 1986 Erdinger Landrat, anschließend Kultusminister unter den Ministerpräsidenten Strauß und Max Streibl. Vor 25 Jahren ernannte ihn Edmund Stoiber zum stellvertretenden Ministerpräsidenten, und so wurde er Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Stoiber rief ihn sogar mal im Sardinien-Urlaub an, als es um die Rechtschreibreform ging. Er sollte eine Vorlage schreiben, warum er die neue Reform ablehne. Zehetmair antwortete: „Ich sitz’ gerade in der Badehose und hab_ nichts zum Schreiben.“ Am nächsten Tag fuhr er heim.

Und trotzdem: Zehetmair würde wieder Politiker werden. Seine politische Karriere hat der Vater von drei Kindern vor rund vier Jahren beendet, als er den Vorsitz der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung abgab. Für die aktuellen Politiker hat er einige Tipps: „Wenn jemand sagt, dass er Politiker werden will, bin ich skeptisch Der soll doch erst mal was lernen.“ Außerdem sollten Regenten weniger recherchieren und Gesetze einfach durchwinken: „Sie müssten den Menschen mehr zuhören.“ Dann zitierte er Microsoft-Chef Bill Gates: Als Politiker müsse man auf dem Boden bleiben. „Das Wichtigste ist, dass man mit dem Partner auch mal ein Bier trinken kann.“

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