Pfützen am Wegesrand und ein wenig Schlamm zeugen noch von dem Hochwasser, das am Montagfrüh vom Itzlinger Graben (l.) ins Untergeschoss des Thermenhotels floss. Vor den bodentiefen Fenstern sollte eine mit Bambus bepflanzte Spundwand für Hochwasserschutz sorgen. Das hat nicht ausgereicht.
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Pfützen am Wegesrand und ein wenig Schlamm zeugen noch von dem Hochwasser, das am Montagfrüh vom Itzlinger Graben (ganz links) ins Untergeschoss des Thermenhotels floss. Vor den bodentiefen Fenstern sollte eine mit Bambus bepflanzte Spundwand für Hochwasserschutz sorgen. Das hat nicht ausgereicht.

1,5 Millionen Euro Schaden

Hausgemachte Hochwasserschäden in der Therme Erding? Stadtrat erhebt schwere Vorwürfe - „Muss man wissen“

  • Gabi Zierz
    VonGabi Zierz
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Sind die Hochwasserschäden am Hotel Victory der Therme Erding hausgemacht? Dieser Ansicht sind die Freien Wähler im Stadtrat. Die Therme weist den Vorwurf zurück.

Erding - Sind die Hochwasserschäden am Thermen-Hotel Victory hausgemacht? Wurde die Überflutungsgefahr, die vom Itzlinger Graben ausgeht, unterschätzt? Dieser Ansicht ist Hans Fehlberger, Fraktionssprecher der Freien Wähler im Erdinger Stadtrat. Die Therme weist den Vorwurf zurück.

Überschwemmungen in der Therme Erding: Für Stadtrat ein hausgemachtes Problem

Fehlberger sieht bei den aktuellen Überflutungen in Erding Parallelen zum Juni-Hochwasser 2013. Nur die Folgen seien diesmal nicht so verheerend. „Man hat gesehen, dass sich die Pflege der Gräben, Durchlässe und Rohre bezahlt gemacht hat, weil an den kritischen Stellen fast nichts passiert ist“, erklärte Fehlberger im Gespräch mit unserer Zeitung. Er mahnt beim Hochwasserschutz ein überlegtes, sinnvolles und machbares Handeln an, das die ganze Stadt im Blick habe.

Die Überflutung des Untergeschosses im Thermen-Hotel Victory ist für Fehlberger ein hausgemachtes Problem. Dort waren bekanntlich Wassermassen aus dem übergelaufenen Itzlinger Graben, der nur wenige Meter vom Hotel entfernt verläuft, eingedrungen und haben in kürzester Zeit Büro-, Fitness- und Lagerräume, Kühlung und Elektrik beschädigt. Auch der Keller des Wellenbades war beeinträchtigt. Der Schaden liege nach ersten Einschätzungen bei 1,5 Millionen Euro, erklärte Thermen-Geschäftsleiter Marcus Maier gestern.

Hochwasserschäden: Therme Erding kann Vorwürfe von Stadtrat nicht nachvollziehen

Zwar gibt es vor den bodentiefen Fensterfronten des Hotel-Untergeschosses als Hochwasserschutz eine Spundwand, doch die Fenster lägen zwei Meter tiefer als die natürliche Geländekante, erklärt Fehlberger. In Kenntnis der Ortslage sagt er, dass sich viele Flächen rund um den Itzlinger Graben zu diesem hin neigen und so ein innen liegender Kessel entstehe. „Das muss jemand, der dort draußen seinen Betrieb erweitert, wissen und für sich als eigenen Schutz berücksichtigen“, sagt Fehlberger.

Wenn es wie in den vergangenen Tagen zu lang anhaltenden Regenfällen komme und alle Böden und Wiesen mit Wasser gesättigt seien, fließe das Wasser in den Itzlinger Graben. Der Rückstau an der Stelle, an der der Graben etwa 50 Meter weiter in ein Rohr fließt, ist für Fehlberger dann kaum zu verhindern. Er betont: Bis vor einigen Jahren sei der Itzlinger Graben dort gänzlich oberirdisch verlaufen. Die Verrohrung sei erst 2014 erfolgt. Drüber habe man den Hotelparkplatz errichtet.

Einen Meter Durchmesser hat das Rohr, in das der Itzlinger Graben neben dem Hotelparkplatz fließt. 

Maier kann Fehlbergers Vorwürfe nicht nachvollziehen. Die Spundwand sei seinerzeit über das Maß des Jahrhunderthochwassers von 2013 hinaus gebaut worden. Damals sei man überzeugt gewesen, dass das ausreiche. „Aber das Wetter hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert.“

Die Spundwandhöhe ist seiner Einschätzung nach 1,50 Meter über dem Bachbett. Normalerweise sei der Itzlinger Graben ein kleines Bacherl, rund 60 Zentimeter breit. „Am Montag früh waren es fast 15 Meter“, sagt Maier.

Auch in der Therme Erding macht man sich Gedanken über einen verbesserten Hochwasserschutz. Es stehe auch zur Diskussion, die Spundwand um einen Meter zu erhöhen, sagte Maier.

Nach Überschwemmungen: Aufräumarbeiten in der Therme Erding laufen auf Hochtouren

Derweil laufen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Bis zu 90 Helfer seien im Einsatz – überwiegend im Untergeschoss, das 1,50 Meter unter Wasser stand. „Wir hatten Glück, dass das Wasser relativ schnell wieder weg war.“ So seien etwa die Pumpen nicht beschädigt worden. Allerdings habe man vorsichtshalber Ersatz bestellt, um gewappnet zu sein, falls die bestehenden in den nächsten Wochen doch ausfallen sollten.

„Wir sind vorsichtig optimistisch, dass wir das Hotel Victory am kommenden Wochenende wieder öffnen können“, meldet die Therme. Das sei das große Ziel. Ob bis dahin wenigstens der Lastenaufzug wieder läuft, konnte Maier noch nicht sagen. Mit diesem wird unter anderem die Wäsche auf die Stockwerke verteilt. Der Hauptaufzug für die Gäste werde länger ausfallen.

Im Wellenbad waren am Dienstag mehr als 30 Mitarbeiter damit beschäftigt, den Keller und vor allem die Technik wieder auf Vordermann zu bringen. „Die Hochleistungspumpen werden in einer Art Ofen mit 120 Grad getrocknet, und ein kleiner Teil der Wasseraufbereitungsanlage ist sogar schon wieder in der Umwälzung.“

Maier ist froh, dass die Arbeiten so schnell vorangehen. Der Strömungskanal Crazy River mit Außenpool und Pool Bar sowie der Sprudelbrunnen konnten am Mittwochnachmittag wieder in Betrieb genommen werden, das Wellenbecken innen und die Außenrutschen noch nicht.

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