Heiliggeist-Stift in Erding
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Eine Reihentestung im Heiliggeist-Stift ergab 67 positive Fälle. Archivbild.

67 Bewohner und 18 Mitarbeiter infiziert

Heiliggeist-Stift: Pflegekräfte am Limit

  • Gabi Zierz
    vonGabi Zierz
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Sieben von 22 Pflegeeinrichtungen im Landkreis für Senioren und Menschen mit Behinderung sind aktuell von Corona betroffen.

Erding – Sieben von 22 Pflegeeinrichtungen im Landkreis für Senioren und Menschen mit Behinderung sind aktuell von Corona betroffen. Besonders ernst ist die Lage im Heiliggeist-Stift in Erding. Dort sind 67 der 155 Bewohner und 18 Pflegekräfte mit dem Virus infiziert. Zwei Senioren sind bereits an oder mit Covid-19 gestorben. Diese Zahlen nannte die Stadt Erding am Montag auf Nachfrage.

Die Kommune verwaltet die Heiliggeist-Spitalstiftung, die Träger des Seniorenheims ist. Sie räumt auch Verzögerungen bei der Einweisung der Mitarbeiter zum richtigen Tragen der Schutzanzüge ein. Nicht nur das, sondern generell die Arbeitsbedingungen kritisieren einige Pflegekräfte im Stift. Die Namen sind der Redaktion bekannt.

„Ein Drittel der Belegschaft gilt aktuell als nicht einsatzfähig“, informiert die Stadt. Das macht die angespannte Lage deutlich. Jetzt sollen Schüler der Erdinger Krankenpflegeschule aushelfen, um die verbliebenen Mitarbeiter, „die am Rande der Erschöpfung sind“, so OB und Stiftungsratsvorsitzender Max Gotz, zu unterstützen.

Burkhard Köppen, pensionierter Pflegedirektor am Deutschen Herzzentrum in München. hat den Kontakt hergestellt. „Aktuell sind fünf Krankenpflegeschüler im Heiliggeist-Stift im Einsatz“, bestätigt Stadtsprecher Günter Pech. Man hoffe auf weitere personelle Unterstützung in den nächsten Tagen.

Pflegekräfte haben in einem Brief an die Heimatzeitung darauf hingewiesen, dass sie schon seit mehreren Wochen an ihrer Belastungsgrenze arbeiten und sich mit ihren Sorgen allein gelassen fühlen. Detailliert widersprechen sie der Darstellung der Stadt, dass infizierte Senioren auf zwei Stationen isoliert untergebracht seien und nur fest zugeordnetes Personal in Schutzanzügen Zutritt habe. „Die infizierten Personen befinden sich im gesamten Haus, und durch den akuten Personalmangel springen Pflegekräfte derzeit zwischen Stationen hin und her, haben sowohl mit infizierten als auch mit nicht infizierten Bewohnern Kontakt und übernehmen 12-Stunden-Schichten“, schreiben die Stift-Mitarbeiter.

Diesen Vorwurf wiederum weist die Stadt zurück: Unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Corona-Ausbruchs sei der zweite Stock der Pflegestation und kurze Zeit darauf auch der erste Stock als Isolierstation ausgewiesen worden. „Inzwischen sind auch der dritte Stock und das Erdgeschoss des Wohnpflege-Bereichs nur mit Schutzanzug zu betreten“, erklärt Pech. Lediglich für das Erdgeschoss des Pflegebereichs und den zweiten Stock der Wohnpflege würden die üblichen Corona-Bestimmungen gelten.

Aufgrund der außergewöhnlich angespannten Situation hätten Mitarbeiter auch länger als acht Stunden eingesetzt werden müssen, räumt die Stadt ein. Zu diesem Zweck habe die Heimleitung den festen Dienstplan aufgelöst, um die Dienste einigermaßen abzudecken. Es sei unmöglich, eine so hohe Zahl an Erkrankten von eigens abgestellten Kräften betreuen zu lassen, teilt die Stadt mit. Und weiter: „Dazu wurden alle verbleibenden Mitarbeiter mit der maximalen Schutzkleidung ausgestattet.“ Allerdings habe sich „der korrekte Wechselintervall der Schutzanzüge – täglich neuer Kittel, Ausziehen beim Verlassen der Station – erst aus den Vorgaben offizieller Stellen“ ergeben und „war bis zu diesem Zeitpunkt nicht festgelegt“.

Gotz versichert, dass in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt alle Bemühungen unternommen würden, die Situation wieder zu normalisieren. Dies ist auch für die Angehörigen wichtig, die seit zwei Wochen keinen Zutritt mehr haben.

Gabi Zierz

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