Heizpilze sollen für die Gastronomie den Sommer verlängern. Foto: dpa Sonderangebote und Live-Events

Heizpilze könnten Biergartensaison verlängern – Doch die meisten Wirte lehnen sie ab

Sommer aus der Gasflasche

Die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken – die Biergartensaison neigt sich dem Ende zu. Der Gastronomie drohen damit nach einem ohnehin schon schwierigen Jahr erneut Umsatzausfälle. Heizpilze könnten die Saison verlängern. Aus Gründen des Klimaschutzes sind sie mancherorts aber verboten. Und sie gefallen nicht jedem.

Erding Die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken – die Biergartensaison neigt sich dem Ende zu. Der Gastronomie drohen damit nach einem ohnehin schon schwierigen Jahr erneut Umsatzausfälle. Heizpilze könnten die Saison verlängern. Aus Gründen des Klimaschutzes sind sie mancherorts aber verboten. Und sie gefallen nicht jedem.

„Viele möchten sich in der derzeitigen Situation in der Gastronomie nicht in geschlossenen Räumen aufhalten. Sie werden den Betrieben als Kunden verloren gehen“, sagt Franz Bergmüller, Vorsitzender des Vereins zum Erhalt der Bayerischen Wirtshauskultur. Deswegen gehöre das Heizpilz-Verbot vorerst ausgesetzt. Um dieser Zusatzbelastung für die Gastronomie vorab entgegenzuwirken, fordert der Verband eine Ausnahmeregelung.

In Erding sind die Strahler nach wie vor erlaubt

„In der Stadt Erding sind Heizpilze gewerblich nach wie vor zugelassen“, informiert Sprecher Christian Wanninger. Im Brauereigasthof Erdinger Weißbräu an der Langen Zeile können wegen der strengen Hygieneauflagen derzeit nur etwa die Hälfte der normalerweise verfügbaren 400 Sitzplätze genutzt werden. Wegen der Baustelle durfte der Biergarten aber erweitert werden, inklusive Hütte. Betriebsleiter Michael Hildebrand zufolge soll dies auch möglichst bis zum Ende der Bauarbeiten am Ende des Jahres beibehalten werden. „Das Wetter spielt jedoch eine entscheidende Rolle“, weiß er. Den Einsatz von Heizpilzen begrüßt er. „Sie würden es uns erlauben, den Biergarten länger zu öffnen.“ Das sei gut für die Gäste, aber auch das Personal.

Biergartensommer lief gut

Günter Helfenbein vom Hirschbachwirt in Forstern blickt auf eine erfolgreiche Biergartensaison zurück: „Es lief bei uns sehr gut, im Innenbereich weniger. Die Leute hatten doch ein bisschen Angst.“ Im Biergarten konnten alle 100 Plätze genutzt werden. Heizpilze sieht der Wirt jedoch als wenig nützlich: „Es ist eine große Investition, von der ich wenig begeistert bin.“ Auf der überdachten Terrasse des Gasthauses wären sie theoretisch eine Option, die meisten Tische befinden sich jedoch im Freien. Dieser Bereich wird von zwei Kastanien überdacht, daher wäre es dort auch nicht möglich, die Gasstrahler aufzustellen.

Bergcafé rüstet Stube auf

Im Bergcafé Wartenberg wurden Trennwände zwischen den Tischen angebracht, um den Innenraum optimal nutzen zu können. Im Wintergarten konnte dadurch ein Tisch hinzugefügt werden. „Die Gäste fühlen sich bei uns sicher“, erzählt Wirtin Maria Angermaier stolz. Sorgen wegen der kühleren Jahreszeit macht sie sich nicht. „Wir wissen natürlich nicht, was uns erwartet. An der Situation kann man aber nichts ändern.“ Der Einsatz von Heizpilzen wäre der Wirtin zufolge bei ihr baulich nicht möglich. Für kleinere Betriebe seien sie aber „eine gute Idee“.

Der Sommergarten in Erding konnte von den 700 verfügbaren Plätzen nur etwa die Hälfte belegen. Wirt David Ritter ist trotzdem sehr zufrieden. „Wir hatten viele Öffnungstage. Von Corona hat man eigentlich gar nichts gemerkt.“ Anfang Oktober plant er den Umzug zurück ins Kennedys am Schönen Turm, wo die Gäste dann drinnen bedient werden. Der Außenbereich wird möglichst schön geschmückt, damit trotz Baustelle eine angenehme Atmosphäre herrscht. Von Heizpilzen hält Ritter allerdings nichts: „Sie sind klimaschädlich und auch nicht wirtschaftlich. Wir werden sie auf keinen Fall nutzen.“

Außenbereich für  Heizpilze zu klein

Im Gasthaus am Markt in Dorfen wurden die normalerweise 100 Sitzplätze auf knapp die Hälfte reduziert, im Außenbereich stehen den Gästen nur zwölf Plätze zur Verfügung. „Ich mache mir natürlich Sorgen, dass die Leute in den kalten Monaten weniger zu uns kommen“, sagt Sascha Sauer. Heizpilze würden ihm jedoch nicht weiterhelfen, „da der Außenbereich dafür zu klein ist und sich die Investition daher nicht rentiert“. Um auch in der kühleren Zeit möglichst viele Gäste anzulocken, plant Sauer stattdessen attraktive Sonderangebote.

Auch in Forstern möchte Wirt Helfenbein das Beste aus dem nahenden Herbst machen. „Wir werden jeden Sonnenstrahl ausnutzen“, versichert er. Im Sommer wurden im Biergarten regelmäßig Live-Musik-Events veranstaltet. Sie sollen weiterhin stattfinden – sporadisch, wenn das Wetter passt.

Martina Zagacka

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