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Sechs Bienenvölker hat Helene Barth. Sie leben am Rande einer Blumenwiese. 
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Nur gut geschützt mit Handschuhen, Imkerbluse und -hut öffnet Helene Barth die Beute, so heißt   die kastenförmige Behausung.

Besuch bei der Hobby-Imkerin

Helene Barth: Hüterin von sechs Bienenvölkern

Imkern liegt seit Jahren voll im Trend und findet sogar in Großstädten immer mehr Anhänger. Hobby-Imkerin Helene Barth aus Langengeisling erzählt, wie‘s geht.

Erding/LangengeislingImkern als Hobby liegt seit Jahren voll im Trend und findet sogar in Großstädten immer mehr Anhänger. Hobby-Imkerin Helene Barth erklärt den Einstieg in die eigene Honigproduktion. Auf dem Zehmerhof in Langengeisling betreibt Helene Barth mit ihrem Mann eine Biogasanlage, daneben ein Strickcafé.

Vor sechs Jahren, als sie noch als Fachreferentin im Fachverband Biogas in Freising tätig war, hatte die 59-Jährige mit einer Kollegin einen Einsteigerkurs beim Freisinger Imkerverein besucht. „Ich hatte zwar großes Interesse an Bienen, war mir aber nicht ganz sicher, ob ich mit der Imkerei anfangen soll“, erinnert sie sich. Die Entscheidung wurde ihr von der Familie abgenommen. Sie befand: „Die Mama soll jetzt imkern.“ Dazu bekam sie die Ausrüstung für das neue Hobby geschenkt.

Anfängerfehler: Nur ein Volk

Los ging’s mit einem typischen Anfängerfehler, gibt Barth zu: „Ich hatte zuerst nur ein Volk. Man sollte aber mit mindestens zwei Völkern beginnen, damit man dann zumindest eines durch den Winter bringt.“ Da das erste Volk nicht überlebt hatte, bekam Barth zwei Ableger von einer Nachbarin, die Königinnen züchtet. Als Ableger bezeichnet der Fachmann ein kleines Volk mit einer jungen Königin.

Untergebracht wird ein Volk in einer Beute, einem Holzhaus mit mehreren Stockwerken, den Zargen. Darin werden mit Draht bespannte Holzrahmen mit Wachsplatten eingehängt, in die die Bienen die Honigwaben bauen. Wer keinen Ableger möchte, kann Bienenvölker kaufen oder auch versuchen, einen entkommenen Schwarm einzufangen. „Der Schwarm gehört dann dem erfolgreichen Fänger“, erklärt Barth.

Für Besuche bei ihren mittlerweile sechs Bienenvölkern zieht die Langengeislingerin die Imkerbluse mit dem charakteristischen Hut an. Im Korb hat sie Gummihandschuhe dabei, dazu das „wichtigste Werkzeug des Imkers“, den Stockmeißel. „Damit kann ich die Waben zur Kontrolle herausheben“, erzählt sie. Nicht vergessen darf sie auch den Smoker. Durch den Rauch ziehen sich die Bienen in die Beute zurück, so kann die Imkerin besser arbeiten kann.

Wöchentlich steht die Schwarmkontrolle an. Dabei werden die Waben auf nicht erwünschte Weiselzellen untersucht. Darin würde eine neue Königin aufgezogen, der Bienenstock verträgt aber nur eine Königin, und diese würde mit einem Teil der Bienen und einem gewissen Honigvorrat schwärmen, erklärt Barth.

Ihre Bienenvölker stehen im Halbschatten am Rand einer großen Blumenwiese und haben damit das Futterangebot vor der Haustür. „Bienen sind durstig“, weiß die Imkerin und füllt regelmäßig die große Wasserschüssel vor den Bienenständen auf.

Als vor zwei Jahren der Verein Bienenfreunde Erding gegründet wurde, war Helene Barth Gründungsmitglied und übernahm die Öffentlichkeitsarbeit. Den zeitintensiven Vorstandsposten hat die dreifache Mutter mittlerweile abgegeben, doch das Engagement im Verein ist ihr weiter wichtig: „Man lernt sehr viel durch den Erfahrungsaustausch mit anderen Imkern und durch die verschiedenen Vorträge.“ Ein großer Vorteil für Imker-Neulinge im Verein ist die Betreuung durch einen Paten, der den Einsteiger übers Jahr unterstützt und berät.

Honig mit Raps und Lindenblüten

Für Barth beginnt jetzt eine spannende Zeit, wenn sich nach und nach die Kästen mit den Honigwaben füllen. Der eher cremige Frühlingshonig enthält viel Raps und wird im Juni geschleudert. Dagegen enthält der Sommerhonig im Juli mehr Lindenblüten und ist flüssiger. Geschleudert wird mit der vereinseigenen Honigschleuder zusammen mit einigen befreundeten Imkern.

„Das ist ein richtiger Adrenalinschub, wenn dann der Honig fließt“, sagt Barth begeistert. Sie isst ihren Honig gern mit Müsli. Auch ihr Mann Martin legt Wert auf den eigenen Honig, kann ihr aber bei der Imkerei nicht helfen. „Er ist allergisch auf Bienenstiche“, verrät seine Gattin. Sie selbst bezeichnet sich als „feige Imkerin“, die nur mit Schutzkleidung und Handschuhen zu ihren Völkern geht.

Obwohl Bienen friedliche Tiere sind, die nur zur Verteidigung stechen, hat es auch Helene Barth schon erwischt. „Einmal wurde ich beim Schleudern mitten auf die Nase gestochen. Ich sah aus wie ein Zombie“, erinnert sie sich lachend. Vorsichtig sollte man auch sein, wenn ein Gewitter aufzieht, denn da würden die Insekten doch nervös, warnt die 59-Jährige.

Nach dem Schleudern im Juli müssen die Bienenvölker gegen die schädliche Varroa-Milbe behandelt werden. Dazu werden sie mit organischer Ameisensäure bedampft. Da den Bienen mit den Honigwaben das Futter genommen wird, bekommen sie auch flüssige Zuckerlösung. In der kalten Jahreszeit halten die Bienen Winterruhe. Sie hören mit dem Brüten auf und kuscheln sich zu einer Wintertraube zusammen. Auch der Imker hat dann bienenfrei.

Ein Bienenvolk produziert 40 bis 60 Kilo Honig im Jahr

Helene Barth ist nach wie vor begeistert von ihrem Hobby: „ Ich bin viel naturverbundener geworden durch die Beobachtung und Pflege der Bienen. Ich nehme genauer wahr, was gerade blüht.“ Da jedes Bienenvolk pro Jahr 40 bis 60 Kilo hochwertigen Honig produziert, kann die Familie den süßen Segen nicht allein verbrauchen. Sie verkauft ihn im eigenen Strickcafé auf dem Zehmerhof.

Barth sieht die Honigbiene nicht in Gefahr, eher gefährdet seien die Wildbienen: „Hier sind nicht nur die Landwirte gefragt. Jeder einzelne kann mit geeigneten Rückzugsmöglichkeiten und naturnahen Bereichen in seinem Garten zum Erhalt der Wildbienen beitragen.“

Patenschaften: Die Bienenfreunde Erding (www.imker-erding.com) bieten Patenschaften an: Ein Jahr kann der Pate sein Bienenvolk begleiten, das wohnortnah ausgewählt wird. Der Pate bekommt eine Urkunde, ein Namensschild am Bienenhaus und ein Kilo Honig. (Gerda und Peter Gebel)

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