Große Oper im kleinen Saal: mit Sängerin Yvonne Madrid ein Genuss. Foto: Kuhn

Herzschmerz, schwindelerregend

Erding - Das war eine Mogelpackung! „Kleinkunst“ stand drauf, Spitzenkultur war drin. Was Yvonne Madrid da im kleinen Saal der Stadthalle ablieferte, überzeugte in allen Phasen restlos. „Pasta e Opera“ war der Titel der Veranstaltung, wo auf den kulinarischen der Kunstgenuss folgte.

Wie zu erfahren war, war die „Pasta“ etwas verbesserungsfähig. Etwas mehr „pepe“, also Pfeffer, hätte es nach Meinung einiger Gäste schon sein dürfen. Die Sopranistin war über derlei Kritik erhaben. Schwierigste Passagen auch in schwindelerregenden Höhen meisterte sie scheinbar spielend, ohne dass ihre Stimme, wie man das bei anderen öfter erleben muss, gepresst wirkte.

Die großen Gefühle der Protagonisten, sie werden erlebbar, spürbar: Herzschmerz der heftigeren Art ist es zumeist. Sie sang ausnahmslos auswendig, das schafft Raum für die Interpretation. Diesen schöpfte Madrid aber leider erst bei den Zugaben besser aus, bei denen sie mehr aus sich heraus ging.

Der Zauber der italienischen Oper, er wurde durch sie in die Herzogsstadt geholt, und das so, dass einige Gäste zwischen zwei Blöcken meinten, da bräuchte man eigentlich nicht mehr nach München fahren. In der Tat: Die junge Erdingerin hätte mit ihrer Stimme auch den großen Saal der Stadthalle mit seiner klar besseren Akustik gefüllt, nur nicht mit ihrer Zuhörerzahl. Dazu ist sie wohl noch nicht bekannt genug.

Gleiches gilt übrigens auch für ihre Begleitung am Klavier: Die Japanerin Rume Urmano bildete mit der Sängerin eine harmonische Einheit bei der gedanklichen Tour durch die Werke von Puccini, Rossini, und – natürlich! – Verdi, wo Yvonne Madrid mit der Arie aus „La Traviata“ den Höhepunkt des Abends setzte: „è strano. . .“ – es ist seltsam – meisterhaft dargeboten von einer Sängerin, die man in Erding vielleicht jetzt öfter hören mag. Wolfgang Gruber, auch Manager der Sängerin, führte gekonnt und informativ durch den Abend, der nur einen echten Mangel hatte: Die Pause war klar zu lang. (klk)

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