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Fehlendes Aushängeschild und Pandemie-Mahnmal: Immer mehr Gemeinden im Landkreis Erding, wie hier Oberneuching, besitzen nur noch ihren Maibaum-Untersatz, da der Baum turnusgemäß bereits entfernt werden musste. 2021 fällt der traditionelle Maifeiertag wegen Corona erneut aus. 

Heuer dürften zum zweiten Mal keine Maibäume aufgestellt werden – Viele blicken auf 2022/23

Tradition macht Pause

Die Maifeiern, sie werden auch heuer coronabedingt ausfallen. Das planen die Vereine in der Zukunft: 

Landkreis Tracht, bayerisches Essen, zünftige Musik, traditionelle Tänze und einfach ein geselliges Beisammensein – der 1. Mai ist stets ein beliebter Feiertag, der Besucher über die Gemeindegrenzen hinaus anlockt. Aufgrund der anhaltenden Pandemie fällt das Brauchtum zum zweiten Mal in Folge aus. Viele betroffene Kommunen der Erdinger Region rechnen damit, das Maibaumaufstellen erst ab 2022 nachholen zu können. Nur wenige Vereine planen einen neuen Termin im laufenden Jahr 2021.

Bereits 2020 hat es viele Landkreisgemeinden, die turnusgemäß am 1. Mai ihren neuen blau-weiß gestrichenen Baum aufstellen wollten, erwischt. In Niederding klappte die Idee der Landjugend und Schützengesellschaft „Die Fröhlichen“, das Maibaumaufstellen später in Form einer kleinen ortsinternen Feier nachzuholen, nicht. Für 2021 existieren laut Schützenmeister Florian Huber keine Planungen. Er möchte sich demnächst mit Aufkirchen, Schwaig, Notzing und Oberding abstimmen, ob der bisherige Termin-Rhythmus geändert wird. „Jetzt gibt es nämlich schon drei Maibäume, die nicht aufgestellt wurden“, sagt Huber und meint damit neben Niederding Aufkirchen (2020) sowie Schwaig (2021).

Auch Isen hat 2020 keinen Maibaum erhalten. Die Landjugendbewegung hat wegen fehlender Perspektive bereits kurz vor dem Jahreswechsel entschieden, 2021 die vollendeten Vorbereitungen des Vorjahres nicht erneut aufzunehmen, teilt Vorsitzender Bernhard Posch mit. Aktuell ist angedacht, 2022 im Rahmen des 1275-jährigen Jubiläums des Marktes Isen auch den Maibaum zu begrüßen.

Eicherloh wäre ebenfalls voriges Jahr an der Reihe gewesen. „Alles war komplett organisiert, das tut echt weh“, sagt Lorenz Söhl von der örtlichen Maibaumgesellschaft zur kurzfristigen Absage 2020. Er hätte nicht geglaubt, dass der Feiertag 2021 erneut ausfällt. Der Finsinger Ortsteil würde seinen Baum gerne noch heuer aufstellen – falls überhaupt möglich, aber in kleinster Runde und ohne vorherige öffentliche Bekanntmachung.

Die Idee in Langengeisling, das Maibaumaufstellen im Oktober des Vorjahres nachzuholen, hat nicht geklappt. Für 2021 war es ohnehin nicht geplant, da der Burschenverein im Mai ursprünglich sein 115-jähriges Gründungsfest gefeiert hätte. „Beides wäre uns zu viel Arbeit geworden. Wie’s weitergeht, machen wir irgendwann bei einer Vorstandssitzung beim Wirt aus“, sagt Vorsitzender Tobi Gaigl. Vielleicht werde der Maibaum – nach Abstimmung mit den anderen Organisatoren sowie den Nachbarorten – 2022 errichtet.

2021 steht der Maibaum-Wechsel turnusgemäß in vielen weiteren Orten an, beispielsweise in Oberneuching. Sein 35-jähriges Gründungsfest im Mai hat der Burschenverein bereits Anfang Januar abgesagt, das Maibaumaufstellen erst später. Die Burschen starteten sogar noch mit den Planungen. „Wir haben schon einen Baum umgeschnitten und bräuchten nur noch zwei Wochen Vorlauf“, berichtet Vorsitzender Bernhard Schindlbeck. Montiert werden soll der fertige Maibaum auf jeden Fall noch 2021, „damit das Ortsbild wieder komplett ist“, möglicherweise auch in kleinerer Runde.

Wegen der schwierigen Planbarkeit hat die Feuerwehr Kirchberg gar nicht erst mit den Vorbereitungen begonnen. Da es hier insgesamt drei Maibäume gibt, müssten nun alle Organisatoren pausieren, informiert Kommandant Martin Grandinger. Weiter geht es erst wieder 2022. Denn: „Das Maibaumaufstellen gehört sich am 1. Mai, nicht im Oktober.“

Die Concordia-Schützen Eitting haben bereits im Herbst entschieden, den diesjährigen Maibaum abzusagen. „Es war ja bereits absehbar, dass man so große Feste nicht bald wieder feiern darf“, sagt Schützenmeister Max Klinger. Wegen des Jubiläums des FC Eitting im kommenden Jahr wird der Maibaum auf 2023 verschoben. Ein weiterer Grund dafür ist laut Klinger, dass 2022 wohl „sehr viele Maibäume aufgestellt werden“. Auch andere Orte haben im Hinterkopf, dass sich voraussichtlich 2022 drei Maibaum-Jahrgänge treffen werden. „Das wollen wir vermeiden. Es können ja nicht alle Festl in einem Jahr stattfinden“, erläutert Schindlbeck aus Oberneuching.

Allgemein herrscht teilweise in den betroffenen Orten noch Bedauern über den zweiten abgesagten Feiertag, aber auch bereits Vorfreude auf die nächste Veranstaltung. Größtenteils müssen sich die Gemeinden dann aber neue Bäume suchen. Nur Eicherloh und Oberneuching lagern ihren künftigen Maibaum noch im Wald.

Kirchberg und Eitting haben gar nicht erst mit der Suche begonnen, teilen die Verantwortlichen mit. In Isen hat voriges Jahr der Waldbesitzer den Baum zurückgenommen. Einen neuen Verwendungszweck erhielt das ursprüngliche Ortsaushängeschild in Langengeisling und Niederding: als Material für Sitzbänke beziehungsweise Brennholz.

Markus Ostermaier

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