Heute Protestaktion: Hausärzte fürchten um ihre Existenz

Erding - Die hausärztliche Versorgung droht im Landkreis in eine Schieflage zu geraten. Etliche der 65 Mediziner planen, ihre kassenärztliche Zulassung zurückzugeben.

50 der 65 Hausärzte im Erdinger Land beteiligen sich heute an einer konzertierten Aktion des Bayerischen Hausärzteverbandes. Das Ziel ist nach den Worten von Dr. Rainer Hart, der die Delegation anführt, Kassenzulassungen im großen Stil zurückzugeben. "Damit möchten wir auf die dramatische Situation bei uns aufmerksam machen", so Hart. "Wir bekommen nicht nur immer mehr Bürokratie aufgebürdet, sondern erhalten auch immer weniger Honorare durch die Kassenärztlichen Vereinigungen." Die Hausärzte wollen mehr Freiheit und daher vorläufig direkt mit den gesetzlichen Kassen abrechnen. "Wir Hausärzte möchten der Politik zeigen, dass wir es ernst meinen mit einem Ausstieg aus einem System, das unsere Existenz ruiniert", so Hart weiter, der im Fischer's Seniorenzentrum eine Praxis betreibt.

Die Mediziner empfinden es als höchst ungerecht, "dass wir nach jedem Quartal angstvoll darauf warten, wie viel Geld uns die Vereinigung gnädigerweise bezahlt", so Hart. Außerdem warnt er vor der Ausbreitung von Gesundheitszentren, die von internationalen Konzernen betrieben werden und angeblich zu deutlich günstigeren Konditionen arbeiten (wir berichteten).

Die massenhafte Rückgabe der Kassenzulassungen soll zunächst ein Signal an Verbände und Politik sein. "Wenn die Kassen Tausende Einzelabrechnungen bekommen, findet vielleicht ein Umdenken statt", hofft Hart.

Er versichert, dass die Patienten nicht betroffen sein werden. Das sieht man bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern anders. Deren Regional-Sprecher Dr. Hubert Niessen sagt, diese Ärzte würden ihre Honorierung und damit ihre Praxis auf Spiel setzen. Die Patienten wären sehr wohl betroffen.

In naher Zukunft droht sich die Situation auch deswegen zu verschlechtern, weil aus Altersgründen einige Praxisauflösungen anstehen. "Fünf Kollegen erreichen demnächst die Altersgrenze", bestätigt Dr. Elmar Gerhardinger, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes. Schon jetzt, so Hart, seien die Hausärzte etwa durch Hausbesuche stark belastet. "Und für die bekommen wir auch nicht mehr Geld. Jeder Handwerker kriegt mehr." (ham)

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