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Ein Isener in Südamerika: Lothar Fröhlich auf seiner Hacienda in Kolumbien. Hier nahm er den Hilferuf des Rollstuhlfahrers wahr – und handelte prompt.

Kompliziert aber effizient

Notruf um die halbe Welt: So wurde ein Exil-Isener zum Lebensretter

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Ein Isener hat von Kolumbien aus über Hamburg einem Menschen an der deutsch-holländischen Grenze das Leben gerettet. Lothar Fröhlich ist Amateurfunker – der Notruf erfolgte per Kurzwelle um die halbe Welt.

Isen - Lothar Fröhlich war lange Geschäftsführer der Volkshochschule Erding. Mittlerweile verbringt er mehrere Monate im Jahr auf seiner Hacienda in Kolumbien. Kontakt in die Heimat, aber auch in die ganze Welt hält der 74-Jährige per Funk. Er ist Mitglied im Deutschen Amateur Radio Club, Ortsverband Erding.

Auch am Freitagnachmittag voriger Woche war Fröhlich auf Kurzwelle unterwegs und unterhielt sich mit Freunden in Deutschland und New York – ein Umstand, der einem anderen Funker das Leben retten sollte.

Fröhlich dachte zunächst an einen Spaß

Zwischen den Funksprüchen war plötzlich ein Hilfeschrei zu hören. „Ich dachte zunächst, jemand wollte sich einen Spaß machen und die Runde stören. Doch dann habe ich schnell gemerkt, dass es sich tatsächlich um einen Hilferuf handelte – von einem Funker, den ich kenne. Er lebt in Dingden an der holländischen Grenze“, erinnert sich Fröhlich.

Es stellte sich heraus, dass der Mann, der seit einem schweren Badeunfall vor 49 Jahren im Rollstuhl sitzt, in seinem Haus gestürzt war und aus eigener Kraft nicht mehr aufkam. Hilflos lag er in der Wohnung.

Hamburger Funker wählt den Notruf

Sein Glück im Unglück war nicht nur, dass er mit Fröhlich regelmäßig per Funk in Kontakt steht, sondern auch, dass er den so genannten Vox-Knopf seiner Anlage gedrückt hatte, so dass das Funkgerät ähnlich wie eine Freisprecheinrichtung automatisch auf Sendung geht, sobald jemand spricht. Zum Zeitpunkt des Unfalls lag der Rollstuhlfahrer fünf Meter vom Mikro entfernt. Seine Rettung, denn so bekam Fröhlich den Hilferuf mit.

Der Isener reagierte von Südamerika aus prompt: „Ich habe auf der Frequenz sofort nach deutschen Funkern gerufen, dass sie Polizei und Rettung informieren sollen“, erzählt Fröhlich. Dieses Hilfeersuchen hörte ein Hamburger Funker – und wählte den Notruf.

Lange, aber höchst effektive Rettungskette

Gleichzeitig rief Fröhlich von Kolumbien aus über seine Echolinkstation in Isen nach Unterstützung. Ein Kollege aus Eichstätt nahm den Ruf auf und benachrichtigte sicherheitshalber ebenfalls die Polizei. Diese meldete sich postwendend zurück und bestätigte, dass Hilfe unterwegs sei. Der Beamte erklärte erstaunt, dass er eine solche zwar lange, aber höchst effektive Rettungskette noch nie erlebt habe.

Dem Verunglückten konnte übrigens rasch geholfen werden. Die Polizei Wesel berichtet, dass die Feuerwehr Dingden ausrückte und die Tür öffnete. In der Wohnung fand sie den Rollstuhlfahrer und half ihm aus seiner misslichen Lage. Der bedankte sich wenig später bei seinen Rettern rund um den Globus – natürlich über Funk.

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