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Hilfskonvoi für die Ukraine: 17-Stunden-Tour Richtung Osten - Merkur begleitet Helfer

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Von: Nadja Hoffmann

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Lagebesprechung in eiskalter Nacht: Roland Hefter (li.) und Harry Hoyler müssen improvisieren, um den Zeitplan zu halten.
Lagebesprechung in eiskalter Nacht: Roland Hefter (li.) und Harry Hoyler müssen improvisieren, um den Zeitplan zu halten. © Nadja Hoffmann

Es ist alles andere als eine Spazierfahrt: Zu wenig Schlaf und zu viele Kilometer zehren an den Kräften der Freiwilligen, die Hilfsgüter von München in die Ukraine bringen. 

Moosinning - Der Krieg, Putins Bomben, das Leid der flüchtenden Menschen – das alles scheint uns derzeit so nah. Im Herzen. Und dann auch auf dem Weg in Richtung Osteuropa. Wie weit die Ukraine und der von Russland angezettelte Krieg gegen das Land wirklich entfernt sind, zeigt sich nach mehr als 16 Stunden Fahrt und 1300 Kilometern. Und selbst nach dieser langen Strecke ist der große Hilfskonvoi, der am Mittwoch in Moosinning bei Erding aufgebrochen ist, noch längst nicht an der ukrainischen Grenze.

Sondern zunächst im polnischen Krosno, wo die rund 100 Freiwilligen rund um den Verein Helferschwein von Harry Hoyler und Markus Langer in Hotelzimmern etwas Schlaf suchen. Meiner fällt kurz und unruhig aus, weil der Körper nach 22 Stunden auf den Beinen und den Strapazen der Fahrt überhaupt nicht richtig zur Ruhe kommen kann.

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Ukraine-Krieg: Hilfskonvoi aus München - Kaum Schlaf nach 16 Stunden Fahrt

Nach vier Stunden Herumwälzen ist Schluss. Das muss reichen. Den anderen geht es genauso. Aber: „Wenn man ständig mit einer Sache beschäftigt ist, sich andauernd mit anderen austauscht und ein Ziel hat: Man ist überrascht, mit wie wenig Schlaf man auskommt“, sagt SPD-Stadtrat Roland Hefter.

Freiwillige helfen, Hilfsgüter auszuladen.
Endlich am Etappenziel – 300 Kubikmeter Hilfsgüter werden in einem Logistikzentrum zur Übergabe ausgeladen. Einheimische Helfer werden sie in die Ukraine bringen. © Nadja Hoffmann

Hinter allen Helfern liegt ein harter Weg. Gegen 14 Uhr in Moosinning gestartet, geraten wir um 17 Uhr schon in eine Polizeikontrolle – doch die Beamten schicken uns mit besten Wünschen weiter. Um 20.50 Uhr passieren wir Görlitz, um 1 Uhr dann Kattowitz in Polen. Erst um 6.45 Uhr erreichen wir Krosno und verschnaufen kurz. Ziel des Hilfskonvois ist ein polnisches Logistikzentrum bei Jaroslaw, etwa 45 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt.

Dort kommt die Karawane, zu der 40 Fahrzeuge gehören, zusammen: der 40-Tonnen-Sattelschlepper, die Lastwagen, Sprinter und weitere Fahrzeuge. Im Gepäck: Alles, was die Menschen in Kiew brauchen, um mitten im Kriegsgebiet zu überleben. Insgesamt 300 Kubikmeter medizinische Ausrüstung, haltbare Lebensmittel, Decken, Windeln, die in Absprache mit der ukrainischen Regierung von einer Hilfsorganisation übernommen und nach Kiew gebracht werden.

Ukraine-Konflikt: Mit dem Sprinter 17 Stunden in Richtung Osten

Das alles in den Osten zu bringen, ist eine anstrengende Mammutaufgabe. Wir sitzen fast 17 Stunden lang in einem acht Meter langen Sprinter, der vorne drei Sitzreihen und dahinter jede Menge Stauraum hat. Das Fahrzeug, das von einer Fahrschule in Haidhausen zur Verfügung gestellt wurde, wird im Fahrerbereich richtig warm, dahinter eher nicht. Klar, es ist nicht für 17-Stunden-Trips in den Osten gedacht.

Merkur-Redakteurin Nadja Hoffmann begleitet den Konvoi.
Merkur-Redakteurin Nadja Hoffmann begleitet den Konvoi. © Klaus Haag

Die Fahrer wechseln sich immer wieder ab. Zähne zusammenbeißen, während der Sprinter über gute, beleuchtete polnische Autobahnen rauscht. Vorbei an riesigen Industrieanlagen mit großen rauchenden Schornsteinen. Bilder, die man in Deutschland gefühlt zuletzt in den 1980er-Jahren gesehen hat. Währenddessen wird die Natur immer karger und plötzlich kreist über uns am Himmel eine Militärmaschine der Nato.

An einer Tankstelle macht der Konvoi Pause. Lagebesprechung bei minus fünf Grad. Es zeigt sich, dass der Zeitplan nicht aufgeht, angepasst werden muss. „Wann gehen wir ins Hotel, wann treffen wir uns am Logistikzentrum?“, Roland Hefter und Helferschwein-Chef Harry Hoyler diskutieren. Ergebnis: Wir fahren durch und holen dann in den Hotels Schlaf nach. Wichtig ist, dass die Mission weitergeht. Gegen 15 Uhr am Nachmittag wird ausgeladen. Das Logistikzentrum: eher eine Beton-Baracke. Aber die Aktion läuft: Hunderte Paletten stehen am Hof. Bereit, abgeholt zu werden. Ein kleiner Hoffnungsschimmer im Krieg für die Notleidenden in der Ukraine.

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