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Eine Familie im Imker-Glück (v. l.): Elke, Malte, Andreas, Finn und Jonas Bulic aus Erding. Auf der Wiese des Nachbarn kümmern sie sich um zwei Bienenstöcke und ernten 50 Kilogramm Honig im Jahr. 

Hobby-Imker aus Erding 

Die Bienen-Familie Bulic

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Die Bulics aus Erding haben im Sommer bis zu 30 000 Haustiere. Die Bienen sind ihr Familienprojekt. Beim Imkern können Papa Bulic und seine drei Söhne relaxen. Und das gemeinsame Hobby schweißt sie zusammen.

Erding Andreas Bulic (51) aus Erding trägt eine gelbe Imkerbluse, vor seinem Gesicht hängt ein schwarzes Netz. Mit Gummihandschuhen hebt er die Wabe mit hunderten Bienen aus dem Bienenstock. Wie auf Befehl fliegen die Insekten von der Stelle weg, die er berührt.

Sohn Malte (10) schaut genau zu: „Viele meiner Freunde haben Angst vor den Bienen, aber ich nicht“, sagt er. Bienen sind bei Familie Bulic Männersache: Papa Andreas und seine Söhne Malte, Finn (16) und Jonas (18) kümmern sich um die Insekten. Mama Elke hilft mit, den Honig abzufüllen. Im vergangenen Jahr haben sie 50 Kilogramm geerntet, sagt Papa Bulic.

Die Familie steht auf einer Wiese etwa 100 Meter entfernt von ihrem Haus. Die Bienen schwirren um die zwei Holzkästen, die inmitten von Löwenzahn, Apfel- und Zwetschgenbäumen stehen – ein Paradies für die Insekten: „Im Winter sind es pro Stock 13 000 Bienen, im Sommer werden es bis zu 30 000.“

Malte benebelt die Insekten – mit Rauch aus dem Smoker, einem Stahlzylinder mit Blasebalg. „Dann bleiben sie ruhiger“, sagt Papa Bulic. „Sie denken, es brennt, und sammeln ihre Nahrung schnell zusammen.“ So kann er auch als Imker entspannter zu Werke gehen.

Andreas Bulic arbeitet eigentlich als kaufmännischer Geschäftsführer. Ein ziemlicher Kontrast zum Imkern, oder? „Naja, es geht ja bei beidem darum, Ertrag zu machen“, sagt er und lacht: „Außerdem fasziniert mich die ganze Komplexität dieser Viecher.“ Vor zwei Jahren hat er beschlossen, sich Bienen anzuschaffen.

Die Wiese für die Insekten gehört dem Nachbarn. „Aber der war gleich dabei, als wir die Bienen wollten“, sagt Bulic, der seine Söhne auch gleich mit ins Boot geholt hat. Jonas macht gerade sein Abitur und erzählt: „Am Anfang hat man schon Bammel vor den Bienen.“ Sein Vater und seine Brüder wurden schon mehrmals gestochen, aber: „Man muss eben ruhig arbeiten, die Waben kontrollieren, und dann bekommt man auch Honig.“

Die größte Herausforderung als Imker? „Man muss immer aufpassen, dass die Bienen nicht wegfliegen.“ Daher darf es nur eine Königin geben, sie ist das einzige geschlechtsreife weibliche Tier im Stock.

Der meiste Honig wird verschenkt

Gäbe es eine zweite Königin, „würde sich das Volk halbieren“, weiß Jonas. Deshalb sind die Hobby-Imker immer auf der Suche nach sogenannten Weiselzellen in den Bienenwaben. „Das sind die Zellen, in denen die Königinnen mit Gelée royale angefüttert werden.“ Seit April müssen die Imker jede Woche kontrollieren, ob die Bienen Weiselzellen angelegt haben, denn: „Innerhalb einer Woche können Königinnen schlüpfen.“

Wenn Bulic diese Zellen entdeckt, knipst er sie mit einer Wabenzange weg. Weiselzellen sind deutlich größer als die übrigen. Darin ist Gelée royale, das Extra-Futter für die Königinnen, auch beliebt in der Kosmetikindustrie als Anti-Aging-Produkt: „Ich habe aber leider noch nie etwas davon bekommen“, sagt Mama Elke und lacht.

Die Bienenwelt ist für die Bulics eine Welt für sich. Jonas sagt: „Man hangelt sich von Problem zu Problem.“ Zum Beispiel: Wo gibt’s die Bienen? „Ein Volk kostet um die 100 Euro, das gibt’s im Internet oder von befreundeten Imkern“, sagt Andreas Bulic. Warum dürfen Imker ihren Stock nicht einfach so versetzen? „Die Bienen kennen sich nur in einem Umkreis von drei Kilometern aus.“

Und was machen Imker im Winter? „Im Winter gibt es eigentlich nicht viel zu tun“, sagt Jonas. Da halten die Bienen Winterruhe. Die männlichen Drohnen werden aussortiert, denn die Nahrung ist begrenzt. Sie haben es ohnehin recht schwer im Volk: Wenn eine ihren Samen spendet, stirbt sie. „Die ganze Bienenwelt ist einfach unglaublich komplex“, sagt Papa Bulic.

Bald steht erst einmal die Honigernte an, und das gleich zwei Mal – Ende Juni und Anfang August. Die Bulics rechnen wieder mit 25 Kilogramm pro Stock: „Das meiste davon verschenken wir“, sagt Andreas Bulic und freut sich, dieses Hobby mit seinen Söhnen teilen zu können: „Es ist schön, dass wir da gemeinsam etwas machen.“

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