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Mauern entlang der Sempt: So stellt sich das Wasserwirtschaftsamt den Hochwasserschutz für Erding vor. Jede andere Variante sei weniger effizient.  Animation: Wasserwirtschaftsamt München

Wasserwirtschaftsamt nimmt zu Kritik Stellung

Hochwasser in Erding: Freistaat rechtfertigt Schutzmauer

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Hoch umstritten sind die Hochwasserschutzpläne des Wasserwirtschaftsamtes München für Erding. Nach Wochen des Schweigens erklärt sich die Behörde  endlich. 

Erding – Hoch umstrittene Hochwasserschutzpläne und wegen der Corona-Pandemie keine Gelegenheit, diese den Menschen zu erklären – jetzt ist der Druck aufs Wasserwirtschaftsamt (WWA) München zu groß geworden. Am Freitag trat Behördenleiter Christian Leeb eine Öffentlichkeitsoffensive an.

In einer Presseerklärung versichert er, der Hochwasserschutz habe das Ziel, „die Bewohner sowie ihr Hab und Gut zu schützen. Der Mensch steht im Mittelpunkt unserer Planungen.“ Das WWA habe „sorgfältig und mit großer Ernsthaftigkeit verschiedene Varianten geprüft. Dabei wurde auch die Möglichkeit mehrerer kleinerer, dezentraler Rückhaltebecken untersucht.“ Leeb betont aber auch, dass seit der Flut 2013 und den Planungen so viel Zeit verstrichen sei, „dass wir nun zügig zu einem Abschluss kommen müssen“.

Als insgesamt beste Variante hat sich laut Leeb „ein Schutz mit Deichen und Mauern entlang Sempt und Fehlbach ergeben. Gemeinsam mit der Regierung von Oberbayern und dem Umweltministerium wurde entschieden, diese Variante weiter zu verfolgen“. Die Stadt Erding werde eingebunden. Leeb versichert, das Vorhaben in einer der nächsten Stadtratssitzungen vorzustellen. Eine öffentliche Bürgerversammlung werde abgehalten, sobald die Kontaktbeschränkungen dies erlauben.

Unterlieger werden besser geschützt

Der Dialog mit den Betroffenen sei angelaufen. „Es wurden über 50 Grundstückseigentümer angeschrieben und Besprechungen vor Ort angeboten. Fast alle betroffenen Gartenbesitzer haben das Angebot zum Gespräch genutzt, um detailliertere Informationen zu erhalten. Es konnten zahlreiche konstruktive Gespräche geführt werden“, versichert der WWA-Chef. Ziel sei, möglichst einvernehmliche Lösungen zur Lage und Gestaltung der Mauern zu erzielen.

Dabei werde bei allen Privatgrundstücken darauf geachtet, dass der Zugang zum Gewässer erhalten bleibt. Die Lösungen werden im nächsten Schritt in den Entwurf eingearbeitet. Es gebe weiterhin die Möglichkeit, Einwendungen zu erheben.

Detailliert geht Leeb auf die Vorwürfe aus der Stadt und den Umlandgemeinden ein. Die Mauer-Variante sei nicht nur „aufgrund wirtschaftlicher Erwägungen die beste Lösung“. Viele weitere Kriterien seien herangezogen worden. Aufgrund der Datenlage sieht das WWA „keine Möglichkeit, eine andere Variante zu bauen“, etwa die eines Hochwasserspeichers bei Niederwörth. Hier verweist Leeb unter anderem auf die Grundwasserproblematik in Wörth.

Mauern und Deiche durch Erding wären nach Auffassung der Behörde auch dann erforderlich, wenn die Rückhalte-Variante umgesetzt würde. „Das Rückhaltebecken kann nicht das gesamte Hochwasser zurückhalten. Auch bei den Rückhaltevarianten wären Rodungen im Stadtbereich notwendig.“

Dem WWA war vorgeworfen worden, das Hochwasserproblem auf die nördlichen Gemeinden, vor allem auf Eitting und Berglern, abzuwälzen. Diese Gefahr sieht man in München nicht. „Jede erhebliche Verschlechterung würde seitens des Freistaats ausgeglichen werden müssen. Andernfalls würde die Baumaßnahme keine wasserrechtliche Genehmigung erhalten. Alle bisherigen Überschwemmungsflächen außerhalb der Bebauung bleiben erhalten“, heißt es in der Stellungnahme.

Kleingärten nur im Extremfall in Gefahr

Leeb versichert, dass die Kleingartenanlage in den Geislinger Ängern „weiterhin einen hohen Schutzgrad“ habe. „Die Überflutungen treten hier erst bei sehr großem Hochwasser auf. Nur ein kleiner Teil der Anlage wird, wie bisher, mit einer statistischen Häufigkeit von 100 Jahren überflutet.“ Er betont aber auch, das Landesentwicklungsprogramm sehe Hochwasserschutz „nur für Siedlungen und wichtige Infrastruktur, etwa Wasser- und Energieversorgung, vor“. Soll heißen, das Areal rund um den Blumenhof wird ohnehin nur im Extremfall überflutet, was zum Schutz der Stadt hinnehmbar ist.

Das WWA hält daran fest, einen Hochwasserschutz umzusetzen, der es mit einer Flut aufnehmen könne, die statistisch nur alle 100 Jahre eintritt. Addiert wird ein 15-prozentiger Klimawandel-Aufschlag. Deswegen könne, so Leeb, kein kleinerer Abfluss für die Bemessung der Bauwerke herangezogen werden: „Das macht keinen Sinn.“ Für Erding bedeutet dies, „dass für die Bemessung der Hochwasserschutzanlagen ein höherer Abfluss zugrunde gelegt wird, als er beim Hochwasser 2013 zu beobachten war“.

OB Max Gotz (CSU) sagte unserer Zeitung, er bestehe weiter auf Informationsveranstaltungen im Stadtrat und für die Bürger. Er stellt klar: „Das ist nicht die Planung der Stadt, sondern des Freistaates.“ Er hält sie für unausgegoren und in dieser Form für unrealistisch.

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