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Der Damm bei Niederwörth würde nach dem Plan 1,4 Kilometer lang und durchschnittlich 2,5 Meter hoch werden (je nach Gelände). Es ist ein begrünter Erdwall mit flacher Neigung und einer Spundwand, die mehrere Meter ins Erdreich ragt. Als potenzielle Grundwassersperre macht dieser Teil der Anlage den Wörthern besonders Angst. Bei einem hundertjährlichen Hochwasser (HQ100+15) ohne Damm werden heute etwa 100 Hektar ohnehin geflutet (hellblau). Mit dem Damm kämen 50 Hektar hinzu (dunkelblau): fast nur Acker, Grünland und Wald. Betroffen sind 140 Grundeigentümer. Das Drosselbauwerk an der Sempt regelt vollautomatisch den Durchfluss auf maximal 45 Kubikmeter pro Sekunde. Zum Vergleich: Beim Hochwasser 2013 sind am Stadtwehr Erding 80 Kubikmeter durchgeflossen.

Hochwasserrückhaltebecken bei Niederwörth

150 Hektar Sicherheit für Erding

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Das Wasserwirtschaftsamt favorisiert das Hochwasserrückhaltebecken bei Niederwörth als Hochwasserschutz für Erding. Die Wörther befürchten Nachteile.

Das geplante Hochwasserrückhaltebecken bei Niederwörth ist das bestimmende Thema in der Gemeinde. Die Bürger haben Angst, dass ihre Häuser für den Hochwasserschutz der Kreisstadt absaufen. Entsprechend groß war am Dienstag das Interesse an einem Informationsabend in der Ortererschule in Wörth. Über 400 Zuhörer füllten die Turnhalle. Behördenvertreter stellten die Entwurfsplanung vor. „Es ist noch keine endgültige Variantenentscheidung gefallen“, erklärte Sylva Orlamünde, Leiterin des Wasserwirtschaftsamts München (WWA). Sie und ihre Mitarbeiter machten aber deutlich, dass die Behörde die Alternative zum Becken – Deiche und Schutzwände in Erding – weniger positiv sieht. Dr. Stefan Fach, Fachbereichsleiter Wasserbau beim WWA, stellte auch diese Variante vor. Dabei wären in Bergham/Aufhausen und Altenerding jeweils Deiche auf etwas mehr als einem Kilometer Länge nötig plus ein halber Kilometer Schutzwand in Langengeisling. Nur das Becken bei Niederwörth könne die errechnete Wassermenge von 1,3 Millionen Kubikmeter im Fall „HQ100+15“, also eines hundertjährlichen Hochwasser plus 15 Prozent Klimazuschlag, aufnehmen, erklärte Fach. Der Vergleich der beiden Varianten spricht nach Angaben der Behördenvertreter aus fachlicher Sicht für das Regenrückhaltebecken. Lediglich in den Kategorien „Land- und Forstwirtschaft“ und „Grundwasser“ steht beim Damm ein Minus. Vor allem Letzteres ist aber genau der Anlass für große Sorge bei den Wörthern. Das WWA lässt als einen der nächsten Schritte ein Grundwassermodell erstellen. „Wenn sich dabei herausstellt, dass Gebäude gefährdet sind, dann ist die Maßnahme nicht genehmigungsfähig“, versicherte Orlamünde. Daher habe das WWA Beweissicherungspegel eingerichtet. Das Rückhaltebecken ist günstiger. Die Kosten werden im jetzigen Vorentwurfsstadium auf acht Millionen Euro geschätzt. Der „lineare Hochwasserschutz“ mit Deichen in Erding kommt auf knapp 9,5 Millionen Euro. Die bis zu vier Hektar „Aufstandsfläche“ für den Damm muss der Freistaat erwerben. Laut Orlamünde geht es hier um vier private Grundeigentümer. „Der Damm sollte sich sehr gut in die Landschaft einfügen“, erklärte Fach. „Wir sind mit der eingestauten Fläche ausreichend weit von der Gemeinde Wörth entfernt“, sagte er und erntete sarkastisches Gelächter aus dem Publikum. Bis Ende September können Bürger ihre Bedenken schriftlich beim Wasserwirtschaft einreichen. Ergebnisse aus dem Grundwasser- und Fließwassermodell erwartet das WWA im ersten Quartal 2017. Die endgültige Festlegung auf eine Variante soll im zweiten Quartal erfolgen. Das Planfeststellungsverfahren ist für 2018 angepeilt. Zur Dauer dieses Verfahrensteils sagte Siegfried Falter vom Landratsamt: „Manche dauern nur ein halbes Jahr, andere sehr viel länger.“ Das hängt auch davon ab, ob jemand gegen die Planung klagt.

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