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Die am Semptufer gespannte Folie dokumentiert die Höhe der geplanten Mauer an der Landgerichtstraße. Die Vertreter des Wasserwirtsch aftsamts mussten sich vielen kritischen Fragen der Altenerdinger stellen. 

Hochwasserschutz: Altenerdinger Sempt-Anlieger diskutieren mit Wasserwirtschaftsamt

Mobile Schutzschilde statt Mauern?

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Egal, welcher Hochwasserschutz für Erding gebaut wird: Ohne Mauern und Deiche im Stadtgebiet wird es nicht gehen. Die Frage ist nur, wie hoch sie ausfallen, und ob es nicht auch schnell auf- und abbaubare mobile Verschlüsse in Form von Blechschilden sein können.

Altenerding – Dies ist das Ergebnis zweier weiterer Ortstermine des Wasserwirtschaftsamts München. Das hatte am Freitag gleich zweimal nach Altenerding geladen, dem Stadtteil, der von dem Millionenprojekt am stärksten betroffen ist und in dem die Widerstände am größten sind.

Eingangs betonte Constanze Hecker vom WWA, „dass wir die Sempt sicher, aber auch künftig begeh- und erlebbar machen wollen“. Der lineare Ausbau sei die wirtschaftlichste Variante mit dem geringsten Flächenverbrauch – und deswegen am ehesten gegen erwartbare Klagen geschützt. Erneut betonte Hecker, dass ein naturnaher Ausbau die Oberlieger belaste, ohne dass sie einen Nutzen hätten. Ihr Kollege Thomas Atzenhofer sagte: „Auch kleine Rückhaltebecken erfordern neben viel Platz Bauwerke mit Auslassvorrichtungen.“ Deswegen rechnet er dort ebenfalls mit Widerständen und Klagen, die gute Aussichten hätten.

Sempt: Ein bisschen Ausbaggern ist drin

Gerade in Altenerding wird immer wieder das Ausbaggern der Sempt gefordert. Atzenhofer erklärte, „dass der Effekt allenfalls ein zehnjährliches Hochwasser bremst, niemals aber ein HQ 100“. Das Retentionsvolumen würde schon beim Anlaufen der Welle gefüllt. „Die Spitze läuft dann einfach darüber hinweg beziehungsweise würde gerade einmal um drei Kubikmeter gekappt.“

Allerdings gab er auf Hinweis von Anlieger Anton Bichlmeier zu, dass es in der Sempt in der Tat Abschnitte gebe, bei den eine Bachauskehr notwendig sei, etwa im Altwasserarm am Pretzener Weg. Hier bemängelte Bichlmeier, dass beim Bau zweier Brücken 2009 der Nebenlauf mit Flussbausteinen so verändert worden sei, dass überschießendes Wasser nun einen anderen Weg nehme – in Richtung der Häuser am Pretzener Weg.

Neue Straße schneidet Wasser den Weg ab

Auf ein ganz anderes Problem wies Flussanlieger Rainer Hörl hin: „Die Straße wurde angehoben. Bei Starkregen läuft das Niederschlagswasser über den gesamten Parkplatz der Semptsporthalle und sammelt sich am tiefsten Punkt vor den beiden Brücken“ – und damit unmittelbar vor Hörls Anwesen. Atzenhofer und Florian Barnerßoi vom Ingenieurbüro SKI sicherten eine Überprüfung zu. Der Einbau eines Pumpwerks sei möglich.

Pumpen seien zudem hinter den Mauern erforderlich, um das landseitige Niederschlagswasser der Sempt zuzuführen. Das könnte auch bei einigen Gärten erforderlich sein, meinte Barnerßoi auf die Frage von Anlieger Christian Veicht.

Er und Bichlmeier erkundigten sich auch, ob man die Sempt nicht tiefer legen könnte. Das lehnte Atzenhofer ab: „Das geht wegen der Wehre nicht, zudem müssten wir mit Rissen in den benachbarten Häusern rechnen.“

Mauer bis zu 1,35 Meter hoch

Zu den geplanten Mauern vor allem entlang der Landgerichtstraße und in den zur Sempt hin liegenden Gärten erklärte Barnerßoi, sie müssten am Fuß 30 Zentimeter breit und aus Stahlbeton gegossen sein. Auch müssten 30 Zentimeter über den errechneten Pegel-Höchststand als so genanntes Freibord aufgeschlagen werden. An weniger neuralgischen Punkten reichten Geländemodellierungen, also Dämme. Am höchsten seien die Mauern im Bereich Landgerichtstraße – nämlich 1,35 Meter.

Auf die Frage, ob mobile Verschlüsse eine Alternative seien, antwortete Atzenhofer: „Das haben wir erst am Donnerstag mit der Stadt und den Feuerwehren besprochen. Möglich ist das. Allerdings müssten sie sehr schnell aufgebaut werden.“ Es bedürfe daher einer frühen Vorwarnung. Barnerßoi fügte an, „dass es aber auch dann zumindest Betonsockel braucht“. Die Möglichkeit prüfe man nun aber.

Eine wichtige Botschaft hatte Barnerßoi für die Altenerdinger: „Egal, was wir bauen: Die Möglichkeit, das Petersbergbrückerl wieder zu errichten, besteht.“ ham

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