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Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Wasserwirtschaftsamt stößt alle Beteiligten vor den Kopf

Kommentar: Verheerendes Krisenmanagement

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Falscher Zeitpunkt, fehlende oder verweigerte Bürgerinformation und eine Lösung, die nicht realisierbar erscheint. Bei der Kehrtwende in Sachen Hochwasserschutz für Erding hat das Wasserwirtschaftsamt so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann, meint Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Kommentar zum Wochenende.

Die Erfahrungen der Stadt Erding mit dem Wasserwirtschaftsamt sind alles andere als gut. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Was sich die Behörde am Freitag geleistet hat, ist ein starkes Stück, das an ihrer Zuverlässigkeit erneut zweifeln lässt.

Nach der Hochwasserkatastrophe 2013 musste das Amt kleinlaut zugeben, dass man die von der Sempt ausgehende Gefahr völlig unterschätzt habe. Wie beruhigend.

Danach lagen recht schnell drei Varianten auf dem Tisch. Das dürfte der damals verantwortlichen Umweltministerin zu verdanken gewesen sein – Ulrike Scharf. Im Fokus stand jahrelang ein großes Rückhaltebecken bei Niederwörth. Es ist völlig legitim, dass die Nachbarn aus Wörth dagegen protestierten. Aber es gab meist ein gutes interkommunales Miteinander.

Dann leistete sich das Wasserwirtschaftsamt den nächsten schweren Fauxpas. Die Behörde musste einräumen, dass sie sich bei der Dimension des Rückhaltebeckens komplett verrechnet hatte. So erobert man Vertrauen. Der Damm hätte jetzt erst recht ein Monsterbauwerk werden müssen. Kein Wunder, dass der Grant in Wörth stieg.

Das Wasserwirtschaftsamt verströmte Hoffnung auf eine Hybridvariante mit (kleinerem) Becken und ein paar Mauern entlang der Sempt in Altenerding und Langengeisling. Jetzt ist alles wieder anders: Mauern und Dämme sollen es in Erding richten.

Man braucht nicht viel Fantasie, um zu erkennen, dass sich ein Fluss nicht komplett einmauern lässt. Offene Flanken gibt es überall. Es wären hässliche Bauwerke, die die Stadt verschandeln würden.

Nicht minder schlimm ist die Kommunikation der Behörde. Ihre Botschaft sendet sie mitten in der Corona-Krise, wo alle Wichtigeres zu tun haben. Die hätte man getrost abwarten können. Der Hinweis von Amtsleiter Christian Leeb, wegen der Pandemie könne man die Öffentlichkeit vorerst nicht aufklären, ist der blanke Hohn. Das Virus wird vergehen, die Wut in Erding bleibt. Diese Flut wird Leeb noch gewaltig treffen.

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