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Das Sempt-Schwillach-Tal liegt westlich von Sonnendorf, Breitötting und Wörth (v. l./rechts oben ist der Sempt Park). Hier soll der Flutschutz für Erding realisiert werden. 

Vierte Variante für den Hochwasserschutz der Stadt Erding

Hochwasserreferent Köppen: „Nicht immer wieder bei Null anfangen“

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Das Wasserwirtschaftsamt prüft eine vierte Variante für den Hochwasserschutz der Stadt Erding. Deren Hochwasserreferent Burkhard Köppen (CSU) sieht das kritisch - weil erneut Zeit verstreicht

Erding/Wörth – Auch in Erding ist mit kritischem Interesse aufgenommen worden, dass das Wasserwirtschaftsamt nun eine vierte Variante zum Hochwasserschutz für die Stadt in seine Planung einbezieht. Wie berichtet, greift die Behörde den Vorschlag des Erdinger Naturschutzbeirats Helmut Trinkberger auf, neun Überflutungsbecken in mehreren Orten südlich der Kreisstadt sowie einen in der Folge kleineren Damm zwischen Breitötting und Wifling zu prüfen.

Burkhard Köppen (CSU), Hochwasserreferent des Stadtrats, sagt, die reine Ankündigung sei ihm zu wenig. „Mich interessieren jetzt nur noch Fakten, die auf hydraulischen und geologischen Untersuchungen durch Ingenieure beruhen.“

Köppen: „Es ist höchste Zeit für ,Butter bei die Fische‘.“

Er mahnt zur Eile. „Seit dem Hochwasser 2013 sind sechs Jahre vergangen, es ist höchste Zeit für ,Butter bei die Fische‘.“ Köppen fordert, es müsse Schluss sein damit, dass immer wieder Vorschläge von Null an geprüft werden. „Die Menschen in Erding, die von einem 100-jährlichen Hochwasser latent bedroht sind, verdienen es, endlich zu erfahren, wohin die Reise geht.“ Vom Wasserwirtschaftsamt verlangt er rasche Auskunft, wann das Planfeststellungsverfahren beginnen werde – und mit welcher Variante.

In der Tat ist der Hochwasserschutz kein Ruhmesblatt. Seit Jahren sind drei Varianten im Rennen: ein massiver, hoher Damm bei Niederwörth, Mauern und Wälle entlang der Sempt in Altenerding und Langengeisling sowie eine Kombilösung.

Neue Variante kostet erneut Zeit, sicherlich mehrere Monate

Mitten in der Planung musste das Wasserwirtschaftsamt vor knapp einem Jahr zugeben, sich bei der drohenden Wassermenge verrechnet zu haben. Der Damm, gegen den vor allem die Wörther Sturm laufen, sei zu klein dimensioniert.

Die Trinkberger-Variante hatte das Amt bisher stets mit dem Hinweis abgelehnt, mehrere kleine Rückhaltebecken erzielten nicht den Staueffekt wie die drei anderen Maßnahmen. Nun ist es möglich, dass der Vorschlag aufgegriffen wird, um ein möglichst gerichtsfestes Genehmigungsverfahren hinzubekommen. Allerdings kostet das erneut Zeit, sicherlich mehrere Monate.

Erding muss 50 Prozent der Kosten tragen

Dazu meint Köppen: „Ich bin nicht noch ein Jahr länger bereit, politisch den Kopf für einen faktenlosen Zustand hinzuhalten.“ Die vergangenen sechs Jahre habe man Glück gehabt, von neuerlichen Fluten verschont geblieben zu sein. Ihn interessiert, „ob die betroffenen Grundstücksbesitzer der möglichen Retentionsflächen Kenntnis haben“. Er hoffe sehr, „dass dann hier nicht wieder alle gleich Nein sagen wie bisher, sondern sich auf die erforderlichen Untersuchungen einlassen und möglichst mitmachen“.

Der Hochwasserreferent weist darauf hin, dass Erding 50 Prozent der Kosten tragen müsse. „Hier geht es um nicht weniger, als eine 38 000-Einwohner-Stadt vor Naturkatastrophen zu schützen. Und nicht nur um einige Dutzend Hektar Landwirtschaftsfläche im Sempt-Schwillach-Tal, die bei Hochwasser sowieso überflutet werden, was Entschädigungen durch den Freistaat Bayern nach sich ziehen würde.

Trinkberger: „Das Wasser muss im Oberlauf gestoppt werden“

Trinkberger, Vater von Variante vier, ist „positiv überrascht“, dass sein Vorschlag nun doch mit einbezogen wird. „Ehrlich gesagt habe ich damit nicht mehr gerechnet.“ Er glaubt, dass das Umdenken im Wasserwirtschaftsamt auf die neuen Berechnungen zurückzuführen ist, die im Falle eines 100-jährlichen Hochwassers noch größere Massen ergeben haben. „Das Wasser läuft über 20 Kilometer eine Altmoräne hinunter. Da kommt einiges zusammen. Deswegen muss es im Oberlauf gestoppt werden“, erklärt Trinkberger.

Für ihn machen nur dezentrale Lösungen Sinn. „Dazu gehört für mich auch, dass die Sempt renaturiert und die Gräben hergerichtet werden.“ Deswegen sei es gut, dass Experten der Technischen Universität München das jetzt durchrechneten. Er plädiert erneut für eine „Sempt-Allianz“ mit allen Anrainergemeinden und den Fachbehörden.

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