Vor Ort informierte n sich die beiden SPD-Landtagsabgeordneten Doris Rauscher und Florian von Brunn (M.), flankiert von Altenerdings Ortssprecher Georg Bichlmaier (l.) und Josef Stimmer. Im Hintergrund fließt die Sempt, davor eine Darstellung, wie hoch die Flutschutz-Mauer nach Planung des Wasserwirtschaftsamtes ausfallen soll. Foto: Hans Moritz

Landtags-SPD will Ministerium zur Rede stellen

Hochwasserschutz für Erding: Zählt Geld mehr als der Mensch?

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Wasserwirtschaftsamt München (WWA) und Umweltministerium müssen sich auf unbequeme Fragen einstellen. Die SPD-Landtagsabgeordneten Doris Rauscher und Florian von Brunn wollen von der Staatsregierung wissen, warum das WWA den Hochwasserschutz für Erding ausschließlich mit bis zu 1,45 Meter hohen Mauern und Dämmen verwirklichen will.

Erding – Das ist das Ergebnis eines Ortstermins, zu dem die Erdinger SPD eingeladen hatte. Fazit der Abgeordneten: „Dass Wasserwirtschaftsamt muss erklären, warum es sich für diese Lösung entschieden hat“, so von Brunn. Er sehe „Unstimmigkeiten in der Bewertungsmatrix“.

20 Millionen Euro soll die favorisierte Variante kosten

Das WWA hat seine Entscheidung pro Mauern und contra Rückhaltebecken bislang vor allem mit den Kosten von rund 20 Millionen Euro begründet. Rauscher und von Brunn fiel aber auf, dass eine Lösung mit einer – wie auch immer großen – Flutmulde nicht wesentlich teurer wäre. Die Abgeordneten fragen sich nun, ob in Erding Geld mehr zähle als der Mensch. „Da müssen wir schon ein wenig Druck aufbauen“, so Rauscher.

Zu dem Ortstermin an der Sempt waren zahlreiche Anlieger gekommen. 4000 Bürger haben eine Petition unterzeichnet, die sich gegen das Einmauern des Flusses ausspricht.

Pauschal alle Bäume für krank erachtet

Anton Bichlmeier, Hochwasseropfer von 2013, erklärte, es sei ein Unding, dass pauschal fast alle Bäume am Ufer als krank und nicht erhaltenswert eingestuft worden seien. Die Mauern, so Bichlmeier weiter, hätten fatale Konsequenzen, „weil dann noch mehr Wasser mit höherer Geschwindigkeit die Sempt runterfließt“. Stattdessen sei es seit Jahren überfällig, die Sempt auszubaggern. Rückhaltebecken würden dafür sorgen, dass so viel Wasser wie möglich aufgefangen wird. Auch ein intelligentes Wehrmanagement sei ein effektiver Schutz.

Anderes Wasserwirtschaftsamt sagt: Mauern sind out

Altenerdings Ortssprecher Georg Bichlmaier verwies auf ein Beispiel aus dem Raum Landsberg, wo ein Bach sogar tiefergelegt worden sei. Von einem anderen Wasserwirtschaftsamt habe er gehört: „Mauern baut man zum Hochwasserschutz nicht mehr.“ Auch in München habe man die Isar renaturiert. Auch Bichlmaier sorgt sich, dass Mauern das Hochwasser beschleunigen könnten. „Das wäre zudem eine enorme Gefahr für die Einsatzkräfte.“

Warum wird Sempt nicht ausgebaggert?

Er, aber auch Josef Stimmer forderten die Bachauskehr. „Wegen der Wehre ist die Sempt im Normalfall fast schon ein stehendes Gewässer. Da setzt sich alles ab.“

Von Brunn entgegnete, Ausbaggern richte auch ökologische Schäden an. Schon wegen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie müsse allerdings auch bei der Hochwasserfreilegung auf ökologische Aspekte Rücksicht genommen werden. Das komme ihm beim Variantenentscheid des WWA zu kurz. Rauscher sekundierte: „Auch der Eingriff der Mauern in den Naturhaushalt muss überprüft werden.“

Stimmer mutmaßte, „dass das WWA so gerechnet hat, dass es die Ardeobrücke nicht erneuern muss. Dabei ist die schon 50 Jahre alt.“

Verständnis für Wörth

Die Anlieger haben Verständnis, dass sich die Wörther gegen den Damm bei Niederwörth wehren. Sie plädierten für eine Hybridvariante, zumal die nicht erheblich teurer wäre. Stadtrat Stefan Grabrucker hielt ein Bündel kleinerer Maßnahmen für am effektivsten. Man müsse auch an die Unterlieger denken. Mauern verlagerten das Problem nur.

Jutta Harrer gab zu bedenken, „dass das Semptufer ein Naherholungsgebiet ist, was den Bürgern weggenommen würde“. ham

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