Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Hochwasserschutz für die Stadt Erding

Kommentar: Der Bürger als Experte aus Erfahrung

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Das Wasserwirtschaftsamt besucht derzeit mit den Bürgern die Hochwasser-Brennpunkte in Erding. Am Ende könnte eine Lösung stehen, die fachlich optimal ist und die Bedürfnisse der Betroffenen aufgreift, kommentiert Redaktionsleiter Hans Moritz.

Die Ortstermine des Wasserwirtschaftamtes München sind das Beste, was der Behörde passieren konnte, genauso aber auch den Bürgern. Endlich hatten die Betroffenen vor Ort die Gelegenheit, die Hochwasserschutzpläne kennen zu lernen – an Ort und Stelle und nicht am grünen Tisch. Aber auch für das Wasserwirtschaftsamt sind diese Spaziergänge lehrreich. In Bergham, Altenerding und Langengeisling trafen wissenschaftliche Erkenntnis und wasserbauliches Fachwissen auf Expertise aus Erfahrung.

Besonders deutlich wurde das in Langengeisling, wo sich die Ingenieure von den Anliegern erklären lassen mussten, wie der Fehlbach bei Überflutung früher weitgehend schadlos abgeflossen ist. Im Norden der Kreisstadt besteht die Chance, vielleicht sogar auf die Deiche verzichten zu können, wenn das Ufer so zurückgebaut wird, dass Hochwasser erst gar nicht in Siedlungsbereiche gelangt.

Und in Altenerding tut sich auf einmal die Chance auf, dass es vielleicht gar keiner oder nur kleiner Mauern bedarf, um die Häuser zu schützen. Mobile, schnell aufbaubare Wände könnten die gleiche Wirkung erzielen, und dabei das Ortsbild deutlich weniger nachhaltig beeinträchtigen.

Das Wasserwirtschaftsamt, und danach sieht es derzeit aus, ist gut beraten, die Anregungen aufzunehmen und mindestens gleichwertig wie ihre Konzepte zu prüfen. Beide Seiten eint der Wunsch, Erding vor neuerlichen Überflutungen zu schützen. Es sollte am Ende die Lösung sein, die wirksam ist und den Gesetzen entspricht, die aber den Wünschen derer entspricht, die mit den Schutzbauwerken leben müssen.

Das gilt im Übrigen auch für die Stadt, die bei den Gräben durch die Bürgerinitiative ebenfalls bürgerliche Expertise erhielt – zum Nulltarif.

Der Dialog ist auch deswegen ein Erfolg, weil hier nicht Argumente unversöhnlich aufeinander geprallt sind. Die Gespräche waren von Offenheit und gegenseitiger Wertschätzung geprägt – eine gute Voraussetzung fürs weitere Verfahren.

Nur eines verwundert: So lange das Wasserwirtschaftsamt die Überlaufbecken-Variante bei Niederwörth verfolgt hatte, spielte es keine Rolle, dass der Hochwasserschutz für Erding auf den Fluren einer Gemeinde realisiert werden sollte, die davon gar nicht profitiert, sondern vor allem Nachteile zu Gunsten der Nachbarn erleidet. Nun, da es ein linearer Ausbau mit Deichen und Mauern sein soll, ist es fürs Wasserwirtschaftsamt das maßgebliche Kriterium, dass die Eingriffe dort erfolgen müssen, wo sie später auch Schutz bieten sollen. Das wirkt, mit Verlaub, ein wenig konstruiert.

ham

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