Nie wieder: Am 2. Juni 2013 wurde Erding von einem verheerenden Hochwasser heimgesucht, hier der Blick auf die Landgerichtstraße in Altenerding.
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Nie wieder: Am 2. Juni 2013 wurde Erding von einem verheerenden Hochwasser heimgesucht, hier der Blick auf die Landgerichtstraße in Altenerding.
Rede und Antwort standen in der Stadthalle (v.l.): OB Max Gotz, Sebastian Weise und Matthias Björnsen vom Planungsbüro, Stadtplaner Christian Famira-Parcsetich, Geschäftsleiter Reinhard Böhm, Stefan Homilius vom Wasserwirtschaftsamt sowie Andrea Loher und Bernadette Karlstetter von der Stadtverwaltung.
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Rede und Antwort standen in der Stadthalle (v.l.): OB Max Gotz, Sebastian Weise und Matthias Björnsen vom Planungsbüro, Stadtplaner Christian Famira-Parcsetich, Geschäftsleiter Reinhard Böhm, Stefan Homilius vom Wasserwirtschaftsamt sowie Andrea Loher und Bernadette Karlstetter von der Stadtverwaltung.

Gräben-Konzept wird in Bürgerversammlung kritisch gesehen

Hochwasserschutz: Becken und Dämme für Erding

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Erding - Wie kann man Erding vor Hochwasser schützen? Rückhaltebecken und Dämme rund um die Stadt sollen helfen. Das wird teuer und gefällt nicht jedem.

Es war eine ernüchternde Feststellung, mit der Sebastian Weise vom Planungsbüro Björnsen Beratende Ingenieure am Montagabend in der Stadthalle in die Sonder-Bürgerversammlung zum Hochwasserschutz einstieg: „In Erding gibt es derzeit keinen Schutz vor seltenen Hochwasser-Ereignissen. Weder entlang der Sempt, noch der Gräben.“ Dabei hatte OB Max Gotz zuvor vor etwa 120 Besuchern noch erklärt, dass man sehr wohl sofort aktiv geworden sei.

Immerhin, sechseinhalb Jahre nach der Katastrophe vom Juni 2013 liegen erste Konzepte vor, wie Erding vor neuerlichen Fluten geschützt werden kann. Was Sempt und Fehlbach beziehungsweise den höchst umstrittenen Damm bei Niederwörth betrifft, sagte Stefan Homilius vom Wasserwirtschaftsamt München zu: „In etwa einem Monat können wir unsere Ergebnisse vorlegen.“

15 Millionen Euro ohne Grunderwerb

Am Montag ging es vorrangig um die Gräben, für die die Stadt zuständig ist. Und das wird sie nach ersten Berechnungen rund 15 Millionen Euro kosten – ohne Grunderwerb. Weise versicherte, dass beide Schutzkonzepte aufeinander abgestimmt würden, „jedes aber auch für sich funktionieren muss“.

Bereits am 16. Oktober hatte der Stadtrat die Planungen kennen gelernt. Für Aufsehen hatte damals die Aussage gesorgt, die Hochwasserspitzen der Gräben und der Sempt würden nie gleichzeitig erreicht. Dazu wurde Weise konkret: „Bei unterschiedlich großen Einzugsbereichen, also Sempt auf der einen und die Gräben auf der anderen Seite, ist ein zeitgleiches Zusammentreffen von Hochwasserscheiteln unwahrscheinlich.“

Niederschläge, die in kleinen Einzugsgebieten für Überschwemmungen sorgten, seien oft sommerliche Gewitter, in den großflächigeren Bereichen hingegen länger andauernde Niederschläge. Hinzu kämen, so Weise weiter, „unterschiedliche Flusslängen und die damit verbundenen unterschiedlichen Fließzeiten“.

Dennoch benötigten auch die Gräben Rückhaltebecken. Nur so könnten Abflüsse gedrosselt und Bodenerosion vermindert werden, meinte Weise. Ungebremst abfließendes Wasser würde die Lage der Unterlieger verschärfen. Der Ausbau orientiere sich an einem hundertjährlichen Hochwasser plus 15 Prozent Klimaaufschlag. Homilius rechnete vor, dass die Sempt auf 90 Kubikmeter pro Sekunde ausgelegt werde. Gegen noch stärkere und damit seltenere Hochwasser könne man keinen 100-prozentigen Schutz bieten. „Es würde dann aber keine Verschlechterung zum Ist-Zustand geben“, versicherte Weise.

„Monster-Bauwerk“ entlang der B 388

Besonders groß war das Interesse am Ausbau des Neuhauser Grabens, der im Bereich der Fuchsbergstraße von Osten her auf Altenerding zuläuft. Weise schlug zwei Rückhaltebecken vor: eines östlich der B 388 zwischen Getränkemarkt und Fuchsbergstraße, ein zweites oberhalb im Bereich der geplanten Trasse der B 388-Südostumgehung. Die Dammkrone entlang der Bundesstraße werde befahrbar sein, das Wasser in westlicher Richtung in Rohren zur Sempt hin abgeleitet.

Mehrere Redner, darunter Wehrbetreiber Hans Balbach, wiesen darauf hin, dass das Wasser ausgerechnet dort in den Altwasserarm eingeleitet werden solle, wo der Fluss zuletzt sehr schnell über die Ufer getreten sei. Hans Trinkberger regte ein weiteres Rückhaltebecken am Fuß des Schlittenbergs gegenüber der Straßenmeisterei an.

Was den Itzlinger Graben betrifft, sprach sich Weise für ein Rückhaltebecken mit Damm südlich der Therme aus. Zudem könnte das Wasser über den Schlotgraben umgelenkt und dann mit mobilen Pumpen dem Isarkanal zugeführt werden. Eine Absage erteilte der Ingenieur einem Bypass entlang der Bajuwarenstraße bis in den Stadtpark – zu aufwendig mitten in der Stadt.

Für den Aufhauser und den Wiesengraben sehen die Planer zwei Rückhaltebecken mit Dämmen vor: am westlichen Ende der Waldstraße und auf den landwirtschaftlichen Flächen nahe der Schlossallee südwestlich des Berghamer Ortskerns. Vom Becken des Aufhauser Grabens soll das Wasser hangabwärts unter der Schlossallee abgelassen werden. Das Wiesengraben-Becken müsste entlang der Waldstraße ebenfalls in Rohren entwässert werden. Einen Versickerungsbereich parallel zur Schlossallee lehnen die Planer ab – zu ineffektiv.

Weise betonte, der Ausbau werde ökologisch erfolgen. Nur so gebe es die maximale staatliche Förderung. Zugleich seien renaturierte Ufer und mäandernde Bäche mit flachen Böschungen attraktive Aufenthaltsbereiche.

Danach entwickelte sich eine ausgiebige Debatte. Eittings Zweiter Bürgermeister Reinhard Huber als Sempt-Unterlieger mahnte an, die Durchlässe freizuhalten. Gotz sicherte zu: „Darum wird sich der Bauhof im Gefahrenfall rund um die Uhr kümmern.“

Trinkberger forderte Entschlammung und Renaturierung der Bäche. „Dann kommt viel mehr Wasser durch.“ Das Gleiche verlangten Lenz Hellinger für den Fehlbach und Anton Bichlmeier aus dem Pretzener Weg für die Sempt. Homilius erklärte, er kenne keine übermäßigen Auflandungen. Für deren Beseitigung seien per Gesetz die Wehrbetreiber zuständig. „Dann muss das kontrolliert werden“, konterte Gotz.

Gotz verspricht: Neue Petersbergbrücke kommt

Hans Ott aus der Sandgrubensiedlung wies einmal mehr auf die hohen und bei Regen schnell steigenden Grundwasserstände hin. Gotz erklärte: „Bevor wir da nicht auf der sicheren Seite sind, wird im Erdbeerfeld nicht weitergebaut.“

Josef Stimmer aus der Austraße monierte den Damm neben der B 388 als „Monster-Bauwerk.“ Er unterstellte der Stadt, das Wasser des Neuhauser Grabens werde durch Altenerding geleitet, damit ein Investor im Baugebiet Haager Straße Ost den großen Reibach machen könne. Das wies Gotz brüsk zurück.

Auch das abgerissene Petersbergbrückerl kam zur Sprache. Gotz sagte: „Auch deswegen ist in Altenerding die Sempt übergegangen.“ Er stehe aber zu seinem Wort, dass eine neue, hochwassersichere und barrierefreie Querung vorgesehen sei.

Wie geht es weiter? „Wir wollen so schnell wie möglich in die Planfeststellungsverfahren“, so Gotz.

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