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In Normalzeiten ein Idyll ist die Sempt durch Altenerding. Das Wasserwirtschaftsamt plant entlang der Ufer bis zu 1,50 Meter hohe Flutschutzmauern.

Altenerdinger Bürgerinitiative reicht Petition ein – Mauern stoßen auf strikte Ablehnung

Landtag urteilt über Hochwasserschutz

  • Hans Moritz
    VonHans Moritz
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Die Bürgerinitiative Naturnaher Hochwasserschutz Sempt lässt nichts unversucht, um Mauern zum Schutz vor Hochwasser in Altenerding zu verhindern. Nun hat BI-Sprecher Christian Veicht die Petition beim Landtag eingereicht.

Altenerding – 5000 Unterschriften hatte die BI gegen die Mauern und einen naturnahen Hochwasserschutz gesammelt, darunter 3700 aus Erding, zehn Prozent der Bevölkerung. Den Landtag erreichen mehrere Forderungen. So soll das Wasserwirtschaftsamt (WWA) „die Planung in Richtung naturnaher Hochwasserschutz vertiefen und den Ausbau mit Betonmauern sowie die Naturzerstörung überdenken“. Die BI moniert, dass Alternativen zur Ursachenbekämpfung des Hochwassers „nicht in hinreichender Tiefe“ diskutiert worden seien. Die Verantwortlichen wollen mit dem WWA eine weitere Alternative entwickeln.

Veicht teilt den Unterzeichnern mit, dass die Petition im Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz beraten und beschlossen werde, der sich dazu eine Stellungnahme der Staatsregierung einholen werde. Bei der Behandlung will die BI persönlich anwesend sein.

Nun stellt sich die Frage nach den Erfolgsaussichten. Allzu groß dürften sie nicht sein. Denn einige Stadtratsfraktionen haben schon einmal auf Betreiben der Freien Wähler einen Brief an Umweltminister Thorsten Glauber (FW) geschrieben – mit der Bitte, sich der Interessen der Semptanlieger anzunehmen. Glaubers Antwort war bekanntlich ernüchternd: Er stellte sich hinter die Planungen des Wasserwirtschaftsamtes. Den Brief bezeichnet OB Max Gotz als „schweren Fehler“. Hinzu kommt, dass die Behörde bereits mehrere Alternativen geprüft – und alle bis auf die mit den Mauern verworfen hat, insbesondere die mit dem Rückhaltebecken bei Niederwörth und mehreren kleinen Becken im Sempt-Oberlauf.

Kürzlich fand ein Treffen der BI mit Gotz und der früheren Umweltministerin Ulrike Scharf (beide CSU) statt. „Mir ging es darum, die angespannte Situation aufzulösen.“ Es stimme, dass Flüsse heute zum Hochwasserschutz eher renaturiert als kanalisiert würden. „Aber die entscheidende Frage ist, wie die Häuser an der Sempt vor Hochwasser geschützt werden. Das muss auch vor Ort passieren“, so Scharf.

Sie stellt sich hinter die Forderung der Anlieger, die Sempt endlich zu entschlammen. „Das muss eigentlich jährlich passieren.“ Es gebe aber die nach wie vor unbeantwortete Frage, wer dafür zuständig ist. „Dazu haben wir noch keine Antwort aus dem Wasserwirtschaftsamt.“

Große Skepsis, so Scharf weiter, gebe es wegen der Ardeobrücke. Das Amt will sie nicht höher legen, Anlieger und Stadt sind aber überzeugt, dass sie ein gefährliches Stau-Hindernis darstelle. Sollte sie doch erneuert werden müssen, könnten ganz andere Kosten herauskommen – und die Mauer-Variante aus wirtschaftlichen Grünen kippen. Das müsse untersucht werden. Einig war man sich auch: Das Wehrmanagement muss bei Hochwasser zentral gesteuert werden.

Altenerdings Ortssprecher Georg Bichlmaier hat für die Mauern kein Verständnis. „Dann steigt der Pegel noch schneller und die Fließgeschwindigkeit nimmt zu.“ Er hält es für unabdingbar, „dass auch im Oberlauf etwas für den Hochwasserschutz getan wird“. Er hält das Rückhaltebecken in Niederwörth nach wie vor für die bessere Alternative. „Die Menschen dort haben vor allem Angst vor dem Anstieg des Grundwassers. Aber wenn man den Wall breiter und dafür ohne Spundwände baut, besteht diese Gefahr nicht. Dass die Feuerwehr einen mobilen Schutz nicht schnell genug aufbauen könne, wundert ihn: „Dafür gibt es die überörtliche Hilfe.“

Auch er mahnt die Flussauskehr an. „Wir haben neulich einen Angler befreit, der im Schlamm festgesteckt ist“, erinnert sich der Landwirt.

ham

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