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Kaum noch ein Fließgewässer ist die Sempt an manchen Stellen – wie hier an der Pointnermühle in Erding, wo die Wasserpflan zen sprießen. Das Wasserwirtschaftsamt will den Fluss demnächst ausbaggern. Lange hatte die Behörde diesen Schritt, der auch dem Hochwasserschutz dient, strikt abgelehnt.

Wasserwirtschaftsamt 

Hochwasserschutz verzögert sich

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Erding - Neue Pläne und höhere Anforderungen bringen den Zeitplan des Hochwasserschutzkonzeptes für die Stadt Erding in Verzug. Dafür versichert das Wasserwirtschaftsamt München: Die Sempt wird ausgebaggert und der Fehlbach natürlicher gestaltet.

Im Juni 2013 hat ein fatales Hochwasser Erding überrascht. In Altenerding und Langengeisling wurden viele Häuser geflutet. Die Schäden gingen in die Hunderttausende. Im Auftrag des Umweltministeriums begann das Wasserwirtschaftsamt München (WWA) mit der Planung eines Schutzkonzepts. Zwei Varianten sind im Spiel: Mauern entlang der Sempt oder ein großer Flutpolder im Süden der Stadt. Gegen diese favorisierte Lösung laufen die Nachbarn aus Wörth Sturm. Sie fürchten um ihren Ortsteil Niederwörth.

Seit den Informationsveranstaltungen voriges Jahr ist es ruhig geworden. Für Herbert Lang, eines der Flutopfer aus Altenerding, zu ruhig. Er hat dem WWA einen Brief geschrieben, in dem er seine Sorgen äußert. Denn eine neuerliche Flut wie 2013 könne nicht ausgeschlossen werden. Es sei unverständlich, warum in den vergangenen vier Jahren so gut wie nichts geschehen sei, andernorts aber schon. Damit drohe sich die Behörde im Falle einer zweiten Katastrophe haftbar zu machen.

WWA-Chefin Sylva Orlamünde äußert in der unserer Zeitung vorliegenden Antwort Verständnis für Lang. In der Tat habe man die Grundwasseruntersuchungen im ersten Quartal 2017 abschließen und die Ergebnisse im zweiten Quartal vorstellen wollen. Die Verzögerung begründet sie mit „unvorhersehbaren Fragestellungen, die sich erst im Lauf des Projekts ergeben haben“. Unter anderem müsse eine hydraulische Berechnung noch einmal vorgenommen werde, da es mittlerweile höhere Standards gebe. Die Hydraulik-Ergebnisse sollen noch heuer vorliegen.

Wegen der Bedenken aus Wörth habe man sich für zusätzliche Grundwasser-Messstellen entschieden. Derzeit würden diese gebohrt.

Orlamünde erklärt, man arbeitete auch deswegen so sorgfältig und damit zeitaufwändiger, um gegen mögliche Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss gut gerüstet zu sein. Erfolgreiche Prozesse würden den Hochwasserschütz deutlich stärker verzögern.

In einem weiteren Schreiben weist Lang das WWA auf die Verschlammung der Sempt hin, was im Hochwasserfall die Lage verschärfen könnte. Stefan Fach, Bauoberrat beim WWA, versichert, dass man das Problem erkannt habe und seit einiger Zeit an einem Lösungskonzept arbeite. Bis vor kurzem war die Bachauskehr tabu. Diese Haltung wurde aufgeben. Darauf hatte vor einigen Wochen bereits Erdings Umweltreferent Thomas Schreder hingewiesen und von einem Durchbruch gesprochen (wir berichteten).

Fach berichtet, dass man sich flussabwärts vorarbeite. Derzeit werde die Schwillach entschlammt. Danach werde man den Schwillachweiher „entlanden“ und sich in Richtung Sempt vorarbeiten. Fach weist aber darauf hin, dass vor jedem Abschnitt mit allen Beteiligten – Gemeinden, Grundeigentümern, Fischern, Landwirtschaftamt und Kraftwerkbetreibern – gesprochen werde. Erfahrungen sollen für weitere Abschnitte genutzt werden, so Fach. Unter anderem geht es um die Ausbringung des Schlamms etwa auf landwirtschaftliche Flächen.

Auch der Fehlbach beschäftigt das WWA. Ab kommender Woche bekommt der „Saubach“ neue Strukturen. Die Flussmeisterstelle Freising wird im Zuge der Stadtwehr-Baustelle unterhalb davon neue Elemente wie Buhnen und Totholz einbringen. Es ist gewissermaßen eine sanfte Renaturierung mit Tiefen, Anlandungen und Strömungsmustern. „So entstehen neue Lebensräume, beispielsweise Nahrungsgebiete oder Verstecke vor Fressfeinden“, verspricht Christina Jasper vom WWA. Der Bach werde für Fische und Kleinlebewesen wieder attraktiver.

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