Fünf Hochwasser-Spaziergänge hatten im Herbst in Erding stattgefunden. Einige Anregungen Betroffener könnten nun Eingang ins Schutzkonzept finden.
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Fünf Hochwasser-Spaziergänge hatten im Herbst in Erding stattgefunden. Einige Anregungen Betroffener könnten nun Eingang ins Schutzkonzept finden.

Behörde greift Ideen der Bürger auf – Umweltminister schlägt Einladung aus

Erding: Hochwasserschutz wird umgeplant

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Die Ortstermine des Wasserwirtschaftsamtes München in Erding haben Folgen: Einige Ideen der Bürger greift die Behörde auf und plant die Hochwasserschutzmaßnahmen um.

Erding – Das Wasserwirtschaftsamt hält Wort: Einige Anregungen aus der Bürgerschaft werden in den Hochwasserschutzplänen für die Stadt Erding berücksichtigt. Das sagte dessen Leiter Christian Leeb im Gespräch mit unserer Zeitung. Umweltminister Thorsten Glauber (FW) hat indes die Einladung mehrerer Stadtratsfraktionen nach Erding ausgeschlagen – vorerst zumindest.

Im März 2020 hatte das Wasserwirtschaftsamt seine Kehrtwende öffentlich gemacht: Erding soll nicht, wie bisher favorisiert, von einem großen Rückhaltebecken bei Niederwörth vor 100-jährlichen Hochwassern der Sempt geschützt werden, sondern mit Mauern und Deichen, also einem linearen Ausbau. Auch einen naturnahen Schutz mit neun Rückhaltebecken im Oberlauf lehnte die Behörde ab.

Der Protest in Erding war groß. Vor allem in Altenerding fürchten die Sempt-Anlieger, vom Fluss abgeschnitten zu werden. Daraufhin lud das Amt im Herbst vergangenen Jahres zu fünf so genannten Hochwasserspaziergängen ein, um an verschiedenen Abschnitten von Sempt und Fehlbach seine neuen Pläne vorzustellen. Kernargumente waren, dass eine Neuberechnung ergeben habe, dass ein Rückhaltebecken zu wenig wirkungsvoll und zu teuer sei. Zudem müsse der Schutz dort realisiert werden, wo er greifen solle.

Die Teilnehmer wurden aufgefordert, Verbesserungsvorschläge zu liefern. Dieser Dialog könnte nun von Erfolg gekrönt werden. Behördenleiter Leeb berichtet, „dass wir einige Anregungen im nächsten Planungsschritt aufgreifen“.

Am stechendsten dürften die Argumente der Langengeislinger gewesen sein, im Norden der Stadt könnte es die weitreichendsten Änderungen geben. „Wir stimmen unsere Planungen jetzt mit der Bahn bezüglich des S-Bahn-Ringschlusses ab“, versichert Leeb. Dazu stehe man mit der DB und dessen Ingenieurbüro in Kontakt. „Wir können uns vorstellen, dass der Bahndamm zugleich als Einstaubauwerk oder zur Ableitung des Wassers genutzt werden kann“, so Leeb.

Ferner eruiere man, ob die Sempt nicht wie in früheren Zeiten gezielt in Richtung Westen/Kronthaler Weiher übergehen könne. „Beides könnte zur Folge haben, dass wir an der Fehlbachstraße keine oder nur noch kleinere Dämme benötigen“, so Leeb. Knifflig sei noch, das Hochwasser Richtung Altham/Eichenkofen wieder in die Sempt zurückzuleiten.

In Altenerding besteht laut Leeb ebenfalls die Chance, auf Mauern und Deiche zu verzichten oder sie deutlich kleiner zu bauen. „Die Stadt Erding prüft gerade, ob der Hochwasserschutz auch mit mobilen Tafeln sichergestellt werden kann.“ Das käme vor allem an der Landgerichtstraße in Betracht, „weil man dort mit Lastwagen bis ans Ufer kommt“.

Auch in Bergham prüft das Wasserwirtschaftsamt, ob ein Damm in Richtung Pretzener Straße doch so gebaut werden kann, dass die Anlieger möglichst wenig beeinträchtigt werden.

Leeb berichtet, dass man sich nun auf die Entwurfs- und Genehmigungsplanung vorbereite. Dazu seien Baugrunduntersuchungen nötig. „Dann wollen wir wieder mit den Bürgern in Kontakt treten, entweder online oder in Präsenzveranstaltungen. Das liegt an der Entwicklung der Corona-Pandemie.“

Vorerst außen vor bleiben will Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber. Alle Stadtratsfraktionen außer CSU und AfD hatten ihn in einem gemeinsamen Schreiben nach Erding eingeladen, um mit ihm über Planungsänderungen zu reden. Doch Glauber wird nicht kommen. In dem Antwortschreiben, das unsere Zeitung einsehen konnte, stellt sich Glauber hinter die Planung des ihm unterstellten Wasserwirtschaftsamtes.

Seine Sprecherin teilt auf Anfrage mit: Der lineare Ausbau „stellt die fachlich beste Variante dar. Dagegen hat eine hydraulische Simulation ergeben, dass sich kein Hochwasserschutz vor einem hundertjährlichen Ereignis durch Renaturierungsmaßnahmen im Einzugsgebiet der Sempt erzielen lässt.“ Das Ministerium verweist zudem auf den intensiven Dialog – an den Spaziergängen hatten kaum Stadtratsmitglieder teilgenommen – und die Möglichkeit, auch jetzt noch Vorschläge einzubringen.

Glauber kehrt Erding nicht prinzipiell den Rücken zu. Das Ministerium bietet dem Stadtrat an, ihn „nach Aufhebung der coronabedingten Kontaktbeschränkungen dabei zu unterstützen, die Verbesserungsvorschläge der Bürgerinitiative bei einem Termin mit dem Wasserwirtschaftsamt einzubringen“, so die Sprecherin.

OB Max Gotz (CSU) hat von dem Brief nie viel gehalten. Auch das Vorpreschen der BI Naturnaher Hochwasserschutz mit einer Petition an den Landtag sah er kritisch. Das Pulver sei zu früh verschossen worden, meint er. Gotz setzt auf die Sempt-Allianz mit den Nachbargemeinden. Es bedürfe Einmütigkeit und Verhandlungsgeschick, um auf dem politischen Weg noch Änderungen herbeizuführen, hatte Gotz unlängst im Interview mit unserer Zeitung erklärt.

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