CSU hört sich an der Basis um - und wird überrascht

Erding - Ist die Front der Startbahngegner gar nicht so breit, wie viele meinen? Die Bürgerumfrage von CSU-Kandidat Max Gotz hat jedenfalls erstaunliche Ergebnisse zu Tage gefördert.

Das gilt nicht nur für die Haltung zum Airport-Ausbau. 7500 Faltblätter hatte Gotz im Spätherbst zum Wahlkampfauftakt im gesamten Stadtgebiet verteilen lassen. "Wir wollten wissen, ob wir mit unseren Themen richtig liegen, und wo die Leute der Schuh drückt", erklärt Gotz die Aktion bei einem Redaktionsbesuch. 247 Bürger schickten den Fragebogen zurück ­ quer durch alle Altersschichten und Stadtteile. Die Frauen waren leicht in der Mehrheit. "Die Ergebnisse haben die Partei und mich zum Teil sehr überrascht. Auf den einen oder anderen Einwand müssen wir reagieren."

Für großes Staunen haben bei der Erdinger CSU die 50 Prozent der Befragten gesorgt, die sich klar für den Bau der dritten Start- und Landebahn sowie die Expansion des Flughafens insgesamt aussprechen. Mit einer so hohen Quote habe man nicht gerechnet. "Im gleichen Atemzug fordern die Befürworter aber den raschen Ausbau der Schienen- und Straßeninfrastruktur", so Gotz. Am grundlegenden Nein zur dritten Piste wollen Orts- und Kreisverband dennoch festhalten, nicht zuletzt aus Solidarität mit den Gemeinden im nördlichen Landkreis.

Als "Top-Themen" der Stadtpolitik seien eine belebte Innenstadt, der S-Bahn-Ringschluss, zusätzlicher günstiger und familienfreundlicher Wohnraum sowie mehr und billigere Parkmöglichkeiten genannt worden. Bei den beiden letztgenannten Themen möchte Gotz nachjustieren. "Bei neuen Bebauungsplänen müssen wir darauf achten, dass bei größeren Bauvorhaben mehr Grün beziehungsweise Spiel- und Begegnungsmöglichkeiten geschaffen werden." Was das Parken betrifft, möchte sich Gotz einmal mehr für die Einführung einer so genannten "Semmeltaste" für Minutenparker einsetzen.

Der vielfach geäußerte Wunsch nach einer Nordumfahrung ist für Gotz "eine Bestätigung, das Projekt so schnell wie möglich anzugehen und möglichst bis 2014 zu realisieren". Für die CSU eine neue Erkenntnis: Nicht wenige fordern bisher völlig außer acht gelassene Radwegeverbindungen, zum Beispiel von der Kreisstadt nach Eitting.

In Sachen Seniorenpolitik hat es den Spitzenkandidaten überrascht, "dass sich auch viele junge Leute Gedanken machen und Betreutes Wohnen fordern". Gotz, der daraus persönliche Betroffenheit schließt, will auch bei privaten Bauvorhaben reagieren: "Es ist nachdenkenswert, ob wir bei Bebauungsplänen nicht so breite Türen einfordern sollten, damit man auch mit Kinderwagen, Rollatoren oder Rollstühlen hindurch kommen. Dann ist eher Pflege zu Hause möglich."

Für Gotz besonders erfreulich: Die meisten Befragten, darunter auch viele Neubürger, leben gerne in Erding und sind mit dem Angebot zufrieden. Lediglich ganz neu Zugezogene "wünschen sich ein Infopaket bei der Anmeldung". (ham)

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