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Hunderte neue Wohnungen

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Seltener Moment: Stadtbaumeister Sebastian Heinrich entzündet im Sitzungssaal eine Kerze - zum Dank, dass nach 35 Jahren der Bebauungsplan Poststadl endlich fertig ist.
Seltener Moment: Stadtbaumeister Sebastian Heinrich entzündet im Sitzungssaal eine Kerze - zum Dank, dass nach 35 Jahren der Bebauungsplan Poststadl endlich fertig ist. © foto:ham

Es ist vollbracht: Nach 35-jähriger Planung, unendlichen Diskussionen, Eigentümerwechseln, zig Entwürfen und Anhörungen ist das Neubaugebiet rund um den früheren Poststadl an der B 388 endlich in trockenen Tüchern. 250 Wohneinheiten und 62 Reihenhäuser sind geplant.

Erding – Diese Aktion am Dienstagabend im Sitzungssaal dürfte einmalig gewesen sein: Stadtbaumeister Sebastian Henrich stellte eine große Kerze zwischen sich und Oberbürgermeister Max Gotz und zündete sie an. Es war seine Art, seine Erleichterung und Dankbarkeit darüber auszudrücken, dass für den „Bebauungsplan 88 für das Gebiet südlich der Dorfener Straße und westlich der B 388“, so der offizielle Name, endlich der Satzungsbeschluss gefasst wurde. Das heißt: Die große Wiese im Nordosten der Stadt kann bebaut werden. Ein halbes Dutzend Bauträger steht schon Gewehr bei Fuß. Mindestens 1000 Menschen werden hier eine neue Heimat finden. Der Bebauungsplan sieht 250 Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern sowie etwa 62 Reihenhäuser vor. Entlang der Dorfener Straße und der B 388 bilden Letztere einen bewohnten Lärmschutzwall zur westlich gelegenen Siedlung.

Das Neubaugebiet wird von einer neuen Straße erschlossen, der Max-Kraus-Straße, die eine Sackgasse bildet, um nicht den Verkehr in die angrenzende Siedlung zu drücken beziehungsweise Schleichwege zur Bundesstraße zu schaffen. Die Max-Kraus-Straße mündet unweit der Gärtnerei Ippisch auf die B 388 und wird mit einer Ampel ausgestattet. Zwischen der Einmündung und der Taufkirchener Kreuzung wird dann Tempo 50 (jetzt 70) gelten. Zudem ist Flüsterasphalt geplant. Bunte Farben werden die Fassaden prägen – ein Spiegel der Altstadthäuser.

Der Beschluss war für OB Max Gotz „so historisch“, dass er Henrich um eine Rekapitulation der Vorgeschichte des Bebauungsplans bat. Insgesamt waren seit dem Aufstellungsbeschluss am 25. August 1983 drei Bürgermeister mit dem „88er“ befasst: Gerd Vogt, Karl-Heinz Bauernfeind und Max Gotz. Sieben Ausschüsse hatten ihn beraten, angeleitet von zwei Stadtbaumeistern und zwei Stadtplanern. Vier Planungsbüros hatten sich den Kopf zerbrochen. „Wir wollten das Vorhaben schon aufgeben“, erinnerte sich der Chef des Stadtbauamtes. Gotz lobte, „dass am Schluss alle verbliebenen Beteiligten an einem Strang gezogen haben“.

Vor dem Satzungsbeschluss mussten die Stadträte des Planungs- und Bauausschusses die Stellungnahmen und Anregungen aus der finalen Auslegung vom 29. November 2017 und dem 9. Januar 2018 abwägen, verwerfen oder beschließen. Unter anderem hatten sich mehrere Bewohner der angrenzenden Siedlung zu Wort gemeldet. Sie fürchten eine höhere Lärmbelastung und forderten deshalb Lärmschutzmaßnahmen über die Festsetzungen im Bebauungsplan beziehungsweise sogar über das Plangebiet hinaus.

Ein Anlieger befürchtet eine weitere Erhöhung des Verkehrsaufkommens auf der Taufkirchener Kreuzung, ein anderer verlangte Lärmschutz entlang der B 388 und der Hans-Schmidmayer-Straße. Auch aus der Reihenhaussiedlung Ost kamen Beschwerden. Der Ausschuss besserte nicht nach, den Nachbarn werde ausreichend Rechnung getragen.

Hans Egger (Erding Jetzt) fragte nach freiwilligem Lärmschutz. Davon riet Gotz dringend ab. „Da machen Sie ein Fass auf. Dann müssen Sie es überall machen.“

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