Ein Netzwerk aus bunten Bändern spannte Kardinal Reinhard Marx (l.) im Juni 2017 bei einem Gottesdienst zur Amtseinführung von Diözesanjugendpfarrer Richard Greul, der aus Langengeisling stammt. Archiv-Foto: Monika Kronseder
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Ein Netzwerk aus bunten Bändern spannte Kardinal Reinhard Marx (l.) im Juni 2017 bei einem Gottesdienst zur Amtseinführung von Diözesanjugendpfarrer Richard Greul, der aus Langengeisling stammt.

Debatte um Bundesverdienstkreuz

„Hut ab“ vor Kardinal Marx

  • vonTimo Aichele
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Die Debatte um Missbrauch in der katholischen Kirche erreicht nun auch das Erzbistum München und Freising. Kardinal Reinhard Marx lehnt deswegen das Bundesverdienstkreuz ab. Das halten Katholiken im Landkreis Erding davon.

Landkreis – Hat Kardinal Reinhard Marx das Bundesverdienstkreuz verdient? Der Oberhirte des Erzbistums München und Freising hat auf jeden Fall darum gebeten, ihm diese Ehrung nicht zuteil werden zu lassen. Zuvor hatten Opferverbände die Nominierung kritisiert, da Marx’ Rolle bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in den Bistümern Trier und München nicht vollständig aufgeklärt sei.

„Ich habe ganz großen Respekt vor dieser Entscheidung“, sagt Martin Garmaier, Erdings Stadtpfarrer.

Gerade sei er dabei, deswegen einen Brief an Marx zu schreiben. Der Kardinal hätte die Auszeichnung verdient, findet Garmaier, schließlich habe sich der Kardinal in jüngerer Vergangenheit „in extremem Maße für Missbrauchsopfer eingesetzt“.

Respekt zollt auch Diözesanjugendpfarrer Richard Greul dem Kardinal. Da habe Marx ein „gutes Gespür bewiesen“. Menschen, die gelitten hätten, dürften durch eine solche Ehrung nicht noch mehr verletzt werden. Gerade als Jugendpfarrer sei ihm wichtig: „Kirche muss ein geschützter Rahmen sein.“

„Ich finde das sehr verantwortungsvoll“, sagt auch Hans Wiesmaier, Bürgermeister von Fraunberg und seit 34 Jahren Pfarrgemeinderatsvorsitzender in Rappoltskirchen. „Diese Sensibilität hat mancher Verantwortliche früher vermissen lassen.“

Carla Marx wiederum, 3. Bürgermeister von Wartenberg und früher im Pfarrgemeinderat engagiert, „kann nicht verstehen, warum man in diesen Zeiten überhaupt einen hohen Kirchenvertreter für diese Auszeichnung vorschlägt“. Mit Blick auf die Vorgänge in ihrer Geburtsstadt Köln fürchtet sie aber, dass bei der Missbrauchsaufarbeitung „einiges im Sande verlaufen wird“.

„Hut ab“, sagt der Dorfener Pfarrgemeinderatsvorsitzende Wolfgang Lanzinger. Er begrüße die Entscheidung. Allerdings sei gerade Marx beim Thema Missbrauch „gemessen an den beschämenden Verhaltensweisen anderer Bischöfe extrem in die Offensive gegangen und habe auf Transparenz gesetzt.“  

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