Blick von oben auf den Fliegerhorst und Umgebung: Der Bereich links von der hier gut zu erkennenden Start- und Landebahn steht im Fokus des städtebaulichen Wettbewerbs, den die Stadt Erding ausgelobt hat.
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Blick von oben auf den Fliegerhorst und Umgebung: Der Bereich links von der hier gut zu erkennenden Start- und Landebahn steht im Fokus des städtebaulichen Wettbewerbs, den die Stadt Erding ausgelobt hat.

Fliegerhorst: Städtebaulicher Wettbewerb beginnt – 190 Hektar großes Gebiet im Fokus

Ideen für Erdings neuen Stadtteil

  • Gabi Zierz
    vonGabi Zierz
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Erding - Mammutaufgabe: Auf dem Ende 2024 frei werdenden Fliegerhorst-Areal soll einmal ein neuer Stadtteil entstehen. Dazu sind innovative Ideen gefragt. Jetzt geht‘s los.

Erding steht vor der größten städtebaulichen Herausforderung seiner Geschichte: der Konversion des Fliegerhorstes. Wenn er – wie derzeit geplant – Ende 2024 geschlossen wird, fällt das 380 Hektar große Areal zurück in die kommunale Planungshoheit der Stadt, die die Flächen kaufen und entwickeln will. Es wird ein neuer Stadtteil entstehen – mit allem, was dazugehört.

Dazu sind Ideen gefragt. Diese sollen 15 Planungsteams aus ganz Deutschland in den nächsten Monaten erarbeiten. Ein Preisgericht – bestehend aus Fach- und Sachpreisrichtern – wird dann im Juli darüber befinden. Im Fokus des städtebaulichen Wettbewerbs, für den der Stadtrat am Dienstagabend den Startschuss gab, stehen 190 Hektar im südlichen Bereich des Fliegerhorstes, anschließend an Williamsville. Hier liegt der Großteil der Gebäude. Auch die Fläche für den neuen Bahnhof samt Parkhaus, für die es bereits einen Bebauungsplan gibt, gehört dazu. Sie allein umfasst 12 Hektar. Zum Vergleich: Die Erdinger Altstadt hat eine Größe von 17 Hektar.

Seit vergangenem Juli laufen die Vorbereitungen, die Architekt und Stadtplaner Josef Mittertrainer vom Münchner Büro BGSM im Auftrag der Stadt betreut. Neben den Experten sind auch die Bürger gefragt. Ihre Beteiligung war coronabedingt nur online möglich, bedauerte OB Max Gotz (CSU): „Aber wir wollen und werden alles tun, dass die Einbindung der interessierten Öffentlichkeit erfolgen kann.“

Vize-Bürgermeisterin Petra Bauernfeind (FW) lobte: „Es ist eines der transparentesten Verfahren, das wir bisher gehabt haben. Alle können sich beteiligen. Es ist schön, dass die Anregungen so beherzt eingearbeitet wurden.“

Alle Unterlagen sind auf der Internetseite der Stadt für jedermann zugänglich (Download). Das Interesse ist groß. Allein 40 Anregungen aus der Bürgerschaft sind bislang eingegangen. Vieles sei ebenso in die Wettbewerbsaufgabe eingearbeitet worden wie die Wünsche aus den Fraktionen, erklärte Stadtentwickler Christian Famira-Parcsetich den Stadträten.

So legten Grüne, Freie Wähler, Erding Jetzt, SPD und ÖDP Wert darauf, dass Geowärme nicht als alleinige Energieversorgung vorgegeben wird, sondern Alternativen möglich sein müssen. Dem kam man nach.

„Dieses städtebauliche Grundgerüst ist der Ansatz der Lösung, kein Allheilmittel für viele Jahre“, erklärte Famira-Parcsetich. Der Auslobungsentwurf solle Ziele formulieren, aber noch keine Lösungen bieten: „Wir wollen zu Ideen und Kreativität anregen.“

Manche Räte waren gerade deshalb verwundert, dass jetzt von einem städtebaulichen Wettbewerb gesprochen wird, während zunächst von einem Ideenwettbewerb die Rede war. „Das heißt wohl dann, dass die Entscheidung über den Sieger mit einer Auftragsvergabe verbunden ist“, fragte Herbert Maier (Grüne). Mittertrainer erklärte, es sei ein Auftragsversprechen verknüpft, deshalb dürfe es nicht mehr Ideenwettbewerb heißen. Der Sieger könne dann einen Masterplan erstellen, mit dem alles verfeinert werde.

Johann Fehlberger (FW) hätte sich gewünscht, die besten Ideen aller Planer zu bündeln. Das funktioniere nicht, antwortete ihm Mittertrainer: „Das wird dann unrund. Sie brauchen ein grundlegendes Konzept, auf das Sie sich einigen.“ Auch OB Gotz sprach sich gegen „ein Leipziger Allerlei“ aus.

Burkhard Köppen (CSU) sagte dazu: „Wir erwarten uns alle Ideen, die die nächsten 20, 30, 40 Jahre in die Umsetzung gehen.“ Dazu gehören neben Wohn- und Gewerbegebieten Sport-, Freizeit- und Erholungseinrichtungen, Veranstaltungsflächen, Kindergarten, Grundschule, Freiflächen für Fauna und Flora und ein Grüner Ring, der aus der Bewerbung zur Landesgartenschau stammt und das Gewerbe von der restlichen Nutzung trennen soll. Das neue Stadtviertel soll nachhaltig und klimaneutral bebaut werden und weitgehend autofrei sein, der Fuß- und Radverkehr gestärkt werden.

Auch der Historie des Fliegerhorsts will die Stadt Rechnung getragen: So sollen das Kircherl, die ehemaligen Flugzeug- und Materialunterstände (Shelter), die Offizierskasinos und das Feldwebelwohnheim erhalten bleiben – mit sinnvoller Nachnutzung.

Ein großes Ziel des Wettbewerbs sei, alle Nutzungen, die eine Flächenversiegelung nach sich ziehen, mit anderen Nutzungen zu kombinieren, sagte Famira-Parcsetich. Dazu gehören auch die Parkplätze. Die Fraktion Erding Jetzt wollte ganz auf das Parkhaus mit 670 Stellplätzen am neuen Bahnhof verzichten. Es würde nur zusätzlichen Verkehr anziehen, erklärte Thomas Schmidbauer. Vielmehr könnten für Pendler alternativ Stellplätze am Stadtrand geschaffen werden, etwa in Aufhausen. Gotz erinnerte daran, dass es zum Parkhaus einen eindeutigen Beschluss gebe und es Bestandteil des Planfeststellungsverfahrens für den S-Bahn-Ringschluss sei. Daran sei nicht zu rütteln.

Auch Bauernfeind sprach sich für das Parkhaus am neuen Bahnhof aus, „damit die Pendler auf den Zug umsteigen. Die Aufhausener würden sich auch nicht freuen, wenn man den Verkehr zu ihnen schickt.“

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