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„Menschenverachtend“: Pfarrer ätzt gegen „Spaziergänger“ - und mahnt vor großer Gefahr

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Von: Hans Moritz

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Deutliche Worte in der weihnachtlich geschmückten Stadtpfarrkirche St. Johannes Erding fand Stadtpfarrer Martin Garmaier in seiner Silvesterpredigt. Vor allem die Spaltung der Gesellschaft bereitet ihm Sorge.
Deutliche Worte in der weihnachtlich geschmückten Stadtpfarrkirche St. Johannes Erding fand Stadtpfarrer Martin Garmaier in seiner Silvesterpredigt. Vor allem die Spaltung der Gesellschaft bereitet ihm Sorge. © Hans Moritz

Er ist ein Freund klarer Worte: Erdings Stadtpfarrer Martin Garmaier. In seiner Silvesterpredigt kritisierte er die Montagsspaziergänger und zeigte sich besorgt über die Spaltung der Gesellschaft.

Erding - Wenige Predigten sind so politisch, wie die in den Silvestergottesdiensten. Besonders deutliche Worte findet in diesem Rahmen seit Jahren Erdings Stadtpfarrer Martin Garmaier. Hatte er sich in den vergangenen Jahren kritisch mit der AfD auseinandergesetzt, griff der Leiter des Pfarrverbandes Erding-Langengeisling am Freitagabend in der weihnachtlich geschmückten Pfarrkirche St. Johannes vor rund 100 Gläubigen die zuletzt offen zutage tretende Spaltung der Gesellschaft auf.

Corona-Lage: Pfarrer kritisiert Spaziergänger - Gefahr vor Spaltung der Gesellschaft

Zunächst erinnerte Garmaier daran, wie hoffnungsvoll 2021 begonnen habe – mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden und der Impfkampagne gegen das Corona-Virus. Doch dann sei das zu Ende gegangene Jahr wieder kopfgestanden. Der Pfarrer erinnerte an den Sturm auf das Capitol in Washington, den Militärputsch in Myanmar, die Stationierung russischer Truppen an der Grenze zur Ukraine und die neuerliche Machtergreifung der Taliban in Afghanistan. „Auch Christen müssen hier um ihr Leben bangen“, kritisierte Garmaier. „Mehr und mehr durchziehen egoistisches Machtstreben und die Bereitschaft zu Terror und Gewalt die ganze Welt.“

Doch es helfe nichts, nur auf andere mit dem Finger zu zeigen. „Auch die zunehmende Gewaltbereitschaft in unserem eigenen Land beunruhigt mich. Waren es vor einigen Jahren die Flüchtlingsströme, mit denen die in der Regierung Verantwortlichen zu kämpfen hatten, so ist es heute das weltweit alle in Atem haltende Virus Corona. Während die einen sich verständnisvoll und dankbar Politikern gegenüber verhalten, spielen sich andererseits Geimpfte und Ungeimpfte gegeneinander aus. Diese Spaltungen sind bis hinein in Familien zu beobachten.“

Auch auf die Montagsspaziergänge – vier hat es in Erding bereits gegeben – ging Garmaier ein. „Unser Grundgesetz gibt das Recht und die Möglichkeit, sich öffentlich mit seiner Meinung, Kritik und Fragen zu äußern. Einige scheinen dies jedoch zu missverstehen und machen ihrem Ärger Luft, indem sie gewalttätig und zerstörerisch wirken.“

Es seien im Vergleich zu den um Recht und Gesetz Bemühten nur einige wenige, „die sich da so ignorant und menschenverachtend verhalten, dies dafür aber umso lauter“. Es wachse die Gefahr, „dass auch unser Land und unsere Gesellschaft immer mehr gespalten wird und Brücken eher gesprengt als gebaut werden“.

Spaziergänger-Kritik: „Sogar im Grundgesetz verankert, dass Demokratie endet, wo blanker Egoismus beginnt“

In diesem Zusammenhang ging er erneut die AfD scharf an. Auch Erdinger Politiker haben sich bekanntlich an den „Spaziergängen“ beteiligt. Bedenklich sei es, „wenn das Feuer dieser und anderer Hetzkampagnen auch Politiker mitschüren, die eine Alternative für Deutschland sein wollen“. Auf eine solche „Alternative“ könne das Gros der Gesellschaft sicher verzichten.

„Sogar im Grundgesetz ist verankert, dass Demokratie dort endet, wo der blanke Egoismus beginnt.“ Hier schlug Garmaier die Brücke zur Religion: „Unsere christliche Grundhaltung bestätigt diese Anerkennung der Individualität mit all ihren Rechten und Pflichten.“

Corona-Impfung: „Auf mich überfällt immer mehr Angst vor Spaltung der Gesellschaft“

Die Zerrissenheit der Gesellschaft in der Impffrage treibt den Stadtpfarrer nicht minder um. „Auch mich überfällt immer mehr die Angst vor Spaltung der Gesellschaft, Aggression und einseitigen Vorwürfen. Der Feind ist nach wie vor das schreckliche Virus, alle sind aufgerufen, in Verantwortung sich selbst und anderen gegenüber zu handeln.“ Verbales aufeinander Einschlagen „erscheint mir ein hilfloser Ausdruck eigener Ohnmacht und Hilflosigkeit zu sein, nicht aber von persönlicher Stärke und Übernahme von Verantwortung“, so Garmaier.

In dieser brisanten Lage zitierte er den Propheten Jesaja: „Gott ist es, der Recht schafft zwischen den Nationen und sie dann nicht mehr das Schwert gegeneinander erheben und das Kriegshandwerk erlernen lässt.“ Auch 2022 dürfe man auf seine Zusage vertrauen und alle Hoffnungen in ihn setzen. „Wer ihn als den alle und alles liebenden Schöpfer sehen und erkennen kann, wird es nicht mehr nötig haben, zu meinen, er oder sie könne und müsse alles lösen.“

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