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Besonders hart getroffen vom Lockdown wurden Hotellerie und Gastronomie.

IHK zieht erste Bilanz und fordert, die Förderprogramme für die Wirtschaft zu verlängern

56 Millionen Euro Corona-Hilfen

  • Hans Moritz
    VonHans Moritz
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Die Pandemie hat auch der Wirtschaft im Landkreis Erding die größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg beschert. Viele Betriebe konnten sich nur dank staatlicher Hilfsprogramme über die Corona-Zeit retten.

Und schon jetzt steht für Experten fest, dass etliche auch künftig noch auf Zahlungen angewiesen sind. Hinzu kommt: Viele Gelder stehen noch aus.

Abgewickelt wurden die Hilfen über die Industrie- und Handelskammer (IHK). Die zieht jetzt für den Landkreis Erding eine erste Bilanz. Seit Juli 2020 haben Selbstständige, Betriebe und Einrichtungen Zuschüsse in Höhe von 56 Millionen Euro erhalten. Dies berichtete am Mittwoch IHK-Sprecher Florian Reil. Die Summe umfasst die Hilfsprogramme Überbrückungshilfe I bis III, Neustarthilfe, November- sowie Dezemberhilfe. Insgesamt wurden rund 2600 von Betrieben aus dem Landkreis gestellte Anträge bewilligt, so Reil.

Bislang gingen bayernweit rund 47 Prozent der Gelder an Antragsteller aus dem Gastgewerbe, also Hotels, Restaurants, Diskotheken, Bars und Catering-Unternehmen. Mit einem Anteil von rund zwölf Prozent folgt der Wirtschaftszweig Kunst, Unterhaltung und Erholung, zu dem unter anderem Museen, Theater, Konzertveranstalter, Freizeitparks und Fitnessstudios gehören. Weitere zwölf Prozent der Corona-Hilfen gingen an Betriebe aus dem Einzel- und Großhandel. Im Schnitt lag die Auszahlung im Falle eines erfolgreichen Antrags im Landkreis Erding bei rund 23 500 Euro.

Otto Heinz, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Flughafenregion, zieht eine gemischte Bilanz: „Die Summe unterstreicht die weitreichenden Folgen der Corona-Pandemie für große Teile der Wirtschaft. Die Hilfen decken dennoch nur einen Teil der pandemiebedingten Kosten und Verluste ab.“ Viele Unternehmern und Selbstständige, gerade in der Gastronomie, Kultur- und Eventbranche, seien durch die Schließungen in eine existenzielle Notlage geraten. Und: „Branchen wie die Veranstaltungswirtschaft, Tourismus und Gastronomie sowie ihre Dienstleister und Zulieferer sind nach wie vor von Schließungen und Einschränkungen betroffen und daher weiter auf Hilfen angewiesen“, stellt Heinz fest.

Daher begrüße er die Verlängerungen der Überbrückungshilfe III plus und der Neustarthilfe plus bis Ende September. Das reicht ihm aber nicht: „Hier ist der Bund jetzt gefordert, so schnell wie möglich die dafür notwendigen Antrags- und Bearbeitungsplattformen bereitzustellen, damit das Geld schnell ankommt und die andauernde Durststrecke dieser Unternehmen überbrückt.“

Insgesamt hat die IHK bayernweit 6,2 Milliarden Euro an Wirtschaftshilfen ausgezahlt. Dazu kommen 2,2 Milliarden Euro aus den von den Bezirksregierungen des Freistaats zu Beginn der Corona-Krise ausgezahlten Soforthilfen an Unternehmen und Selbstständige.

Auch wenn das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben wieder angelaufen ist, wirkt der monatelange Lockdown nach. Allein im Mai dieses Jahres gingen bei der Landshuter Justiz zehn Insolvenzanträge ein. Das teilte das Landesamt für Statistik am gestrigen Mittwoch mit. Im Mai vergangenen Jahres, drei Monate nach Beginn der Pandemie, waren es sechs Verfahrne gewesen. Das macht eine Steigerung von 66,7 Prozent aus. Die Forderungen belaufen sich auf rund 812 000 Euro. Die gute Nachricht: Bisher haben die Insolvenzen keine Arbeitsplätze gekostet.

Dafür ist die Zahl der Privatinsolvenzen bayernweit weiter rückläufig. Das Statistische Landesamt berichtet von 553 Verfahren im Mai. Im März und April waren es 914 beziehungsweise 557 gewesen. Landkreisdaten dazu liegen nicht vor.

ham

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