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Im Schutzanzug zum Patienten

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Von: Gabi Zierz

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Erinnerungen an verstorbene Patienten: Auf einem Tisch im Büro des PalliativTeams Erding im Bräuhausviertel haben die Sterbebilder und auch die Dankeskarten der Angehörigen einen Ehrenplatz.
Erinnerungen an verstorbene Patienten: Auf einem Tisch im Büro des PalliativTeams Erding im Bräuhausviertel haben die Sterbebilder und auch die Dankeskarten der Angehörigen einen Ehrenplatz. © Gabi Zierz

Das Palliativ Team Erding betreut immer mehr Covid-Kranke. Das ist für die Mitarbeiter sehr belastend. Das Leserhilfswerk Licht in die Herzen unterstützt diesen wichtigen Dienst an todkranken Mitmenschen.

Erding – Wer glaubt, schwer erkrankte Corona-Patienten werden nur im Krankenhaus behandelt, der irrt. Auch das Palliativ Team Erding (PTE) betreut Menschen im Landkreis, die an dem heimtückischen Lungenvirus erkrankt sind. Und es werden von Tag zu Tag mehr. „Jetzt geht’s richtig los“, sagt Dr. Elke Rockingham. Sie ist Ärztliche Leiterin des PTE, das schwerstkranke Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet, ihre Schmerzen lindert und die Angehörigen unterstützt.

Besonders in der Corona-Pandemie ist das eine große Herausforderung. Denn die Schwerkranken werden zuhause betreut – auf eigenen Wunsch, weil sie nicht mehr ins Krankenhaus wollen. Es sind Patienten, die an Corona erkrankt sind, und solche, die bereits wegen einer anderen Diagnose versorgt werden und zusätzlich an Corona erkranken. Aber auch daheim sind sie weitgehend isoliert. So sind die PTE-Fachkräfte – eingepackt in Schutzanzüge, mit Maske, Handschuhen und Gesichtsschild – die einzigen Besucher, die sie in ihren letzten Tagen noch zu Gesicht bekommen.

„Den Erstkontakt bei Patienten machen wir noch zu zweit. Wir schauen auch, was die Angehörigen zuhause leisten können“, beschreibt Rockingham das Vorgehen. Das Hilfsmaterial, das das PTE braucht, werde anschließend von draußen durchs offene Fenster hereingereicht. Neben dem hohen Materialaufwand und Personaleinsatz, den diese Situation erfordert, ist die psychische Belastung für die Palliativfachkräfte enorm – und das Ansteckungsrisiko hoch. Alle Mitarbeiter sind bereits dreimal geimpft, machen wöchentlich mehrere PCR- und Schnelltests. Die FFP2-Maske ist allgegenwärtig.

Vor allem eines macht den Palliativ-Kräften zu schaffen: „Es ist keine Nähe mehr möglich. Mimik, Gestik – alles ist weg“, sagt Steffen Ziener. Er ist pflegerischer Leiter und Co-Geschäftsführer des PTE und beschreibt es so: „Sie liegen im Sterben, und es kommt einer mit einem Astronautenanzug. Wie kämen Sie sich denn da vor?“

Dr. Elke Rockingham
ist Ärztliche Leiterin des PTE.
Dr. Elke Rockingham ist Ärztliche Leiterin des PTE. © privat

Es ist keine Zeit mehr, den Patienten kennen zu lernen und ihn auf die Situation vorzubereiten. „Wir müssen von Beginn an Tacheles reden. Das ist alternativlos, aber nicht das, was wir uns wünschen“, sagt Rockingham. Ziener ergänzt: „Wir sehen fast nur die extreme Seite einer Covid-Erkrankung. Das macht was mit uns.“

Zudem sei es schwierig, bei Corona-Patienten Prognosen zu stellen. Rockingham erzählt von einem Erkrankten, den sie mittags um 13 Uhr erstmals daheim besucht habe. Am nächsten Morgen ist er verstorben. Was das Palliativ Team in der kurzen Zeit tun kann, sind lindernde Maßnahmen mit Morphinen gegen die Atemnot und Beruhigungsmittel, die die Panik nehmen. Die Symptomatik sei sehr unterschiedlich, so Ziener. Wie Rockingham befürchtet er, dass die Lage in den kommenden Wochen noch dramatischer werden wird. „Alle Prognosen deuten darauf hin“, so Ziener. Er ist froh um seine Kolleginnen und Kollegen, die „in dieser Krise zusammenstehen“.

Zehn Palliativ-Fachkräfte, vier festangestellte Ärzte und fünf weitere Mediziner auf Honorarbasis stehen dem PTE, das es seit gut zehn Jahren im Landkreis gibt, mittlerweile zur Verfügung. Sie haben im vergangenen Jahr mehr als 500 Patienten betreut, die meisten zuhause, ein Drittel in Pflege- und Seniorenheimen. Heuer werden es ähnlich viele sein.

Wie hoch die Wertschätzung für das Team ist, davon zeugen Dankeskarten mit Sterbebildern, die im PTE-Büro auf einem kleinen Tisch aufgestellt sind. Die Hochachtung drückt sich auch in den Spenden aus, die das Palliativ Team von den Bürgern erhält – auch über das Leserhilfswerk „Licht in die Herzen“ der Heimatzeitung. „Das ist eine schöne Wertschätzung und macht unsere Arbeit einfacher, schneller und unbürokratischer“, freuen sich Ziener und Rockingham.

Aktuell benötigt das Palliativ Team Ultraschallgeräte. Damit können Patienten zuhause untersucht werden, um festzustellen, ob sie Wasser in der Lunge oder im Bauch haben. Ist dem so, wird der Patient punktiert und das Wasser abgelassen. „Das mildert den Leidensdruck in kürzester Zeit“, sagt Ziener. Und dem Patienten bleibt die Fahrt unter höchsten Schutzvorkehrungen zum Arzt oder in die Klinik erspart. Gut 5000 Euro kostet solch ein Gerät. Ein großer Brocken.

Die Spenden werden stets sachbezogen verwendet. Das kann auch mal die Übernahme der Medikamentenzuzahlung oder der Kosten für den Hausnotruf sein, wenn der Patient alleine zuhause lebt und sich das mit seiner kleinen Rente nicht leisten kann. Das alles soll weiter möglich sein.

Spenden an Licht in die Herzen

Das Leserhilfswerk des Erdinger/Dorfener Anzeiger unterstützt die Arbeit des Palliativ Teams Erding und damit Patienten aus dem Landkreis Erding. Spenden sind auf das Konto (Nummer 17 111) bei der Sparkasse Erding möglich. Kontoinhaber: Zeitungsverlag Oberbayern. IBAN: DE54 7005 1995 0000 0171 11. Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt. Dies vermerken Sie bitte mit Ihrer Adresse auf der Überweisung. Die Namen der Spender werden veröffentlicht. Wer dies nicht wünscht, vermerkt es bitte ebenfalls.

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