Daheim im Einsatz: Michael Streng entdeckelt eine Honigwabe. Bevor der Honig aus den Waben herausgeschleudert werden kann, muss der Wachsdeckel, den die Bienen angebracht haben, entfernt werden. Das Wachs kann übrigens wieder im Bienenstock verwendet, aber auch als Basis für Lippenbalsam verwendet werden.
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Daheim im Einsatz: Michael Streng entdeckelt eine Honigwabe. Bevor der Honig aus den Waben herausgeschleudert werden kann, muss der Wachsdeckel, den die Bienen angebracht haben, entfernt werden. Das Wachs kann übrigens wieder im Bienenstock verwendet, aber auch als Basis für Lippenbalsam verwendet werden.

Altersdurchschnitt der Bienenfreunde Erding bei weit unter 40 Jahren – Viele Online-Angebote

Imkern ist kein Rentner-Hobby

  • Gabi Zierz
    vonGabi Zierz
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Erding - Imkern liegt voll im Trend. Auch in Erding. Die Bienenfreunde Erding haben im dritten Vereinsjahr bereits 110 Mitglieder. Das jüngste ist neun Jahre alt.

Sie sind einer der jüngsten Vereine in der Stadt und erfreuen sich großer Beliebtheit: die Bienenfreunde Erding. Vor drei Jahren gegründet, zählen sie bereits 110 Mitglieder. Das zeigt: Imkern liegt voll im Trend. Das weiß auch Michael Streng. Vor gut zehn Jahren kam erdas erste Mal mit der Imkerei in Kontakt. Heute hat er sechs bis zehn Bienen-Völker auf dem Flachdach seines Hauses, ist Vorsitzender des Vereins und versucht, „die Begeisterung an die jungen Imkerinnen und Imker weiterzugeben, die mir damals von meinem Imker-Paten eingepflanzt wurde“.

„Ich war damals Zuhörer bei einer sehr interessanten Einführung in die Hobby-Imkerei und ging nach dem Vortrag auf den Imker zu und erzählte ihm, dass Bienenhaltung das Hobby sei, dem ich mich widmen wollte, wenn ich dann mal in Rente gehe“, erinnert sich Streng. Und bei seinem ersten Imker-Stammtischbesuch hätten ihn die Herren – die meisten um die 70 – angeschaut, als habe er sich im Lokal geirrt.

Heute schaut die Realität zumindest in Erding anders aus: Unter den Bienenfreunde seien deutlich mehr Frauen als Männer. Das Durchschnittsalter liege bei weit unter 40. Das jüngste Mitglied sei gerade einmal neun Jahr alt. „Das Interesse an Bienen und der Imkerei nimmt gerade bei jungen Menschen stetig zu“, weiß Streng. Nicht zuletzt das Volksbegehren „Rettet die Biene“ hatte einen spürbaren Anteil daran.

Mit der Zielgruppe ändern sich auch die Rahmenbedingungen. „Der Kontakt zu Gleichgesinnten findet eben heute über WhatsApp, Instagram und YouTube statt und nicht mehr nur über einen Imker-Stammtisch.“ Auch die Bienenfreunde haben sich in der Corona-Pandemie auf Online-Veranstaltungen verlegt. Mit großem Erfolg. So haben im Februar 70 Teilnehmer an der dreiteiligen Online-Schulung „Imkern für Anfänger“ mitgemacht. Sie wird deshalb im März – am 17., 24, und 31. – jeweils ab 19 Uhr nochmals angeboten.

Überhaupt können die Bienenfreunde in Erding feststellen, dass der Zwang, daheim zu bleiben und sich mit dem zu beschäftigen, was vor Ort möglich ist, der Imkerei durchaus Zulauf gebracht hat. „Offenbar liegt alles, was man selbst machen und damit verantworten kann, im Trend: Brot backen, Bier brauen. Marmelade einkochen und eben auch Honig selbst ernten“, sagt Streng. Der große Unterschied: „Als Imker übernimmt man die Verantwortung für Lebewesen, die gepflegt, gefüttert und gegen Krankheiten geschützt werden wollen und müssen.“ Ohne die Fürsorge des Imkers würden mehr als 90 Prozent der Bienenvölker den Winter durch die Belastung mit den vor rund 40 Jahren eingeschleppten Varroa-Milben und den daraus resultierenden Krankheiten nicht überleben, sagt Streng.

Wie’s damals vor zehn Jahren nach dem oben erwähnten Vortrag für Streng weiterging? Der Referent sah ihn entgeistert an und fragte, warum er denn erst nach der Verrentung Imker werden wolle. „Alle Einwände wie Beruf, drei Kinder oder zahlreiche andere Hobbys ließ er nicht gelten und rechnete mir vor: ,Pro Bienenvolk und Jahr brauchst du etwa zehn Stunden. Das schaffst du.‘“ Das hat Streng ermutigt. „Wenige Wochen später hatte ich meine erste Beute – das ist die Kiste, in der die Bienen leben – und der Referent schenkte mir mein erstes Bienenvolk.“ Und ganz wichtig: Er begleitete Streng mit Rat und Tat durch die ersten zwölf Monate seiner Imker-Karriere. „Ohne diese Hilfe wäre ich wahrscheinlich nicht dabei geblieben.“

Internet: Die Online-Schulung „Imkern für Anfänger“ der Bienenfreunde Erding findet am Mittwoch, 17., 24 und 31. März, jeweils ab 19 Uhr statt. Die Anmeldung ist im Internet über die Homepage www.imker-erding.com/veranstaltungen erforderlich. Danach gibt’s die Zugangsdaten. Kosten: 30 Euro für alle drei Abende, Vereinsmitglieder sind frei. An drei Abenden – jeweils 90 Minuten – werden die Teilnehmer in die Grundlagen der Imkerei eingeführt.

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