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Zapfen fürs Extra-Einkommen: Rund 6900 Landkreis-Bürger haben einen Nebenjob, die meisten in der Gastronomie. 

Gewerkschaft: „alarmierender Trend“ 

Immer mehr Erdinger haben zwei Jobs

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Erding - Im Speckgürtel von München ist das Leben teuer. Immer mehr Bürger im Landkreis Erding haben einen Zweitjob, um es sich leisten zu können. 

Rund 6900 Menschen im Landkreis Erding gehen neben dem Haupterwerb noch einem Mini-Job nach. Das sind 85 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mit. Die NGG Rosenheim-Oberbayern beruft sich dabei auf neueste Zahlen der Arbeitsagentur.

Besonders verbreitet sind Zweitjobs demnach im Gastgewerbe: 1200 geringfügig Beschäftigte arbeiten in der Branche im Kreis Erding, zusätzlich zu einer sozialversicherungspflichtigen Stelle. Gegenüber dem Jahr 2007 stieg ihre Zahl um 145 Prozent.

Georg Schneider, Geschäftsführer der NGG Rosenheim-Oberbayern, spricht von einem „alarmierenden Trend“. „Es kann nicht sein, dass immer mehr Menschen mit einem normalen Arbeitsverhältnis nicht über die Runden kommen.“ Auf den ersten Blick verzeichne der Arbeitsmarkt im Kreis Erding steigende Beschäftigungsquoten. Bei einer Arbeitslosenquote von nur 1,7 Prozent spricht man von Vollbeschäftigung. „Doch die hohe Zahl der Zweitjobber zeigt, dass nicht alles Gold ist, was auf dem Arbeitsmarkt glänzt“, so Schneider.

Mit Blick auf das Gastgewerbe kritisiert der Gewerkschafter, die Branche dürfe nicht zur bloßen Minijobber-Domäne werden. „In Hotels, Pensionen und Restaurants brauchen wir mehr gelernte Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte. Aushilfen können auf Dauer keine Fachkräfte ersetzen.“ Schon heute seien die Klagen über fehlende Köche und Oberkellner groß. Doch die gewinne man nur, indem man gute Löhne zahle.

Dringenden Handlungsbedarf sieht die NGG auch bei der Politik. „Wenn laut Arbeitsagentur im Kreis Erding mittlerweile gut jeder sechste sozialversicherungspflichtig Beschäftigte einen Nebenjob hat, dann ist hier etwas aus dem Ruder gelaufen“, kritisiert Schneider. Der gesetzliche Mindestlohn sei zwar ein erster wichtiger Schritt gewesen, um extreme Niedriglöhne abzuschaffen. Doch mit derzeit 8,84 Euro pro Stunde liege die Untergrenze zu niedrig, um davon allein als Vollzeit-Beschäftigter etwa eine bezahlbare Wohnung in der Stadt zu finden.

Schneider plädiert dafür, dass ausgehandelte Tarifverträge künftig in allen Betrieben einer Branche gelten sollen – unabhängig davon, ob der Chef in einem Arbeitgeberverband ist oder nicht. „Zugleich muss sich die nächste Bundesregierung dringend um die Rente kümmern. Ein Großteil der Menschen, die heute auf einen Zweitjob angewiesen sind, wird im Alter mit Armutsbezügen leben müssen. Hier brauchen wir eine Haltelinie nach unten“, sagt Schneider.

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