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Einen Stapel Pakete hat Max Maier täglich auf seiner Sackkarre. 

Online-Shopping boomt 

Es werden immer mehr Pakete: Ein Erdinger Postbote erzählt, wie sein Job wirklich ist

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Max Maier (61) kann sich das Fitnessstudio eigentlich sparen. An einem Arbeitstag trägt er bis zu 200 Pakete aus – und es werden immer mehr.

Erding – Max Maier schiebt seine Sackkarre mit mehreren Paketen übereinander am Gasthaus zur Post vorbei: „Hast du heute mein Paket dabei?“, fragt ihn eine junge Frau mit blonden Locken und Streifenrock. „Na, leider ned“, sagt Maier und lacht. Der 61-Jährige hat graues Haar, trägt schwarze Hose und T-Shirt mit Postemblem und braune Sandalen mit Socken. Sie macht einen Schmollmund: „Aber Zalando bringst doch immer du.“ Heute nicht. 

Max Maier aus Walpertskirchen erlebt den Boom des Online-Shoppings jeden Tag. „Normalerweise fahre ich 200 bis 230 Pakete pro Tag aus.“ Als er vor 23 Jahren mit den Paketen anfing, waren es 140 am Tag.

Überstunden an Weihnachten: „Die schenk ich der Post!“

Der Stauraum in seinem Transporter ist voll: mit Paketen von Amazon, Canon, Lidl, Kärcher, Zero, Designstores, Harley Davidson. Er karrt sie ins nächste Hinterhaus. Mit dem Fahrstuhl geht’s in den zweiten Stock: „Das macht dann 92,10 Euro Zoll“, sagt Maier und übergibt Thomas Sehnert das Paket mit Biker-Shirts. „Normalerweise weiß ich nicht, was da drin ist“, sagt der Paketfahrer: „Das interessiert mich auch nicht.“ Sehnerts Frau Julia hat die T-Shirts aus den USA einfliegen lassen, um sie weiterzuverkaufen. Sehnert sagt: „Ich hoffe, dass Trumps Strafzölle nicht kommen.“

Und weiter geht’s: „Griaß de, Max!“ „Servus“, ruft Maier an der Friedrich-Fischer-Straße. So geht es, wenn der Packerlfahrer mit dem schüchternen Lächeln vor der Tür steht. An seinem Job liebt er den Kontakt mit Kunden: „Man kennt sich einfach, und manchmal erzählen sie einem auch ihre Sorgen“, sagt er. Aber Zeit hat er kaum. Er steht unter Druck. Normalerweise arbeitet er von 7 bis etwa 16 Uhr. „An Weihnachten schon mal bis 17.30 Uhr.“ Das sind Überstunden, aber: „Die schenk ich der Post.“

Er klingelt an einem Mehrfamilienhaus: „D’Post. A Packe“, sagt er durch die Gegensprechanlage. Die Empfänger kennt er natürlich: „Die sind immer zwei bis drei Monate in Gran Canaria, jetzt sind sie wieder da“, sagt er. Oder eben doch nicht. Denn das Paket nimmt die Nachbarin an – wie so oft. Der Rentner in der nächsten Wohnung sagt: „Ich nehme öfter was für meine Nachbarn an.“ Seinen Namen will er nicht verraten und lacht: „Sonst spricht sich das hier herum und ich muss nur noch Pakete annehmen.“

Einen Espresso für „da Maxe“

Und was passiert mit Paketen, die keiner annimmt? „Die nehm ich wieder mit.“ Probleme hätten eher seine ausländischen Kollegen: „Die können eine handgeschriebene Adresse oft nicht lesen, finden das Haus nicht und nehmen die Sendung gleich wieder mit. Das ärgert mich“, sagt er: „Weil sich die Leute bei mir dann beschweren.“ Denn Maier arbeitet nur jede zweite Woche, er ist bereits in Altersteilzeit. Langweilig wird’s ihm trotzdem nicht – dafür sorgen auch seine drei Kinder: „In letzter Zeit hab’ ich denen beim Hausbauen geholfen“, außerdem sind zwei Enkel auf dem Weg.

Jetzt kommt der schönste Termin: „I gfrei mi immer, wenn da Maxe kimmt“, sagt Ria Reiner (67), Verkäuferin in der Friedrich-Fischer-Straße. In ihrem Dekoladen stellt sie ihm einen Espresso und eine Schokopraline auf den Tisch. Das sind die schönen Momente für Maier. Er arbeitet seit 44 Jahren bei der Post, erst lieferte er nur Briefe aus, später entschied er sich für die Pakete, denn: „Einen Brief wirft man einfach nur ein, aber mit den Paketen trifft man die Leute ja no.“

Nach dem Espresso und einem kurzem Ratsch schleppt er das 26 Kilogramm schwere Paket auf der rechten Schulter in den dritten Stock, einen Aufzug gibt es in dem Geschäftshaus an der Kirchgasse nicht. Was drin ist, erfährt er erst an der Tür: Eine Papierrolle für den Großformatdrucker – bestellt im Internet.

Früher hat Maier in Walpertskirchen Fußball gespielt, ist bei den Stockschützen und geht sogar ab und zu ins Fitnessstudio – mit diesem Job könnte er sich das sparen.

Schwarze Schafe gibt es leider überall: Ein DHL-Bote befüllt eine Packstation - seine Vorgehensweise macht wirklich sprachlos.

Die Deutsche Post macht die Entfristung von Arbeitsverträgen von den Krankheitstagen eines Mitarbeiters abhängig. Das sei „menschenverachtend“ heißt es aus der Politik. 

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