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Schulamtsdirektorin im Interview

Überraschender Trend bei der Einschulung: Immer mehr zurückgestellte Erstklässler

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Rund 1300 Mächen und Buben werden heuer im Landkreis Erding eingeschult. Etwa 250 müssen noch warten. 

Erding – Laut Daten des Bayerischen Landesamts für Statistik ist die Zahl der Zurückstellungen in den vergangenen Jahren stetig angestiegen: Wurden bayernweit im Schuljahr 2004/05 noch gut 4400 Kinder (3,6 Prozent) zurückgestellt, waren es 2016 schon mehr als 15 000 (13,5 Prozent). Wir sprachen mit der Schulamtsdirektorin über dieses Thema.

-Werden mehr Mädchen oder mehr Buben zurückgestellt?

Marion Bauer:Zum kommenden Schuljahr wurden insgesamt mehr Buben zurückgestellt. Wir haben aber auch Schulen, an denen mehr Mädchen zurückgestellt wurden oder der Anteil von Buben und Mädchen in etwa gleich ist.

-Wie haben sich diese Zahlen in den vergangenen Jahren entwickelt?

Bauer: Nachdem die Anzahl der Erstklässler im vergangenen Jahr gefallen war, haben wir zum kommenden Schuljahr wieder einen Anstieg der Schulanfänger um etwa zehn Prozent zu verzeichnen.

-Wer entscheidet über die Zurückstellung?

Bauer:Die Entscheidung über die Aufnahme trifft die Schulleitung. Sie kann dazu die Teilnahme an einem Verfahren zur Feststellung der Schulfähigkeit verlangen und stützt sich dabei auch auf die Aussagen des Kindergartens. In Zweifelsfällen können Schulpsychologe, Beratungslehrer und weitere Beratungsdienste beteiligt werden. Auch ein ärztliches Attest kann herangezogen werden, die Schulleitung muss dieser Empfehlung jedoch nicht folgen. Das Jahr der Zurückstellung wird nicht auf die Dauer der Schulpflicht angerechnet.

„Zurückstellung im Zusammenhang sehen“

-Was sind Kriterien für eine Zurückstellung?

Bauer:Schulfähigkeit besteht, wenn ein Kind körperlich, geistig-seelisch und sozial so weit entwickelt ist, dass es voraussichtlich mit Erfolg am Unterricht teilnehmen kann. Grund für eine Zurückstellung kann zum Beispiel ein Entwicklungsrückstand sein, bei dem zu erwarten ist, dass ein weiteres Jahr ausreicht, um die Entwicklungsverzögerung aufzuholen. Insgesamt sollte eine Zurückstellung deshalb immer im Zusammenhang mit einem Förderkonzept gesehen werden. Neben der Schulfähigkeit spielen auch die notwendigen Kenntnisse in der Bildungssprache Deutsch eine Rolle bei der Einschulung. Hierzu wird der Vorkurs Deutsch als Kooperationsmodell zwischen Grundschule und Kindergarten ab der zweiten Hälfte des vorletzten Kindergartenjahres angeboten.

-Was sind Gründe, warum Eltern eine Zurückstellung wünschen?

Bauer:Die Gründe, die genannt werden, sind vielfältig. Beispielsweise besteht bei den Eltern der Eindruck, dass das Kind noch zu verspielt sei, oder es werden familiäre Probleme angeführt. Auch Argumente wie „Mein Kind möchte noch nicht in die Schule, weil die Freundin/der Freund auch noch im Kindergarten ist“ werden genannt.

-Wie geht man mit Eltern um, die eine Zurückstellung wünschen, diesem Wunsch aber nicht nachgekommen wird?

Bauer:Die Eltern werden auf Grundlage des Schuleingangstests, der Einschätzung weiterer auch außerschulischer Fachkräfte sowie gegebenenfalls unter Einbezug vorliegender Gutachten beraten, welcher der beste Weg zur Förderung ihres Kindes ist. Einen Anspruch auf Zurückstellung haben die Eltern jedoch nicht.

Zusätzliches Jahr zur Förderung

-Wie geht man mit Eltern um, die ihr Kind unbedingt eingeschult haben wollen, die Schulleitung sich aber für eine Zurückstellung entscheidet?

Bauer:Auch hier spielt die Beratung der Eltern eine zentrale Rolle. Die Schulleitungen nehmen sich viel Zeit, um ihre Entscheidung zu erläutern und weitere Förderwege aufzuzeigen. Sollten die Eltern dennoch nicht mit der Zurückstellung einverstanden kann, kann Widerspruch eingelegt werden. Das Staatliche Schulamt prüft diesen und entscheidet aufgrund der Sachlage.

-Was passiert mit den zurückgestellten Kindern?

Bauer:Es ist wichtig, dass das Jahr der Zurückstellung für eine optimale Förderung genutzt wird, damit die weitere Schullaufbahn problemlos durchlaufen werden kann. Hierzu gibt es je nach Region spezielle Schulkindergärten. Sinnvoll kann auch der Besuch einer schulvorbereitenden Einrichtung (SVE) sein. Daneben muss geprüft werden, ob zusätzliche Unterstützung etwa durch Ergotherapeuten und Logopäden helfen kann, die Entwicklung voran zu treiben.

Das Gespräch führte Vroni Macht.

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