Bunte Hausfassaden an der Langen Zeile in Erding.
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Bunte Häuser, aber eintöniger Branchenmix? Die Immobilienhändler tun sich in Corona-Zeiten schwer, Ladenflächen zu vermieten. Kleinere Einheiten laufen besser, nur die Filialisten suchen größere Geschäfte. Sie gelten als besonders zuverlässige Mieter.

Preise steigen: Pandemie kann Wohnungsmarkt nichts anhaben – Flaute bei Gewerbeflächen

Landkreis Erding: Immune Immobilien

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Erding - Dem Immobilienmarkt im Landkreis Erding kann auch Corona nichts anhaben. Die Preise bleiben laut einer aktuellen Analyse hoch.

Während sich weite Teile der Wirtschaft im Würgegriff der Pandemie befinden, ist der Immobilienmarkt im Landkreis Erding auch ohne Impfung gegen das Corona-Virus immun. Dem Lockdown ist es nicht gelungen, den schon überhitzten Markt unter Druck zu setzen. Im Gegenteil: Die Preise werden weiter steigen. Davon gehen Karl Kainz und Maximilian Hofer vom Erdinger Immobilienbüro Kainz aus, die für den Branchenverband IVD den Markt beobachten. In die Preisanalyse wurden nur tatsächlich getätigte Käufe und keine nur aufgerufenen Preise mit einbezogen.

„Bislang konnte Corona dem Markt nichts anhaben“, berichtet Kainz: „Von Einbruch keine Spur, eher von Steigerungen.“ Und die haben seiner Meinung nach mit dem Virus zu tun: „Die Leute zieht es aufs Land. Dessen Vorzüge haben sie im Lockdown schätzen gelernt“, so der Immobilienunternehmer. Auch sein Kompagnon Hofer sieht keine Entlastung: „Viele haben das Homeoffice für sich entdeckt und wollen es auch künftig nutzen. Da spielt ein – längerer – Arbeitsweg keine Rolle.“

Kainz hat die Beobachtung gemacht, „dass verstärkt Häuser mit Garten oder Wohnungen mit Balkonen nachgefragt werden“. Sei das nicht vorhanden, „sind Immobilien deutlich schwerer zu verkaufen“. Hinzu komme, dass Erding trotz härtester Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg nach wie vor das „gelobte Land“ mit einer halbwegs stabilen Wirtschaft und einer guten Infrastruktur sei.

Beobachten den Markt im Auftrag des IVD: die Immobilien-Experten Karl Kainz (l.) und Maximilian Hofer aus Erding.

Weil die großen Neubaugebiete, etwa der Thermengarten oder der Poststadl in Erding, noch im Bau sind, gebe es nur ein sehr kleines Angebot an Neubauwohnungen. Und selbst wenn die fertig sind, glauben Hofer und Kainz nicht an ein Sinken der Preise durch ein größeres Angebot. „Der Grund ist teuer und nicht vermehrbar“, so Kainz. Hinzu komme, dass Immobilien immer öfter Geldanlagen seien – und die Investoren wollten ihre Rendite.

Also keinerlei Aussicht auf bezahlbaren Wohnraum? Kainz und Hofer stimmen zu, „dass Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften dabei eine größere Rolle spielen werden“. Aber das sei auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Und Modelle wie SoBoN, bei denen Investoren einen Teil Sozialwohnungen bauen müssen, führen für Kainz eher dazu, „dass die frei verkäuflichen Einheiten noch teurer werden“. Das vom Landkreis angestrebte Mietkaufmodell bezeichnen die Makler als „interessant, wenn es denn funktioniert“. Es sei selbst für Normalverdiener eine der wenigen Möglichkeiten, zu Wohneigentum zu kommen. Der Rat von Kainz und Hofer: „Gemeinden müssen Baugrund auf Erbpachtbasis günstig anbieten.“

Der Markt sei so überhitzt, dass Makler ihre Kunden davon abhalten müssten, mehr als 40 Prozent ihres Haushaltseinkommens ins Wohnen zu stecken. Auf der anderen Seite hat Kainz auch schon Verkaufsangebote abgelehnt – „wenn sie nicht mehr darstellbar überteuert sind“. Da trage seine Branche auch „ein Stück weit Verantwortung“.

Weit weniger dynamisch, wenn nicht sogar leicht rückläufig, verhält sich der Markt der Gewerbeimmobilien. Hofer berichtet, dass der Quadratmeter Bürofläche derzeit zwischen 12,30 und 15 Euro koste. „Die Nachfrage ist wegen Krise und Homeoffice allerdings abwartend.“

Bei Läden hänge die Miete stark von der Lage ab. Bis zu 25,30 Euro pro Quadratmeter sind drin. Das Spektrum reicht bis 11,60 Euro (Bezugsgröße 60 Quadratmeter). Größere Läden (etwa 150 Quadratmeter) erzielen zwischen 12,50 und 22 Euro. „Der Trend geht derzeit zu kleineren Flächen“, so Hofer. Größere Läden seien vor allem für Filialisten attraktiv. Kainz stimmt zu, dass die immer mehr das Bild der Innenstädte prägten: „Sie gelten als besonders zuverlässige Mieter.“ Auch die Forderung, die Eigentümer sollten sich zugunsten bunter Stadtkerne preislich zurückhalten, kennt er, weiß aber: „Bei der Nachfrage ist nicht die Vielfalt vorhanden, die man sich wünscht.“

Die Preise im Landkreis Erding in der Übersicht:

Mietwohnungen aus der Zeit vor 1960 kosten je nach Wohnwert zwischen 11,40 und 14,30 Euro pro Quadratmeter, aus der Zeit danach 11,10 bis 14,90 Euro. Neugebaute Mietwohnungen erzielen zwischen 14,20 und 17,20 Euro/Quadratmeter.

Die Mieten für Reihenhäuser bewegen sich zwischen 1470 und 1750 (Bestand) beziehungsweise 1840 bis 2050 Euro (Neubau), die für Doppelhaushälften zwischen 1680 und 1940 (Bestand) sowie zwischen 2000 und 2100 Euro (Neubau).

Der Quadratmeter voll erschlossener Baugrund für Einfamilienhäuser ist für 1550 bis 1800 Euro/Quadratmeter zu haben; für Mehrfamilienhäuser bewegt sich die Spanne zwischen 1420 und 2100 Euro/Quadratmeter.

Einfamilienhäuser erzielen zwischen 850 000 und 1,65 Millionen Euro. Bei Reihenhäusern sind es zwischen 620 000 und 720 000 (Bestand) und 750 000 bis 795 000 Euro (Neubau). Die Durchschnittspreise für Doppelhaushälften bewegen sich im Bestand zwischen 703 000 und 870 000 sowie bei Neubauten zwischen 910 000 und 970 000 Euro.

Der Quadratmeter Etagenwohnung kostet zwischen 4700 und 5800 (Bestand) sowie zwischen 6200 und 7500 Euro (Neubau).

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