Die zweite Spritze: Im Betreuungszentrum St. Wolfgang hat Bewohner Walter Rauch  am Freitag seine zweite Impfdosis bekommen – kein Problem für ihn, nachdem er beim ersten Mal keine Nebenwirkungen spürte. BRK-Rettungssanitäter Tommy Horn setzte die Spritze, unterstützt von Wohnbereichsleiterin Valentina Delic.
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Die zweite Spritze: Im Betreuungszentrum St. Wolfgang hat Bewohner Walter Rauch am Freitag seine zweite Impfdosis bekommen – kein Problem für ihn, nachdem er beim ersten Mal keine Nebenwirkungen spürte. BRK-Rettungssanitäter Tommy Horn setzte die Spritze, unterstützt von Wohnbereichsleiterin Valentina Delic.

Corona-Situation in den Pflegeeinrichtungen

Impfungen in Heimen im Landkreis Erding bis Mitte März abgeschlossen

  • vonTimo Aichele
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Bisher wurden in Pflegeeinrichtungen im Landkreis Erding 1443 Impfdosen verabreicht. Dieses wichtige Projekt wird laut Landratsamt Mitte März abgeschlossen sein. Etwa die Hälfte der Heime ist bisher von Ausbrüchen verschont geblieben.

Landkreis – Das mobile Impfteam des BRK Erding hat in Pflegeheimen bisher 1443 Impfungen gegen das Corona-Virus durchgeführt. Noch ein Monat, dann ist diese Aufgabe nach Angaben des Landratsamtes erledigt. „Man geht davon aus, dass die Impfungen in den Heimen bei gleich bleibenden Impfstofflieferungen Mitte März abgeschlossen sind“, erklärt Behördensprecherin Claudia Fiebrandt-Kirmeyer auf Nachfrage unserer Zeitung. Bisher sei in Seniorenzentren geimpft worden, teilt Fiebrandt-Kirmeyer mit, „ab kommender Woche wird das Impfteam erste Behinderteneinrichtungen besuchen“. Beim Infektionsgeschehen in den Heimen kann allerdings noch nicht Entwarnung gegeben werden.

Laut Landratsamt haben sich in den Pflegeeinrichtungen im Landkreis seit den ersten Ausbrüchen im November insgesamt 405 Bewohner mit dem Virus infiziert, 63 davon sind verstorben. So kommen die jeweils drei Corona-Toten der vergangenen beiden Tage auch aus Heimen. Bei insgesamt 252 Mitarbeitern wurde eine Corona-Infektion festgestellt. „Etwa die Hälfte der Einrichtungen blieb bisher von einem Ausbruch verschont oder hatte nur Einzelfälle zu verzeichnen, die nicht zu vermehrten Ansteckungen geführt haben“, so Fiebrandt-Kirmeyer.

Gute Nachrichten kommen aus dem Heiliggeist-Stift. Dort wird ab dem heutigen Samstag das Besuchsverbot für die „grünen Bereiche“, also Stationen ohne Covid-Fälle, aufgehoben. Diese Entscheidung habe das Gesundheitsministerium aufgrund deutlich gesunkener Fallzahlen gefällt, so das Landratsamt. Das von der Stadt Erding verwaltete Heim hatte es kurz vor Weihnachten hart getroffen. Rund 80 Bewohner wurden infiziert, zwölf von ihnen verstarben (wir berichteten). Hier sei schon seit zwei Wochen Entspannung festzustellen, erklärt Stadtsprecher Christian Wanninger auf Nachfrage. Aktuell seien drei Bewohner und kein Mitarbeiter Corona-positiv.

Erwischt hatte es auch das Wohn- und Pflegeheim der Barmherzigen Brüder in Algasing: Infektionen bei rund 60 Mitarbeitern und 70 der 270 Bewohner. Vier der Betreuten starben an oder mit Covid-19. Das Infektionsgeschehen begann Mitte November, und ist seitdem abgeflaut. Zu Weihnachten hatte Geschäftsführer Ary Witte-Kriegner unserer Zeitung von 50 infizierten Mitarbeitern und 60 Bewohnern berichtet. Das Landratsamt bestätigt diese Zahlen. „Wir haben unseren Ausbruch sehr gut eingefangen“, sagt Witte-Kriegner nun. Das sei dringend nötig, die psychische Belastung hoch: „Die Mitarbeiter sind am Limit.“

Ab Mitte Februar werde in Algasing geimpft. Die des Ethikrats, zumindest Geimpften in Heimen mehr Freiheiten einzuräumen, begrüßt der Geschäftsführer: „Das wäre für alle befreiend. Jetzt müssen wir durchhalten, bis es so weit ist.“

Björn Michael ist da nicht ganz so optimistisch. Der Geschäftsführer von Aloisium Pflegemanagement sieht hier große Probleme bei der praktischen Umsetzung. Nicht alle Bewohner oder Mitarbeiter würden sich impfen lassen. „Die, die infiziert waren, durften nicht geimpft werden. Man weiß aber nicht, wie lange diese Bewohner durch antikörper vor einer neuen Infektion geschützt werden“, so Michael.

„Die Situation ist angespannt“, erklärt Michael. In allen drei Heimen gab es Ausbrüche. In Hohenpolding und Schröding seien sie überwunden, in Moosen nicht. Reagiert wird mit Quarantäne, angepassten Hygienekonzepten, täglichen Schnelltests und PCR-Reihentestungen. „Mitarbeiterausfälle kompensieren wir durch veränderte Schichtmodelle“, berichtet der Geschäftsführer.

Sein Kollege im Betreuungszentrum St. Wolfgang hatte solche Sorgen noch nicht. Zum Glück habe es dort keine infizierten Bewohner gegeben, teilt Arno Seidel mit. Aktuell habe man aber eine Quarantäne-Station eingerichtet, weil ein Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet worden sei.

Zugleich sind in Wernhardsberg die Impfungen abgeschlossen. Das mobile Impfteam des BRK hatte am Freitag den letzten von sechs Einsätzen dort. 90 Prozent der Bewohner und 70 Prozent der Mitarbeiter hätten sich impfen lassen, erzählt Seidel. „Das freut mich total.“

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