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Ausgrabungsort Kiesgrube: Die Funde aus der Römerzeit nahe Eichenkofen stellten gestern Grabungsleiter Ulrich Schlitzer (r.), Stadtheimatpfleger Wilhelm Wagner und Museumsleiter Harald Krause (2./3. v. l.) vor. Beeindruckt war unter anderem Zweiter Bürgermeister Ludwig Kirmaier (2. v. r.).

In einer Kiesgrube bei Eichenkofen stoßen Archäologen auf Fundamente aus der Römerzeit

Erdings antike Therme

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Die Reihe spektakulärer archäologischer Funde in Erding geht weiter. Nachdem vor zwei Jahren der Königshof aus der Zeit Karls des Großen in Altenerding freigelegt worden war, sind nun gut 1800 Jahre alte Spuren aus der Römerzeit aufgetaucht. Bei Eichenkofen stand eine römische Anlage, eine Villa Rustica. Und zu der könnte ein Badehaus gehört haben, eine antike Therme.

Erding/Eichenkofen – Die Therme ist Erdings Markenzeichen – freilich erst seit 1999, der Geburtsstunde der heute weltweit größten Wellnessanlage. Doch schon in der Antike hatten es die Menschen gerne warm und wohlig. Was das Team um Grabungsleiter Ulrich Schlitzer von der Firma Planateam Archäologie aus München in den vergangenen Tagen in einer Kiesgrube von Sepp Kaiser entdeckt hat, geht in die Richtung einer 1700 bis 1800 Jahre alten Thermalanlage. Spaßeshalber ist schon von der Kaiser-Therme die Rede.

Dafür gibt es einige Indizien, die gestern Schlitzer, Stadtheimatpfleger Wilhelm Wagner und Museumsleiter Harald Krause vorstellten. Auf einer Fläche von gerade einmal 15 Metern Breite konnten nur 10 bis 20 Zentimeter unter der Oberfläche neben einigen Pfostenstellungen und Abfallgruben die Grundrisse von mindestens zwei Steingebäuden festgestellt werden – mit einem Fundament aus Tuffsteinen. Sie haben den intensiven Ackerbau überlebt.

Sie waren mit antikem Bauschutt verfüllt, also Tuffsteinbrocken, Ziegelbruch und Kies. „Sowohl die Ziegel als auch die Keramik verweisen auf die römische Kaiserzeit“, erläuterte Krause. Die Gebäude standen eng beieinander. Das habe eine Drohnen-Befliegung ergeben. Zudem, so Schlitzer, gebe es Hinweise, dass unter der Bodenplatte auf Ton-Säulen Hohlräume angelegt waren. Durch sie könnte heiße Luft geleitet worden sein. Auch Teile einer Apsis, einer halbrunden Mauerung, wurden entdeckt – möglicherweise der Bereich, in dem die Luft erhitzt wurde.

Martin Pietsch, der früher beim Landesamt für Denkmalpflege gearbeitet hat, erklärte: „Reste eines Estrichs sprechen ebenfalls für ein Badehaus.“ Allerdings lägen die Grundrisse nicht direkt nebeneinander. Das nährt die These, dass es eventuell doch „nur“ Nebengebäude einer Villa Rustica waren, einer römischen Bauernhofanlage. Zu der gehört auch ein Brunnen, der noch ausgegraben werden soll.

Dass der Boden in Eichenkofen historisch ist, ist seit gut zehn Jahren bekannt. Immer wieder wurden an der Oberfläche entsprechende Gegenstände entdeckt, so genannte Lesefunde.

Die jüngsten Entdeckungen sind für Krause aber auch aus einem anderen Grund geschichtsträchtig. „Das erste Mal seit über 100 Jahren sind im Stadtgebiet römische Mauerreste gefunden worden, zuletzt 1912 auf dem Gelände des heutigen Fliegerhorsts.“ Damals waren Archäologen zudem auf einen umfangreichen Münzschatz gestoßen, der aus der Zeit um 233 nach Christus stammen und zum Schutz vor den einfallenden Alemannen vergraben worden sein dürfte.

Die Eichenkofener Villa Rustica liegt an der Römerstraße. Sie verläuft parallel zur Straße nach Berglern/Langenpreising sowie östlich der heutigen Alten Römerstraße durch Langengeisling. In südlicher Richtung ist sie neben der B 388 zu verorten. Über Pretzen führt sie weiter in Richtung Hohenlinden.

„An dieser Route wurde vor über 70 Jahren letztmals ein römisches Landgut aufgespürt, in einer Kiesgrube in Steingrub bei Langenpreising“, berichtete Krause. Eine weitere Villa aus dieser Ära dürfte bei Finsing liegen. In den 1990er Jahren wurde sie durch Luftbildarchäologie entdeckt. Ausgegraben ist sie aber noch nicht.

Die Römer waren übrigens nicht die ersten, die sich im Bereich des heutigen Eichenkofens niedergelassen haben. Reste von Holzpfosten lassen auf die Bronzezeit schließen. Wenn die Archäologen hier in ein paar Tagen fertig und die Funde gesichert sind, geht der Kiesabbau regulär weiter.

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