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Voller Tatendrang: Vitus Pirschlinger aus Indorf hat sich zu Jahresbeginn mit einem Landschaftsbau-Betrieb selbstständig gemacht – trotz Corona-Krise. Mittelfristig will der 24-Jährige 20 Arbeitsplätze schaffen. 

In der größten Krise seit dem Krieg gründet Vitus Pirschlinger (24) einen Landschaftsbaubetrieb

Der Deutsche Meister packt an

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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In Zeiten, in denen viele Betriebe wegen des monatelangen Lockdowns ums Überleben kämpfen und die Zahl der Insolvenzen steigt, ist Vitus Pirschlinger einen mutigen Weg gegangen:

Indorf – Zu Jahresbeginn, mitten in der größten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg, hat der Meister im Landschaftsbau ein eigenes Unternehmen gegründet. Rund eine halbe Million Euro hat der 24-Jährige investiert, langfristig will er 20 Mitarbeiter beschäftigen. Warum er sich das antut, hat wohl auch mit seiner beispiellosen Karriere zu tun.

Zwischen 100 und 200 Gewerbe werden jeden Monat im Landkreis angemeldet, teilt das Landratsamt mit. Im ersten Corona-Jahr waren es sogar mehr An- als Abmeldungen. Längst nicht alle sind so kapitalintensiv wie das von Vitus Pirschlinger. Drei Bagger, zwei Radlader und jede Menge Arbeitsgerät stehen auf dem Hof in Indorf. Am liebsten würde er in dem Ortsteil im Südosten der Herzogstadt einen Betriebshof bauen. Das Unternehmen zieht er mit vier jungen, motivierten Mitarbeitern auf, darunter sind zwei weitere Meister, ein Facharbeiter und eine Teilzeitkraft. Im Herbst will er den ersten Lehrling einstellen.

Der Garten- und Landschaftsbau war Pirschlinger quasi in die Wiege gelegt. „Mein Firmpate ist im Landschaftsbau, da habe ich schon als Bub immer geholfen“, erzählt der Indorfer. „Ich habe mir gar keine anderen Berufe angeschaut, weil ich wusste, was ich machen will.“

Nach der Mittleren Reife 2013 an der Herzog-Tassilo-Realschule in Erding absolvierte Pirschlinger bis 2016 eine Lehre zum Landschaftsgärtner beim Freisinger Traditionsunternehmen Gaissmaier. Von 2018 bis vergangenes Jahr besuchte er die Staatliche Meister- und Technikerschule in Veitshöchheim.

Pirschlinger ist ein Ausnahmetalent. Innerhalb von drei Jahren gewann er ein halbes Dutzend Berufswettkämpfe. Er gehört zu den Besten seines Faches in ganz Deutschland. Der Höhepunkt war, als er 2017 an den Weltmeisterschaften der Landschaftsgärtner in Abu Dhabi teilnahm, und dort von 24 Teilnehmern den sechsten Platz belegte.

Damit es mit der eigenen Existenz auch wirklich klappt, gründete sein Vater Felix bereits 2015 für den Sohn die Firma Pirschlinger Garten- und Landschaftsbau. Dort war der Sohn bereits seit seinem zweiten Lehrjahr damit beschäftigt, eigene Bauvorhaben abzuwickeln. „In dieser Zeit habe ich etwa 150 Projekte mit Bausummen zwischen 500 und 150 000 Euro gestemmt“, erzählt er stolz. Seit 1. Januar ist Vitus selbst der Chef, Papa Felix nennt sich mit einem Schmunzeln „Austragler“. Er betreibt eine Versicherungsagentur an der Haager Straße in Erding.

Vielleicht war der Start im Lockdown gar nicht so verkehrt. Zum einen ist die Baubranche von den Einbrüchen so gut wie nicht betroffen. Zum anderen „sind viele Menschen daheim und wollen sich nun einen schönen Garten anlegen“, berichtet Pirschlinger junior. Allerdings ist er klug und vorsichtig genug, um zu wissen: „Unsere Branche könnte es zeitverzögert doch noch treffen.“ Und ihm ist auch klar: „Gemeinden und Landkreise werden sich wegen wegbrechender Steuereinnahmen mit Investitionen zurückhalten.“ Pirschlinger plant und gestaltet Gärten und Grünanlagen, legt Wege, Plätze, Mauern, Treppen, Rasen, Bepflanzung sowie Zäune an. Auch um Pflege und Unterhalt kümmert sich der Jungunternehmer.

Privat ist er nicht ganz so forsch. Mit seiner Freundin ist er bereits so lange liiert, aber nicht verheiratet, „dass mir meine Spezln schon einen Hungerbaum im Garten aufgestellt haben“, erzählt er lachend. Ausgleich findet der Jungunternehmer auch im Vereinsleben. Bei der Jungbauernschaft Altenerding sitzt der 24-Jährige im Vorstand.

Infos unter www.pirschlinger.de.

ham

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