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Sicherheitstrainer Wolfgang Friedrich (M.) im Gespräch mit Fahrschülerin Daniela Kuhl. Rechts im Hintergrund ihr Mann Mario, selbst Biker aus Taufkirchen

Zu Besuch beim individuellen Motorrad-Training 

Als Wiederaufsteiger sicher durch die Saison

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Wer längere Zeit nicht Motorrad gefahren ist oder ein neues, noch ungewohntes Bike hat, kann sich bei einem individuellen Fahrertraining von Profis wichtige Tipps für seinen persönlichen Fahrstil geben lassen.

Landkreis– Motorradfahren ist die viel beschworene Freiheit auf zwei Rädern. Seit den ersten schönen Tagen sieht man die Biker mit ihren Maschinen wieder vermehrt durch die Lande brausen. Neben Fahrern, die ihr Motorrad aus dem Effeff beherrschen, kommen Neueinsteiger mit frischem Führerschein dazu. Und auch die Biker, die – wegen Beruf oder Familie – seit vielen Jahren nicht mehr gefahren sind. Das sind die Wiedereinsteiger, oder besser gesagt Wiederaufsteiger, die mit einem oft brandneuen Bike die Straßen zurückerobern wollen.

Doch ihnen droht Gefahr, hat sich doch im Laufe der Jahre bei der Technik einiges geändert. Der Landesverband Bayerischer Fahrlehrer propagiert derzeit ein Individualtraining für Biker, die nach einer längeren Pause wieder fahren oder sich mit ihrer neuen Maschine noch unsicher fühlen. „Die Betonung liegt auf ‚Individual’“, sagt Fahrlehrer und Sicherheitstrainer Dieter Pustal von Wolfgang’s Fahrschule in Erding, die ein individuelles Training ins Programm genommen hat. „Wir wollen den Fahrern Mut machen, wieder aufzusteigen“, sagt Pustal. Es stimme, dass Motorradfahrer besonders gefährdet sind. Aber wenn sie sich an wichtige Grundregeln hielten, ließen sich 80 Prozent der gefährlichen Situationen vermeiden.

Der dreistündige Kurs startet mit einem Theorieteil, der den gesamten Themenbereich des Motorradfahrens abdeckt – Blicktechnik, Fahrphysik und Kurventechnik. Im Praxisteil geht es nach dem Training auf dem Übungsplatz in den Straßenverkehr. Motto: Ein Schüler – ein Lehrer. Dass der Schüler mit gültiger Fahrerlaubnis, einem verkehrssicheren Motorrad und vollständiger Schutzkleidung erscheint, wird vorausgesetzt.

Bei der Ausfahrt beobachtet der Instruktor seinen Schützling ganz genau und kann sofort über den Helmfunk erklären, wenn er etwas besser machen könnte. „Die Schüler verstehen so viel schneller, was gemeint ist“, sagt Fahrschulbetreiber Wolfgang Friedrich. Er und sein Kollege Pustal sind seit über 40 Jahren Fahrlehrer und Motorrad-Sicherheitstrainer.

Noch länger fahren beide selbst Zweirad. „Ich habe angefangen, als die ersten japanischen Vierzylinder-Maschinen kamen“, erinnert sich Friedrich. Nach Jahrzehnten in der Fahrpraxis kennen die Profis die Knackpunkte nur zu gut. „Viele Motorradfahrer machen Fehler beim Kurvenfahren“, weiß Friedrich, „sie lenken falsch“. Wichtig sei, nicht sich selbst, sondern das Motorrad in die Schräglage zu bringen: „Die Maschine muss in die Kurve. Nicht der, der draufsitzt.“

Und so spielen bei der Auffrischung der Kurven-Praxis das richtige Einfahren, Bremsen und Beschleunigen eine ebenso wichtige Rolle wie die Schräglage und der Blick auf die Kurvenlinien. Auch die Blickführung wird vertieft. Manche würden im Graben landen, weil sie falsch schauen und damit den Straßenverlauf nicht richtig vorhersehen. „Der Fahrfehler ist manchmal nicht an der Unfallstelle passiert, sondern 100 oder 200 Meter vorher“, warnt Friedrich.

Motorradfahrer könnten darüber hinaus noch viel mehr für ihre eigene Sicherheit tun. „Vorausschauend fahren und die Umgebung genau beobachten“ seien wichtige Gebote, die dabei helfen, nicht mit einem Unfall in die Schlagzeilen zu kommen. „,Denk dran, dass du für andere unsichtbar bist, also quasi ein Geist im Straßenverkehr’ – das geben wir unseren Schülern mit auf den Weg“, erklärt Friedrich.

Motorradfahrer mit ihrer schmalen Silhouette werden von anderen schnell übersehen. Deswegen gehört es auch zu eisernen Regeln, beispielsweise mit Autofahrern oder Fußgängern Blickkontakt zu halten, um zu wissen, ob man gesehen wird“, erklärtPustal. Das sei besonders an Kreuzungen wichtig.

Auch der Spruch „Trau keinem!“ hätte eine nicht unwesentliche Bedeutung. Der Motorradfahrer sollte potenzielle Gefahren kennen und im Blick haben. Dabei geht es auch um kleine Beobachtungen. „Fährt ein Traktor auf dem Feld und liegt schon Erde auf der Fahrbahn, kann es sein, dass der Landwirt auf die Straße einbiegt und einen dabei übersieht“, beschreibt der Sicherheitstrainer eine typische Situation.

Der Weg vor sich müsse ebenfalls genau im Blick sein, denn eine Ölspur oder ein Stein könne zum Sturz führen. Solche Gefahren werden ebenfalls beim individuellen Fahrertraining besprochen. „Der Fahrlehrer fährt vorneweg und kann per Funk auf Verschiedenes hinweisen, was der Motorradfahrer vielleicht übersehen hätte“, so Friedrich.

Dass es Sinn macht, sich nach längerer Motorrad-Abstinenz Tipps vom Profi zu holen, begründet Motorrad-Fan Klaus Hamal. 20 Jahre lang sei er nicht gefahren, erzählt der Isener Geschäftsmann. In der Zeit hätte sich viel geändert, unter anderem bei der Technik der Bikes. „Den Umgang mit dem ABS musste ich erst trainieren“, sagt Hamal. Für ihn sei ein solcher Kurs wichtig gewesen, um komplett wieder reinzukommen.

Henry Dinger

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