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Erding: Indoor-Spielplatz statt hoher Ablöse

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Von: Gabi Zierz

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Mickrig, lieblos, verwahrlost: So wie hier in Altenerding sehen viele in die Jahre gekommene private Spielplätze in Wohnanlagen aus. Die Stadt Erding erlässt nun eine Spielplatzsatzung, die eine gewisse Größe und Ausstattung, aber auch die regelmäßige Pflege vorsieht. © Hans Moritz

Erding - 85 Quadratmeter Spielplatz oder 760 000 Euro Ablöse? Da fiel einem Bauherrn in Erding die Entscheidung nicht mehr schwer.

Spielplätze in Wohnanlagen werden Pflicht: Das hat der Freistaat in seiner novellierten Bauordnung festgesetzt, und das setzt die Stadt Erding jetzt als Satzung um. Ziel: Bauherren und Investoren sollen sich möglichst nicht freikaufen können. Ausnahmen gelten für die Innenstadt.

Dass die Stadtverwaltung bereits wenige Tage nach der Vorberatung der Satzung im Stadtentwicklungsausschuss einen ersten Erfolg vermelden kann, freut besonders Rathaus-Jurist Andreas Erhard. Am Dienstag gab er im Planungs- und Bauausschuss bekannt, dass der Investor des Bauvorhabens Haager Straße/Hennengasse (ehemals Möbel Falterer) seinen Antrag auf Spielplatzablöse zurückgezogen hat und lieber einen 85 Quadratmeter großen Spielplatz errichten will - Indoor, weil es keine Freiflächen auf dem Areal gibt.

„Vorher ist uns von allen Seiten versichert worden, dass dort baulich ein Spielplatz nicht möglich ist – und siehe da: Es geht“, sagte Erhard. Dass es geht, liegt wohl auch daran, dass die Ablöse für den Spielplatz hier nach dem Satzungsentwurf rund 760 000 Euro betragen hätte.

„Der Spielplatz kostet laut Investor angeblich weniger als die Hälfte der Ablösesumme“, so Erhard. Diese richtet sich laut Satzungsentwurf nach der neu entstehenden Wohnfläche – hier gut 1400 Quadratmeter. Je 25 m2 werden 1,5 m2 Spielplatz gefordert. Das ergibt 85 Quadratmeter. Multipliziert mit dem Bodenrichtwert und der Geschossflächenzahl, ergibt sich die Ablösesumme.

Auch wenn der Stadtverwaltung der Betrag selbst hoch vorkam, betonte Erhard mit Verweis auf andere Kommunen: „Wir liegen da voll im Schnitt.“ In die Satzung sollen neben Indoor- auch Dachspielplätze grundsätzlich aufgenommen werden. Dies hat Herbert Maier (Grüne) angeregt. Ende November will der Stadtrat über die Satzung beschließen.

Hubert Sandtners (CSU) Einwand, der Bodenrichtwert sei zu hoch, die Ablösesumme werde auf die Bewohner umgelegt und mache es für diese noch teurer, ließ OB Max Gotz (CSU) nicht gelten. Der Bodenrichtwert sei der günstigste Wert, den man heranziehen könne. „Wir wissen alle, dass aktuell viel höhere Preise verlangt werden.“ Erhard betonte, schon aus Gründen der Gleichbehandlung von Bauherren, die einen Spielplatz errichten, könne man nicht unter den Bodenrichtwert gehen. „Es ist der Versuch, eine gerechte und faire Lösung zu finden“, sagte Gotz und erinnerte daran, dass „nicht wir dieses Gesetz gemacht haben, sondern der Landtag“.

Was dahinter steckt, das erklärte Stadtbaumeister Sebastian Henrich. Er sprach von einem Dilemma durch die dramatisch verringerten Abstandsflächen zwischen Gebäuden, die seit Jahresbeginn gelten (40 statt 100 Prozent der Wandhöhe). „Damit ist auch der Platz für Spielplätze weg.“ Jetzt werde per Gesetz nachgesteuert.

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