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Belegt die Wirtschaft immer mehr Grünland? Die IHK widerspricht dieser Auffassung.

Industrie- und Handelskammer

„Wirtschaft frisst keine Böden“

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Die Industrie- und Handelskammer in der Flughafenregion lehnt eine Obergrenze für Flächenverbrauch strikt ab. Die kommunale Hoheit würde beschnitten, die Preise drohten zu steigen.

Erding - Über das von den Grünen angestoßene Volksbegehren „Betonflut eindämmen“ kann Otto Heinz, Vorsitzender des IHK-Gremiums Erding-Freising, nur den Kopf schütteln. „Die Landkreise Erding und Freising sind grün“, sagte er am Montag vor der Presse. In Erding seien 87,8 Prozent der Fläche frei, in Freising 86,4 Prozent. Der bayerische Schnitt liegt laut Heinz bei 88,1 Prozent. Lediglich 0,4 (Erding) beziehungsweise 0,6 Prozent (Freising) des Bodens würden von Gewerbe und Industrie genutzt. Die restliche Siedlungs- und Verkehrsfläche, zu der nicht nur bebaute Flächen und Straßen, sondern auch Grün-, Sport- und Freizeitanlagen gehören, nimmt laut IHK-Chefvolkswirt Robert Obermeier einen Anteil von 11,5 Prozent in Erding und 12,6 Prozent in Freising ein. Dabei bezog er sich auf Daten des Statistischen Landesamts.

Heinz betonte, dass sich der prozentuale Anteil von Gewerbe und Industrie an der Gesamtfläche zwischen 2011 und 2015 nicht verändert habe. „Seither hat das Bruttoinlandsprodukt in der Flughafenregion aber um über ein Drittel zugelegt.“ Sein Fazit: „Die Wirtschaft geht sorgsam und effizient mit dieser Ressource um.“ Von der Politik erwarte er eine „ehrliche Diskussion“: „Wer nur die vermeintlich flächenverschwenderische Wirtschaft an den Pranger stellt und jegliche Entwicklung mit Versiegelung und Betonflut gleichsetzt, führt die Bürger bewusst in die Irre.“

Heinz warnte vor einer Obergrenze bei der Flächenausweisung: „Mit einer künstlichen Verknappung wird Wohnraum zwangsläufig noch teurer.“ Zudem würden die unterschiedlichen Nutzungen wie Wohnen, Freizeit und Gewerbe „unnötig in Konkurrenz zueinander gesetzt“. Damit drohten wichtige Projekte auf der Strecke zu bleiben.

Als Beispiel nannte er die 5000-Einwohner-Gemeinde Wartenberg, der dann nur noch 6000 Quadratmeter pro Jahr zur Verfügung stünden. Ein Gemeinderat könnte dann vor der Entscheidung stehen: Umgehungsstraße oder Supermarkt. Zudem würde eine Obergrenze die Unterschiede zwischen Stadt und Land beziehungsweise Regionen ignorieren.

Heinz wies auf Alternativen hin. Er empfahl allen Gemeinden, ein Flächenmanagement einzuführen. Schließlich könnten Brachen wiederbelebt und Verdichtung vorgenommen werden.

Die IHK setzt sich zudem für eine stärkere interkommunale Zusammenarbeit ein. Nachbargemeinden könnten sich bei der Entwicklung eines Gewerbegebiets zusammentun. „Kirchturmdenken hilft niemandem“, sagte Heinz. Gleiches gelte für neue Wohngebiete.

Die beiden Landkreise bestehen zu annähernd 90 Prozent aus Wald, Wiesen und Feldern. Den Flughafen nahm Heinz vor dem Vorwurf des Flächenfressers in Schutz. Er beanspruche weniger als ein Prozent des Bodens in beiden Landkreisen. Der Umgriff bestehe zu etwa zwei Dritteln aus Grün- und Freiflächen. 525 Hektar seien bebaut, 1050 nicht.

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