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Auf großes Interesse stieß die Infoveranstaltung des Straßenbauamts und des Landratsamts zum Wegenetz entlang der Erdinger Nordumfahrung im Gasthof Pfanzelt. Rede und Antwort standen Landrat Martin Bayerstorfer (r.) sowie Christian Utschig und Robert Braun sowie Erdings Zweiter Bürgermeister Ludwig Kirmair (Bildmitte, v. r.).

Infoveranstaltung zum ED 99-Wegenetz 

Nordumfahrung wird erneut umgeplant

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Mit der Erdinger Nordumfahrung wird die Staatsstraße 2331 Erding–Berglern nördlich von Langengeisling abgehängt. Die neue Straße darf aber von Mofas, Traktoren und landwirtschaftlichen Maschinen nicht befahren werden. Die Landwirte sind sauer. Jetzt wird umgeplant.

Langengeisling – Voll besetzt war der Gasthof Pfanzelt, in den Landratsamt und Straßenbauamt München am Dienstagabend zu einer Informationsveranstaltung über das Wegenetz rund um die Erdinger Nordumfahrung (ED 99) eingeladen hatte. Dr. Robert Braun, beim Straßenbauamt für den Landkreis Erding zuständig, und Diplom-Ingenieur Christian Utschig hatten nach einer ähnlichen Veranstaltung im Mai 2017 zahlreiche Planänderungen mit dabei. Doch in der hitzig geführten dreistündigen Debatte tauchten neue Probleme auf.

Die Behörden signalisierten Bereitschaft, erneut vor allem auf die Landwirte zuzugehen. Damit ist aber auch klar: „Der Planfeststellungsbeschluss für die ED 99 wird heuer nicht mehr erfolgen“, so Braun.

Kritik an ED 99 als Kraftfahrstraße

Die Nordumfahrung, die in Unterstrogn beginnt, nördlich an Langengeisling und Erding vorbeiführt und in die Flughafentangente Ost mündet, bekommt zwischen Langengeisling und Eichenkofen einen Kreisverkehr (ein zweiter ist auf der Wartenberger Straße im Nordosten Geislings geplant). Gleichzeitig wird die Staatsstraße 2331 Erding–Berglern am nördlichen Ortseingang abgehängt. So soll die Alte Römerstraße vom Verkehr entlastet werden.

Bereits vor einem knappen Jahr hatten Landwirte gegen die Herabstufung eines Teilstücks zu einem Wirtschaftsweg protestiert – zu klein für große und schwere landwirtschaftliche Fahrzeuge, hieß es damals. Utschig präsentierte nun eine befestigte, 4,50 Meter breite Fahrbahn mit standfestem Bankett.

Doch das reichte den Besuchern des Infoabends nicht. Vielen war erst jetzt bewusst geworden, dass die ED 99 eine Kraftfahrtstraße wird, auf der nur Fahrzeuge erlaubt sind, die schneller als Tempo 60 fahren. Zahlreiche Landwirte protestierten nachdrücklich gegen diese Beschränkung. Denn die würde bedeuten, dass sie auf der St 2331 gar nicht mehr fahren können, weil sie am nördlichen Ortseingang nicht mehr weiterkommen. „So geht es nicht“, lautete der Tenor.

Damit nicht genug: Der landwirtschaftliche Verkehr, darunter hunderte Lastwagen in der Zeit der Kartoffel- und der Zuckerrübenernte, müsste in Richtung Langengeisling durch Eichenkofen und Altham sowie auf der Pfarrer-Kerer-Straße fahren – vorbei an Schule und Kindergarten. „Zu gefährlich“, befand die Mehrheit.

Unter anderem der Erdinger Ingenieur Martin Neumaier stellte den Kreisel an der St 2331 in Frage. „Den braucht es gar nicht, wenn 400 Meter weiter östlich ein weiterer, sehr großer Kreisverkehr geplant ist.“ Besser sei, die Staatsstraße zu verschwenken, um den gesamten Verkehr zu diesem Knoten zu führen. Diesen Vorschlag erachtete auch Landrat Martin Bayerstorfer für sinnvoll. Matthias Huber von der Kreisverwaltung wies aber darauf hin, dass diese Variante geprüft und verworfen worden sei.

Fraunbergs Bürgermeister Hans Wiesmaier stieß eine Diskussion an, warum die ED 99 überhaupt eine Kraftfahrstraße sein müsse. Immerhin dürften selbst Bundesstraßen von Fahrrädern, Traktoren und Mofas befahren werden. Dazu erklärte Braun: „Es ist eine neue Straße, und die muss nach diesen Vorgaben gebaut werden. Immerhin geht es darum, Erding vom Verkehr zu entlasten, der vor allem von Osten kommend Richtung Flughafen schnell und ungehindert fließen soll.“ Laut Verkehrprognose sollen auf der ED 99 im Jahr 2030 bis zu 17 000 Autos in 24 Stunden fahren. Zum Vergleich: Auf der FTO sind es derzeit 13 000 Fahrzeuge.

Kirmair: Straße durch Fliegerhorst kommt

Kritisiert wurde auch, dass die Zufahrt von der Nordumfahrung zum Erholungsgebiet Kronthaler Weiher eine allgemeine Straße sei, die ED 99 aber dann etwa von Mofas und Rädern nicht mehr genutzt werden dürfe. „Das ist doch ein Schmarrn“, meinte ein Bürger unter Applaus.

Braun und Utschig sahen ein, dass die Landwirte in der Tat massive Nachteile und Umwege in Kauf nehmen müssten. „Wir werden uns das noch einmal genau anschauen“, versprach Braun. Und Erdings Zweiter Bürgermeister Ludwig Kirmair erneuerte die Zusage des Stadtrats, mit der ED 99 die Nordanbindung im Westen des Fliegerhorsts zu realisieren.

Nach Kritik von Landwirten: ED 99-Wegenetz neu strukturiert

Im Zuge des Baus der Erdinger Nordumfahrung müssen einige neue Wege und sogar eine zusätzliche Brücke gebaut werden, damit die Landwirte weiterhin auf ihre Felder kommen. Diese zusätzlichen Verbindungen fließen in die Gesamtfinanzierung der ED 99 ein, die Bauern müssen sich an den Kosten nicht beteiligen, betonte Landrat Martin Bayerstorfer am Dienstag in der Infoveranstaltung seiner Behörde und des Straßenbauamts München.

In einer ähnlichen Veranstaltung im Mai 2017 in Grucking hatte das Straßenbauamt zahlreiche Änderungswünsche mitgenommen. Zudem waren im Zuge des Planfestestellungsverfahrens 118 Einwendungen bezüglich des Wegenetzes eingegangen.

Dr. Robert Braun und Diplom-Ingenieur Christian Utschig vom Straßenbauamt stellten im Gasthof Pfanzelt etliche Umplanungen vor. An denen wurde dann auch keine nennenswerte Kritik mehr geübt.

So kam während des Verfahrens heraus, dass vier Grundstücke gar nicht mehr erschlossen wären. Diese wird nun der Landkreis erwerben. In der Folge soll es zu einem Flächentausch kommen. „So wird auch weniger Land verbraucht“, erklärte Utschig.

Im Nordwesten Langengeislings sollte eine Verbindung mit einer Schleife unter der Felhbachbrücke hindurch gebaut werden. Diese wurde laut Straßenbauamt gestrichen. Stattdessen kommt eine alternative Erschließung der Flächen zwischen Sempt und Fehlbach parallel zur ED 99. Die Landwirte können Wege beidseits der Straße nutzen.

Östlich des großen Kreisverkehrs an der Wartenberger Straße/Nordtor Fliegerhorst ist gemäß neuer Planung ein zusätzlicher Weg südlich der Umgehung geplant. Ein weiterer Weg wird weiter östlich oberhalb der ED 99 angelegt. Durch die Verschiebung einer Brücke nach Westen erreichen laut Utschig alle Landwirte ihre Flächen. Auch Zuckerrübentransporte könnten darüber abgewickelt werden. Die von einigen Einwendern geforderte Querung des Fliegerhorsts lehnt das Straßenbauamt indes ab.

Mehrfach betonten Bürger, dass sie die Nordumfahrung nie gewollt hätten. Daher dürften sie so wenig Nachteile wie möglich erleiden. Längere Wege müssten sie ohnehin in Kauf nehmen.

Braun kündigte an, dass die Pläne nach der Überarbeitung erneut ausgelegt würden. „Es wird einen Erörterungstermin der Regierung von Oberbayern geben.“ Zum Baubeginn konnte er nichts sagen.

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